Wein - Metzinger Genossenschaft trotzt den Wetterextremen und fährt gegen den Landestrend ein Umsatzplus ein
»Hervorragendes Weinjahr 2011« in Metzingen
Von Markus Pfisterer
METZINGEN. Fünf Prozent mehr Umsatz als im vorigen Geschäftsjahr und steigende, weit über dem Landesschnitt liegende Auszahlungen an die 140 Genossen. Ein Portugieser, der den schon sehr guten Vorgänger qualitativ noch mal toppt. Wengerter, die einem Jahr der Wetterextreme getrotzt und genau die geplante Traubenmenge einfahren konnten. Schlagzeilen, die den Mitgliedern der Metzinger-Neuhäuser Weingärtnergenossenschaft bei ihrer Generalversammlung am Freitag, 20. Januar, munden dürften wie ein Chardonnay.
Guter Jahrgang: Friedrich Mändle legt auf dem Metzinger Weinberg am 2011er Hand an.
FOTO: Uschi Pacher
»2011 war ein hervorragendes Weinjahr, noch mal eine Stufe über 2010«, bilanziert Jörg Waldner, der Vorstandsvorsitzende der Weingärtner-Genossenschaft, im Gespräch mit dem GEA.
Eine Ernte, die trefflich zum 75-jährigen Bestehen passen mag, das die Wengerter im März in der Festkelter groß und vielfarbig gefeiert haben. Im Herbst haben sie 320 000 Kilo Trauben gelesen, 30 000 Kilo mehr als im langjährigen Schnitt; macht 105 Kilo pro Ar auf der 30 Hektar großen Fläche.
Sehr hohe Öchslegrade
Und das, obwohl es zunächst gar nicht nach solch satten Mengen aussah. Zunächst grimmte Anfang Mai Spätfrost, bei dem Weinberg und Hofbühl gerade noch mal glimpflich davonkamen. »Ein bis zwei Grad kälter, und es hätte erhebliche Frostschäden geben können.« Zweite Nervenprobe für die Winzer: die ungewöhnlich lange Trockenheit im Frühjahr. Waldner: »Der Regen kam gerade noch zur rechten Zeit. Wäre es noch weitere zwei bis drei Wochen trocken geblieben, wären Trockenschäden wahrscheinlich gewesen.«
Doch nachdem sich im »Turbosommer« die Himmelsschleusen umso häufiger öffneten, wuchsen die Reben ununterbrochen - bis zur Ernte, die zwei bis drei Wochen früher als üblich gelesen wurde. Und in ausgezeichneter Qualität: »Sehr hohe Öchslegrade« vermerkt Jörg Waldner und spricht die Vegetationsbedingungen betreffend von einem »Jahr der Extreme«.
Mit einem langem goldenen Herbst samt kühl-trockenen Nächten als markantem Schlusspunkt, der erst die Spätburgunder-Auslese als Rarität möglich gemacht hat. Der nur in 3 000 Flaschen verfügbare Portugieser ist schon ausverkauft, auch der Absatz der in den vergangenen Jahren etablierten Sorten Riesling, Muskateller und Samtrot entwickelt sich positiv. Vom erst vor kurzem angepflanzten roten Cabernet Dorsa erwarten die Genossenschaftsverantwortlichen eine ähnlich erfreuliche Entwicklung. Folgen soll ein weiteres Jahr des Wachstums. Nicht nur bei den Reben, aus denen die Metzinger-Neuhäuser Genossenschaft bis in drei oder vier Jahren auch weiße und rote Bio-Cuvées ernten will.
Regionale Verkaufsstrategie
Sondern auch touristisch. Eine verstärkte Vernetzung mit dem Biosphärengebiet Schwäbische Alb ist angesagt, Gesprächskreise sollen sie vorantreiben. Verhandlungsergebnis könnten kombinierte Angebote aus Wanderungen und Gastronomie sein. Auch auf der Messe »schön+gut« in Münsingen und anderen regionalen Märkten wollen die Metzinger Wengerter Flagge zeigen. Das passt zur Verkaufsstrategie »Weine aus der Region für die Region«, die die Genossenschaft vorantreiben will. Waldner ist und bleibt zufrieden: »Wir schauen mehr als zuversichtlich in das neue Jahr 2012.«
Derweil läuft die Abfüllung auf Hochtouren. Damit begehrte und derzeit ausverkaufte Sorten wie der Muskateller bald wieder in den Auslagen der Vinothek oder anderer Weinhändler zu finden sind. Und die Gesichter der Genossenschaftsmitglieder ihren Glanz aus der Generalversammlung behalten. (GEA)
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