Neubau - Das Kinderhaus Ohmstraße nimmt Gestalt an. Architekt Jochen Klarmann beschreibt, wie es aussehen wird
»Gebäude mit Collagencharakter«
Von Markus Pfisterer
METZINGEN. Pädagogik fängt an der Wand an. Mal nackte Betonwände, mal griffiger Putz, mal eine Holzverkleidung warten darauf, von kleinen Händen entdeckt und erspürt zu werden. Im neuen Metzinger Kinderhaus Ohmstraße, dessen Rohbau bis Ende September stehen soll und das ein knappes Jahr später bezugsfertig sein soll.
Zukunft: So soll das Metzinger Kinderhaus Ohmstraße in einem Jahr aussehen. GRAFIK: BÜRO KLARMANN
Architekt Jochen Klarmann hat den 1,75 Millionen Euro teuren Bau, der als eines der ersten Häuser Metzingens CO2-neutral sein wird, dem GEA im Detail vorgestellt.
Klarmann hatte in einem Wettbewerb unter 115 Architekten das Rennen um das neue Kinderhaus gemacht, in dem dereinst bis zu 80 Klein- und Kleinstkinder Platz und Betreuung finden werden. Die Bodenplatte liegt bereits, es folgen die Aufbauten. Rund zwei Drittel der Gewerke sind vergeben. »Wir liegen im Kostenrahmen«, bestätigt Klarmann.
Durchblicke auf Kinderhöhe
Zwei Kindergartengruppen für Drei- bis Sechsjährige bekommen jeweils einen 50 Quadratmeter großen Gruppenraum und Nebenräume im Erdgeschoss. Sichtachsen schaffen ein besonderes Raumgefühl. Konsequent setzt der Architekt und Familienvater auf die Perspektive der Kleinen, bietet Durchblicke vom Flur bis in den rückwärtigen Garten auf kindgerechter Augenhöhe. Im Obergeschoss entstehen die Räume für drei Kleinkindgruppen mit unter Dreijährigen, die auch Küche und Ruhemöglichkeiten enthalten werden.
Viel Glas in den Wänden
Gemeinsam mit der Stadt als Bauherr und Träger des Kinderhauses und mit Erzieherinnen wählt Klarmann die Inneneinrichtung für die 50 Quadratmeter großen Gruppenräume und die Nebenräume aus. Wie's gehen kann, hat sich eine Delegation schon mal in Stuttgart und Schlaitdorf angesehen. Mit kindgerechten Schränken oder Waschbecken und Spielebenen, die »nicht aus dem Katalog kommen, sondern der räumlichen Situation angepasst sind«. Die Zimmer werden sich je nach Nutzung farblich unterscheiden. Blau für die Gruppenräume, Lindgrün fürs Bad? Die Details sind noch offen.
Beide Geschosse bekommen eigene Eingänge, beim oberen macht sich der Architekt die Hanglage des Geländes zunutze. Im Garten entsteht ein kleines Kinder-Erlebnisland mit Spielturm und Kletterhaus und einer modellierten Mini-Landschaft: Hügel, Tunnel und ein Bachlauf fügen sich ineinander. Erlebnis Natur direkt vor der Kinderhaustür.
Das Gebäude selbst soll in seiner Gesamtanmutung »offen, hell und freundlich« werden. Auch, weil die Hälfte der Fassade aus dreifach verglasten Flächen bestehen wird. Betonwände bilden die andere Hälfte, ausgestattet mit einer dreißig Zentimeter dicken Wärmedämmschicht aus Mineralwolle und Styropor. »Die exzellent gedämmte Gebäudehülle ist der erste Schritt zur CO2-Neutralität«, erläutert Jochen Klarmann. Selbst unter dem Haus liegt eine Dämmschicht - aus Glasschotter, der zugleich tragende Funktion hat.
System mit Wärmetauscher
CO2-Neutralität ist immer dann erreicht, wenn im Energiebezug und -verbrauch nicht mehr Kohlendioxid frei wird, als die Brennstoffe bei ihrer Entstehung gebunden haben. Zur Passivseite, dem niedrigen Energiebedarf, kommt als zweiter Schritt die ressourcenschonende Wärmeerzeugung.
Ins Kinderhaus kommt ein ausgefeiltes Lüftungs- und Heizungssystem mit Wärmetauschern, die aus der Abluft Wärme herausziehen und der einströmenden Frischluft wieder zuführen. Durch diese »Wiederverwertung« benötigt das Kinderhaus weniger Energie aus anderen Quellen. Und es wird ständig belüftet, ohne dass Fenster geöffnet werden müssen.
Energiegünstige kubische Form
Was an Strom und Wärme von außen noch erforderlich ist, erzeugt ein Gas-Blockheizkraftwerk. Bis zu 30 Prozent des Stroms kommen dabei aus regenerativen Quellen. Zukunftsmusik ist noch eine Bürgersolaranlage auf dem Dach, deren Einrichtung der Gemeinderat bisher nicht beschlossen hat.
Rund 150 000 Euro teuer wäre laut Klarmann eine solche Anlage, »die bauseitigen Vorkehrungen dafür treffen wir«. Energetisch fortschrittlich wird das Haus aber auch wegen seiner kompakten, fast kubischen Form - ohne Vorsprünge, über die Wärme ungenutzt verloren gehen könnte.
Das Kinderhaus Ohmstraße geht neue Wege. Ökonomischen Zwängen ausgesetzt, liegt es ökologisch im Zug der Zeit und setzt im Innenausbau auf eine ungewöhnliche, individuelle Mischung. »Es wird ein Gebäude mit Collagencharakter«, beschreibt Architekt Klarmann. Zu entdecken im September 2011 für Menschen ab eins. (GEA)