Musical - Countdown für Joseph And The Amazing Technicolor Dreamcoat: Morgen ist Premiere auf dem Kelternplatz
Auf geht's nach Ägypten
VON CARLA SAILER
Während noch in der Halle geprobt wird, sind fleißige Helfer dabei, die große Open-Air-Bühne auf dem Metzinger Kelternplatz aufzubauen.
FOTO: Andreas Fink
METZINGEN. Wüstenähnliche Temperaturen, Sklavenhandel, Träume, die Deutung verlangen, ein Raub, Eifersucht und ein Familiendrama mit gutem Ende. Wo sind wir bloß? Nein, nicht im alttestamentlichen Ägypten, auch wenn man das wirklich meinen könnte. Männer in weiten Gewändern und Frauen in paillettenbestickten und mit Gold verzierten Kleidern. Dazu ein Pharao, der sich die Seele aus dem Leib singt und Rock 'n' Roll tanzt. »Nein! Halt!«, ertönt eine Stimme aus dem Off, »Macht das mehr so!« Jeder versteht die Anweisungen des älteren Herrn, der mit schon heiserer Stimme ruft. Die deutliche Gestik und Mimik, die er an den Tag legt, erklären sich von selbst.
Des Rätsels Lösung liegt nahe, wenn man einen Blick in den Kalender des Veranstaltungsringes Metzingen wirft: Morgen ist die Premiere des neuen Open-Air-Musicals auf dem Metzinger Kelternplatz. Aufgeführt wird das Stück »Joseph And The Amazing Technicolor Dreamcoat«. Spätestens jetzt müsste so manchem ein Licht aufgehen.
Kinderchor strahlt wie die Sonne
Wir sind in der Mensa der Neugreuthschule Metzingen, wo Schauspieler, Sänger, Tänzer und Musiker jeglichen Alters in der letzten intensiven Probenphase stecken, damit bei der ersten Aufführung auch alles glatt läuft. Die Stimme aus dem Off gehört Horst Laubner, der Regie führt, wie schon in vielen Aufführungen zuvor. Mit Leib und Seele ist der 78-Jährige dabei bei seiner neuesten Produktion des traditionellen Kelternmusicals. Er hat die Szenen der Joseph-Geschichte genau im Kopf und weiß, wie die Schauspieler wann was machen sollen. Unterstützt wird er dabei von Martina Auer und Stephen Blaich, die die Gesamtleitung innehaben.
Im Zentrum stehen die Erzählerin, gespielt von Martina Auer selbst, und natürlich Joseph mit seinem bunten Träumerkleid, gespielt von Fabian Brändle. Beide sind schon lange dabei und bilden das Fundament der Gruppe.
Eine neue Szene. Alle stehen auf der im Moment noch provisorischen Bühne. Auch ein Kinderchor, der trotz der hohen Konzentration so strahlt wie die Sonne, als Joseph mit ihm ein Lied anstimmt. Der nächste Auftritt. Ein gutes Dutzend Mädchen tanzen, hüpfen und springen zum Gesang des großen Chors auf der Bühne. Zwischendurch beißen sie sich auf die Lippe, ärgern sich, wenn sie Schritte verwechselt haben. In den Pausen zwischen den Durchläufen werden die Tänze dann noch mal und noch mal wiederholt, bis auch die letzten Fehler ausgemerzt sind. Weiter geht's.
Reise durch das erste Buch Mose
Der zweite Akt erfordert noch einmal volle Aufmerksamkeit und Konzentration. Im Durchlauf wird weder gelacht noch sonst etwas gemacht, was nichts zu tun hat mit Joseph, seinen Brüdern und den Geschehnissen in Kanaan und Ägypten. »Stimmt euch auf eure Rolle ein«, fordert Laubner. Blaich gibt den Einsatz, die Musiker beginnen mit den ersten Takten und fast 100 Beteiligte verlassen die Mensa und begeben sich auf eine Reise durch das erste Buch Mose.
Das Einzige, was allen noch Sorgenfalten ins Gesicht zaubert, ist das Wetter, von dem der Erfolg des Musicals abhängig ist. Für den Augenblick lässt sich der gemeinsame Traum von allen einfach deuten: niedrigere Temperaturen in der Mensa. Aber zu den Aufführungen in der kommenden Woche ist Regen ein nicht gern gesehener Gast.
Die Stimmung ist gut. Alle wollen die Zuschauer verzaubern mit einem Abend voller Emotionen und schöner Momente, die Gänsehaut hervorrufen und sie in eine ferne Welt entführen. (GEA)
Sechs mal Joseph
Joseph And The Amazing Technicolor Dreamcoat hat am Donnerstag, 22. Juli, um 20.30 Uhr Premiere auf dem Metzinger Kelternplatz. Weitere Vorstellungen sind vom 23. bis 25. Juli sowie am 27. und 28. Juli. Das Musical beginnt jeweils um 20.30 Uhr. Karten gibt's im i-Punkt am Lindenplatz und an der Abendkasse. (GEA)