Premiere - Die Jettenburger Laienschauspielgruppe »Mordsteam« präsentiert ihr neues Stück »Nachbars Kirschen«
Mordsteam zeigt Rätselraten mit Pfarrers Hilfe
Von Alexander Thomys
KUSTERDINGEN-JETTENBURG. Ihr Ruf eilt ihnen inzwischen voraus: Als das Laientheater »Mordsteam« sein neuestes Kriminal-Stück »Nachbars Kirschen« ankündigte, waren die Fans der 2007 gegründeten Gruppe rasch zur Stelle: Alle sechs Spieltermine im Jettenburger »Ochsen« waren schon vor der ersten Vorstellung des Stückes ausverkauft. Und so war der Gasthof auch bei der Premiere von »Nachbars Kirschen« komplett mit 83 gespannten Krimi- und Theaterfans gefüllt.
Die Schattenseiten seiner Schäfchen kann der Dorfpfarrer (Günter Brucklacher) nur mit einem guten Glas Wein ertragen.
FOTO: Alexander Thomys
Das Konzept der Laienschauspieler scheint dabei aufzugehen. Denn beim »Mordsteam« sind die Zuschauer zum Mitmachen aufgefordert: Der obligatorische Mord steht erst ganz am Ende des Stückes, die Besucher sollen danach anhand von versteckten Hinweisen den Täter erraten. Dazwischen wird in der Pause ausgiebig gespeist - damit haben die Jettenburger auch in diesem Jahr offenbar den Nerv ihrer Fans getroffen.
Dramen des Alltags
»Das ist schon der Wahnsinn, einfach wunderbar«, freute sich Tina Wälde, die die Kriminalstücke selbst schreibt und sie anschließend mit ihren Mitstreitern mit Leben füllt, über den großen Besucherzuspruch. Dabei wurde die Zeit in diesem Jahr besonders knapp - das Stück konnte nie gänzlich am Stück geprobt werden, verrät Wälde. »So langsam fällt jetzt die Anspannung, wenn man sieht, dass alles klappt«, sagte die begeisterte Hobby-Schauspielerin schon nach dem ersten Akt.
Die Geschichte dreht sich dabei in diesem Jahr um ein Dorffest samt Kirschenkuchen-Backwettbewerb - der den gesellschaftlichen Höhepunkt in dem verschlafenen Örtchen darstellt. Der beste Kirschkuchen soll prämiert werden: ein Treffen mit dem Landrat. Das Zusammenkommen aller Dorfbewohner ist zugleich eine gute Gelegenheit, alte Rechnungen und Konkurrenzkämpfe zu begleichen oder neu anzufachen. In die Rolle des kundigen Beobachters schlüpft dabei Günter Brucklacher, der den Pfarrer des Ortes spielt.
Dieser weiß um die zahlreichen kleinen und größeren Sünden seiner fleißig beichtenden Gemeindemitglieder - und kann sie selbst nur mit Hilfe von einigen Gläschen Wein ertragen. »Ohne deinen segensreichen Gerstensaft wäre das alles kaum auszuhalten«, erklärt der Kirchenmann im humorigen Zwiegespräch mit Gott - und erzählt den Theaterbesuchern dabei allerlei Hintergründiges von den Schattenseiten der potenziellen Täter.
Und Motive für einen Mord gibt es in der nur vermeintlich friedlich-idyllischen Gemeinde mehr als genug: Neid, Missgunst, Rache, verschmähte Liebe und Eifersucht: Alle kleinen und großen Dramen des menschlichen Lebens tauchen auf, sodass die Klischees manchmal schon ein wenig überzeichnet wirken. Etwa das der Dorfdiva »Angelika« (schwungvoll gespielt von Katinka Helber), die nur des Geldes wegen den überaus eifersüchtigen Bauunternehmer Ralf (Martin Schlegel) ehelichte und die zugleich allen Männern im Ort den Kopf verdreht.
Am Ende ist der Falsche tot
Dass dann am Ende wohl auch noch der Falsche zum Opfer wird, macht das »Verwirrspiel« komplett, wie es einer der Besucher nannte. Ob die Hinweise des Pfarrers oder gar dessen Tagebuch am Ende die Lösung bieten, wird an dieser Stelle natürlich nicht verraten. Allerdings hat Brucklacher - im echten Leben Polizist - dem Stück eine »kriminalistische Logik« gegeben, sodass die Aufmerksamen unter den Theatergästen das Rätsel durchaus lösen könnten.
Herausfinden können dies wohl auch nur diejenigen, die bereits Karten für die weiteren Vorstellungen am 14. und 15. Oktober oder am 4. und 5. November haben. Eine kleine Hoffnung gibt es aber noch für alle, die keine Karten ergattern konnten: Über die Internetseite der Gruppe kann man sich in eine Warteliste eintragen. (GEA)
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