Rathausstürme - Blindes Schwein findet Metzinger Schlüssel, Esel haben in Wannweil recht leichtes Spiel

Bunte Narren übernehmen Rathäuser

VON UNSEREN REDAKTIONSMITGLIEDERN

KREIS REUTLINGEN. Auf sie mit Gebrüll. »Goischter! - Weisau!« Gestern kurz nach zehn Uhr hat die Metzinger Narrenzunft, knappe 20 Jahre jung, das Rathaus gestürmt. Verstärkt wurde das Weißgetier von ein paar Uschlaberghexa aus Pfullingen.

Foto: Müller
Foto: Müller
»Burgermeister« Ulrich Fiedler empfing alle vor dem Sitzungssaal in Kochtracht am Grill - und legte Ferkelchen auf. In den Grillhackschnitzeln versteckt: der von den Narren begehrte Rathausschlüssel. Eine der Sauen kramte mit verbundenen Augen und mit Erfolg.

Leitbache Martina Drechsler revanchierte sich mit Alien-Antennen, Blinkbrille und Rock beim Obergriller, stimmte das Hohelied auf ihn und »Hollahi, hollaho« mit ihm an und ritt auf einem offenen Dauerwunsch herum: einem Schweinestall alias Vereinslokal, das die Stadt der Zunft doch endlich gewähren möge. Dann war das Krapfen-Brezel-Saft-Bufett endlich eröffnet, auch für rund 30 kunterbunt verkleidete Kindergartenkinder.

Dass »Alafanz« ein schwäbisches Schimpfwort für eine Person ist, die spöttisch, schlau und gescheit ist, sich aber nichts sagen lässt und dabei boshaft werden kann, weiß Dietmar Schrade. Der stellvertretende Uracher Bürgermeister musste nach dem Rathaussturm auf dem Marktplatz aber noch weitere Fragen von »Alafanz - Fall-et-ra«-Zunftmeister Ralf Wunsch beantworten. Etwa, wann sich die Poller auf dem Marktplatz zum ersten Mal bewegten oder wie die Blume auf dem Häs der Narrenzunft heißt, »Totenköpfchen« nämlich.

Schrade schaffte es, mal mit, mal ohne die Hilfe der vielen Uracher Kindergarten-Kinder, die bunt verkleidet über den Platz wuselten.

Bürgermeisterin »Bauschlumpf«

Punkt 11.44 Uhr am »Schmotzigen Duschtig« stürmten die Walddorfer Schönbuch-Hexen das Rathaus. Freiwillig gab Bürgermeisterin Silke Höflinger den Schüssel an die Närrinnen im Hexen-Häs aber nicht her. Sie mussten erst drei Fragen beantworten und die waren in Teilen gar nicht so einfach.

Zuerst drehten sich die Fragen um die Walddorfer Ortskernsanierung mit Kreisel und Rathausplatz. Für die einheimischen Hexen war dies noch kein Problem. Als sie aber die in Reih und Glied angetretenen Rathausmitarbeiterinnen, die allesamt als Schlümpfe verkleidet waren, benennen sollten, gerieten sie ins Stocken. Aber mit viel Einsagen von den Umstehenden lösten sie schließlich auch diese Fragen - und jetzt regieren also die Narren im Rathaus.

Es war dies erst der zweite Rathaussturm in Walddorfhäslach. Im Ort im Unteramt, der eher pietistisch geprägt ist, hat die Fasnet noch keine so große Tradition. Und wenn die Gustav-Werner-Schule nicht eine ganze Klasse geschickt hätte, wäre die Menschenmenge vor dem Rathaus doch ziemlich überschaubar gewesen.

Die Schülerinnen und Schüler brachten einen Forderungskatalog mit, den die gefesselte Bürgermeisterin erfüllen sollte. Hallenbad, Tischkicker, Spiegel, Tablets - so lauteten die Forderungen. «Kein Problem«, meinte Höflinger schmunzelnd und wurde danach wieder von den Schülerinnen und Schülern entfesselt.

Esel kamen über Leiter

So leicht hatten sich die Narren in Wannweil ihren Rathaussturm zunächst nicht vorgestellt, wie er dann letztendlich lief. Mit vielen Kindern, die sie kurz zuvor aus der Schule befreit hatten, waren die Wannweiler Narrengruppen zum Rathaus gezogen und tanzten mit den Kindern zur Musik. Irgendwann erschien Bürgermeisterin Anette Rösch auf dem Rathausbalkon und begann fleißig Fasnets-Bonbons herunterzuwerfen. Ganz zur Freude der kostümierten Kinder.

Die Narrenzunft war mit ihren Eseln, Wilden Weibern und Höllenknechten gut vorbereitet auf den Rathausplatz gekommen. Sogar eine lange Leiter zur Rathauserstürmung hatten sie dabei. Als sie die an das Geländer des Rathausbalkons lehnten, ging aber überraschenderweise die automatische Rathaustür auf. Das nutzten Kinder und Narren, um sich die Rathauserstürmung zu erleichtern. Manche Narren nahmen trotzdem die Leiter - Narren eben.

Im Rathaus gab es dann die Schlüsselübergabe und ein Geburtstagsständchen für die Wannweiler Esel. Die Narrengruppe feiert in diesem Jahr ihr 20-jähriges Bestehen. (GEA)






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Närrische Tradition

Rathausstürme im Ermstal

Rathaussturm Metzingen 2018
In Metzingen wird nicht nur eine Sau rausgelassen. FOTO: Markus Pfisterer
 
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