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INTERVIEW - Werner Bitzer, Diakon aus Walddorfhäslach, ist zur Fortsetzung seiner Afrika-Tour gestartet

»Halbe Sachen waren nie mein Ding«

WALDDORFHÄSLACH. Vor zwei Jahren wollte Werner Bitzer (60), Diakon aus Walddorfhäslach, von Kairo nach Kapstadt radeln. Nach rund 5 500 Kilometern wurde er am 22. März 2009 bei Iringa in Tansania von einem Lkw erfasst und so schwer verletzt, dass er nach Deutschland ausgeflogen werden musste.

Strapazen im Dienst der Flüchtlinge: Eberhard Bitzer ist zum zweiten Teil seiner Afrika-Tour aufgebrochen. FOTO: PR
Strapazen im Dienst der Flüchtlinge: Eberhard Bitzer ist zum zweiten Teil seiner Afrika-Tour aufgebrochen. FOTO: PR
Jetzt ist er in Nairobi zur Fortsetzung seiner Tour durch Afrika gestartet. Der zweite Teil seiner Tour, die er als einer der 71 Teilnehmer der Tour d'Afrique bestreitet, dauert 62 Tage und führt ihn durch sechs Länder.

Durchschnittlich 120 Kilometer legt Bitzer am Tag zurück, neun Ruhetage sind eingeplant. Insgesamt sind 6 500 Kilometer mit dem Rad zu bewältigen, zum Teil unter schwierigsten Bedingungen. Mit seiner Afrika-Tour will Bitzer auch Spenden für ein sudanesisches Flüchtlingslager sammeln. Eberhard Fuhr vom EJW-Weltdienst sprach mit einem Unermüdlichen.



»Sonne gibt es reichlich und wir teilen sie gerne mit Dir«
 

GEA: Sind Sie wieder ganz fit nach Ihrem Unfall in Iringa?

Werner Bitzer: Im Prinzip ja. Allerdings ist die Beweglichkeit des rechten Ellbogens eingeschränkt. Und das wird auch so bleiben. Das ist manchmal beim Rasieren oder Duschen etwas hinderlich.

Worauf freuen Sie sich am meisten bei der diesjährigen Tour?

Bitzer: Ein Teilnehmer der diesjährigen Tour schrieb mir kürzlich: Sonne gibt es reichlich, und wir teilen sie gerne mit dir. Ich freue mich also auf Sonne und Wärme. Wie es dann wird, wenn die Sonne brennt, das ist dann wieder etwas anderes. Ich freu mich auf Begegnungen mit Menschen in der Gruppe und in den Ländern Afrikas. Auf das Schlafen im Zelt und natürlich das Radfahren und die großartige Landschaft in Afrika. Ich hoffe, dass genügend Zeit bleibt, um die Feier von Karfreitag und Ostern in Afrika unmittelbar zu erleben und mit zu feiern. Wenn es möglich ist, auch den einen oder anderen Gottesdienst zu erleben.

Wovor haben Sie Respekt oder sogar Angst?

Bitzer: Auf den Autoverkehr werde ich diesmal besonders achten. Es ist ein Rückspiegel dabei! Der nötige Respekt vor einem Sturz auf den Ellbogen wird mich wohl begleiten, aber hoffentlich nicht eintreten.

Was ist die größte Herausforderung?

Bitzer: Es sind wieder einige Tage dabei, die sehr anstrengend sind, mit mehr als 2 000 Höhenmetern, langen Tagesstrecken von über 210 Kilometern oder auch Schotterstraßen. Nun ist die körperliche Herausforderung die eine Sache, das kann jeder trainieren. Das andere sind die mentalen Herausforderungen. Immer wieder auf neue Menschen und ganz andere Umstände und Lebensweisen einzustellen. Was für mich auch nicht immer einfach sein wird, ist die Umgangssprache Englisch. Aber irgendwie wird das auch gehen.

Was motiviert Sie zum zweiten Teil der Tour?

Bitzer: Halbe Sachen zu tun, das war noch nie mein Ding. Etwas anzufangen und nicht zu Ende zu bringen, das geht einfach nicht. Ein bisschen Abenteuerlust ist natürlich auch dabei. Aber im Mittelpunkt stehen für mich doch die Begegnungen mit Menschen. Das ist immer sehr eindrücklich. Was meine ich damit? Hier ein kleines Beispiel: Bei meiner letzten Tour bin ich einmal richtig explodiert. Ich kannte mich nicht wieder. Ich war müde und erschöpft und immer kamen die Menschen zu mir, um Hilfe zu erbitten. An diesem Tag kam auch wieder ein älterer Mann auf mich zu. Von Weitem konnte ich sehen, dass er hungrig war. Nicht schon wieder ich, war mein erster Gedanke. Er solle doch zu den anderen aus der Gruppe gehen. Nach vielen Gesprächen in den nächsten Tagen bin ich erst dahinter gekommen, dass es in Afrika zur Höflichkeit gehört, zum Ältesten zu gehen. Man fragt also nicht irgendjemand, sondern den Weißhaarigen, den Ältesten. Wenn also die Beweggründe meines Gegenübers mir etwas klarer sind, dann kann ich auch Verständnis aufbringen und mit der Situation umgehen.

»Man fragt in Afrika nicht irgendjemand, sondern den Weißhaarigen«
 

Auf der Tour werden Sie auch an Ihrer Unfallstelle vorbeikommen. Was werden Sie dort machen?

Bitzer: Da wäre ich gerne noch mal vorbei gekommen. Auch um den Ärzten im Hospital von Iringa persönlich zu danken. Nicht zuletzt aufgrund meines Unfalls wurde aber in diesem Jahr die Strecke geändert. Wir werden also in Tansania nicht mehr über die Hauptstadt Dodoma nach Iringa fahren, sondern beim Lake Manyara nach Singida und direkt nach Mbeya unterwegs sein. Da soll es auch über einen Pass von über 2 500 Meter gehen mit einer rasanten Abfahrt von über 1 700 Meter.

Haben Sie dieses Mal auch Begegnungen geplant?

Bitzer: Leider wird sich das in diesem Jahr voraussichtlich nicht ergeben. Es ist zwar für mich erstaunlich, wie viele Deutsche in Afrika leben und arbeiten, aber alle sind irgendwie abwesend. Leider klappt das nur in sehr eingeschränkter Weise und eben nur ganz spontan. Aber das ist auch wieder sehr entspannend. (GEA)

Person und Spendenkonto


Werner Bitzer, geboren 1951, ist verheiratet und hat zwei Töchter. Nach seiner Ausbildung zum Kaufmann war er ehrenamtlich in der Jugendarbeit in Albstadt-Tailfingen und Balingen tätig. Als Gemeindediakon wirkte Bitzer in Metzingen und war von 1982 bis 2002 Geschäftsführer der Diakonischen Bezirksstelle Bernhausen. 2002 wurde er für die landeskirchliche Mitarbeitervertretung und arbeitsrechtliche Kommission freigestellt. Seit 1. August 2008 ist Werner Bitzer in der Freistellungsphase der Altersteilzeit. Zurzeit ist er Kirchenpfleger der evangelischen Kirchengemeinde Walddorf.

Zu seinen Hobbys gehören neben dem Radfahren das Bergsteigen, Geschichte, Sterne und Philosophie.

Spenden für das sudanesische Flüchtlingslager Engaz gehen auf das Spendenkonto des ejw, Nummer 400 405 485 bei der Evangelischen Kreditgenossenschaft EKK, BLZ 520 604 10. Stichwort WDT2011 (GEA)



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