ÖPNV - Die etwas mehr als 9 000 Bürger von Dettingen verfügen über gute Zug- und Busverbindungen
Aus der Mitte des Tals in die Welt
Von Heiner Keller
DETTINGEN. 543 (73,6 Prozent) von 737 der beim GEA-Orts-Check befragten Dettinger können nicht irren: Sie finden, dass die Gemeinde zufriedenstellend an den öffentlichen Personennahverkehr angeschlossen ist. Dass dieses gute Ergebnis herauskommt, hängt vor allem an einem: an der Ermstalbahn. Seit der Schienenverkehr zwischen Metzingen, Dettingen und Bad Urach am 1. August 1999 wieder aufgenommen wurde, verzeichnet die Schiene, aber auch die mit ihr vertakteten Buslinien, stetig steigende Fahrgastzahlen.
Das hört sich schon richtig großstädtisch an: »Dettingen-Mitte« ist eine von insgesamt vier Haltestellen der Ermstalbahn in der Mitte desTales.
FOTO: Thomas Füssel
Dass ein auf die Nutzer zugeschnittenes Nahverkehrsangebot ankommt, davon zeugen die Fahrgastzahlen: Vor dem Neustart der Ermstalbahn waren es lediglich 2 200 Fahrgäste, die Tag für Tag den ÖPNV nutzten. 2005 waren es schon 3 100 Bürger, die im Ermstal Bus und Bahnen im Alltag nicht links liegen ließen.
Die aktuellsten Zahlen stammen aus dem Jahr 2007 - an ihnen ist ein Aufwärtstrend weiterhin ablesbar: 3 800 Fahrgäste nutzten danach täglich Ermstalbahn und Bus - aufgeteilt in 2 500 Bahnfahrer und 1 300 Busnutzer. Thomas Leichtle, zuständiger Amtsleiter beim Landratsamt Reutlingen teilte auf Anfrage diese Woche mit, dass im Februar neue Fahrgastzählungen gemacht worden sind, deren Auswertung läuft allerdings noch. Die exakten Zahlen sollen im April vorgestellt werden.
Manch einer wird vor zehn Jahren die Wiedereröffnung der Ermstalbahn als Spinnerei abgetan haben; heute würde das wohl keiner mehr zugeben.
Zum Zehnjährigen im vergangenen Jahr konnte die Ermstalbahn längst eine Erfolgsgeschichte vorweisen. Sie wartete mit bis dato einer Million Fahrgästen auf und erwirtschaftete damals 19 000 Euro Jahresüberschuss.
Die Erfolgsgeschichte der Bahnverbindung durchs Ermstal hängt sicherlich auch damit zusammen, dass viele an einem Strang ziehen: da ist zum einen die Erms-Neckar-Bahn AG, die »Enag«, die mit Ermstal- und Albbahn zwei erfolgreiche Strecken betreibt. Da ist zum zweiten der Zug-Bus Regionalverkehr Alb-Bodensee (RAB), die den Zug fahren lässt und als Dritter im Bunde macht der Verkehrsverbund Neckar-Alb-Donau (Naldo) mit, der für die Tarifgestaltung verantwortlich zeichnet.
Der Reutlinger Kreistag hatte vor etwas mehr als zehn Jahren schließlich der »neuen« Ermstalbahn zugestimmt und zunächst 2,3 Millionen Euro locker gemacht, von denen allerdings 1,8 Millionen Euro vom Land kamen. Den Rest teilten der Kreis sowie Metzingen, Dettingen und Bad Urach untereinander auf. Erst in diesen Tagen haben die Partner für weitere drei Jahre die Finanzierung der Ermstalbahn auf ein sicheres Fundament gestellt. Die Kommunen beteiligen sich mit je 13,1 Prozent, der Kreis Reutlingen mit 26,2 Prozent an den Gesamtkosten der Bahn-Infrastruktur von rund 190 000 Euro; die RAB übernimmt 34,5 Prozent der Kosten. Die Ermstalbahn gilt als Modell für eine zukünftige Regional- und Stadtbahn. (GEA)