Tierliebe - Jannina Püntzner kümmert sich als »Meerschweinchen-Nanny« in Riederich um »verwaiste Wutzen«

»Meeris sind keine Kuscheltiere«

VON MARA SANDER

RIEDERICH. Im Wohnzimmer von Jannina Püntzner und ihrem Lebensgefährten in Riederich ist immer tierisch was los. Der Grund dafür sind teilweise bis zu 20 Meerschweinchen, die dort in mehreren artgerechten Gehegen leben, bis sie entweder gesund gepflegt sind oder neue Besitzer gefunden haben.

Die »Meerschweinchen-Nanny« Jannina Püntzner weiß, was ihre kleinen Lieblinge gerne mögen. »Mützle« lässt sich mit Gurke locken.
Die »Meerschweinchen-Nanny« Jannina Püntzner weiß, was ihre kleinen Lieblinge gerne mögen. »Mützle« lässt sich mit Gurke locken. FOTO: Mara Sander
Käfighaltung mag die »Meerschweinchen-Nanny« nicht. Darum hat sie extrakleine »Landschaften« bauen lassen und näht Hängematten und Kuschelhäuschen für die Gäste im »Wutzenhotel«. Dort fühlen sich die kleinen Nager sichtbar wohl, die sie vorübergehend in Pflege nimmt, wenn deren Besitzer für kurze Zeit verhindert sind, sei es wegen Urlaub, Krankheit oder aus beruflichen Gründen.

»Leider schaffen sich viele Leute Meerschweinchen an, und schnell lässt die Freude nach«
 

Vor allem aber »sind wir eine private Notstation für Meerschweinchen in Baden-Württemberg und kümmern uns um Meerschweinchen, die aus verschiedenen Gründen abgegeben werden müssen, päppeln sie bei Bedarf auf und vermitteln sie in gute Hände weiter«, so die engagierte Tierschützerin.

»Leider schaffen sich viele Leute Meeris an, werden falsch oder gar nicht beraten, und schnell lässt die Freude nach, wenn die Tiere sich plötzlich streiten, krank werden oder sich nicht so verhalten, wie man es sich vorgestellt hat«, erklärt sie zur Idee der Notstation. Sie weist darauf hin, dass die »Tiere durch unbewusste, falsche Haltung leiden und durch falsches Futter krank werden. Plötzlich ist man überfordert, Nachwuchs ist da oder Ähnliches. Für diese Tiere und Menschen sind wir da.«

Ganz wichtig ist es ihr klar zu machen, dass Meerschweinchen entgegen landläufiger Meinung »keine typischen Kindertiere sind, aber als solche oft verkauft werden.« Im Gegenteil, es seien im Rudel lebende Fluchttiere, die nicht angefasst, gestreichelt und vor allem nicht auf den Arm genommen werden wollen. Dann fühlen sie sich als Beuteopfer. »Meeries sind keine Kuscheltiere, für die sie fälschlicherweise gehalten werden.«

Darum sollen sie auch nie einzeln sondern mindestens zu zweit gehalten und die Männchen kastriert werden. Sollte eins der beiden Schweinchen sterben, müsse unbedingt Ersatz gefunden oder das Einzeltier mit anderen Meeries vergesellschaftet werden. Dabei ist die »Meerschweinchen-Nanny« sehr gerne behilflich, berät, vermittelt und kann auch »Leihmeerschweinchen« zur Verfügung stellen für den Fall, dass ein Tier durch Tod des Zweiten alleine leben müsste, weil die Besitzer kein neues Schweinchen mehr anschaffen möchten. »Wenn dann das Erste dann auch stirbt, nehmen wir das Leihmeerschweinchen zurück und vermitteln es an einen festen Platz.«

»Meerscheinchen sind keine Kindertiere, aber als solche werden sie oft verkauft«
 

Das alles kann Jannina Püntzner aber nur leisten, weil sie eine Sachkundeprüfung bestanden hat und alle erforderlichen Vorschriften einhält.

Täglich schneidet sie für die kleinen Gäste etwa drei Kilo Gemüse als Frischfutter, stellt selbst Kräuterfutter her und hat dadurch auch viele Ausgaben. Darum würde sie sich über Patenschaften für herrenlose Meeries freuen, denn »Keks«, »Krümel«, »Cookie«, »Agnes«, »Mützchen«, und wie sie alle heißen, sind immer hungrig.

Aufgeben würde sie ihr Hobby nie und hat ihrem Partner von Anfang gesagt, dass es »mich ohne die Meeries nicht gibt.« Und er kann sich ebenfalls ein Leben ohne sie und die flinken Schweinchen nicht mehr vorstellen. (GEA)

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