Engagement - Für Seelsorge und Waisen: Pfarrer Akira Ueda sammelt Spenden für seine japanischen Landsleute und sieht die Rolle des Staates in seiner Heimat kritisch

Gottesdienste für die Tsunami-Opfer

VON RAPHAELA WEBER

KREIS TÜBINGEN. Aus Gesprächen mit seinen Kollegen kennt Akira Ueda, evangelischer Pfarrer aus Japan, die aktuelle Situation seiner Landsleute, die seit dem 11. März unter den Folgen der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe leiden: »Hungern müssen die Menschen zwar nicht, in den betroffenen Gebieten gibt es aber zu wenig Ärzte und Psychologen«. Dabei hält er gerade diese psychologische Nachsorge und die Verarbeitung des Traumas für wichtig. Weil sich hier der Staat zurückhält, unter anderem, weil er an seine Grenzen gelangt ist, füllt die »United Church of Christ in Japan«, deren Mitglied Akira Ueda ist, diese Lücke.

Meldet sich zu Wort nicht nur auf der Kanzel, sondern auch in der Zeitung seiner Kirche »The Kyodan Times«: Der evangelische Pfarrer Alira Uedo aus Japan.  FOTO: WEBER
Meldet sich zu Wort nicht nur auf der Kanzel, sondern auch in der Zeitung seiner Kirche »The Kyodan Times«: Der evangelische Pfarrer Alira Uedo aus Japan. FOTO: WEBER
Um diese Seelsorge finanziell zu sichern, um Waisenhäuser und ehrenamtliche Mitarbeit etwa bei Aufräumarbeiten, die ebenfalls von seiner Kirche organisiert wird, zu unterstützen, sammelt Akira Ueda Spenden für seine Heimat. So stand auch der ökumenische Gottesdienst am Pfingstmontag in der evangelischen Kirche in Pfrondorf unter diesem Zeichen. Er ist überzeugt: »Unter einem gemeinsamen Geist, beim gemeinsamen Gebet können Christen in Japan und hiesige eins sein. Das habe ich im Gottesdienst erlebt und in den Gesprächen danach. Als Japaner im Ausland ist es mir ein Anliegen, dass Japan durch Spenden in materieller Hinsicht, aber auch in spiritueller Form, unterstützt wird«.

Seit 2005 lebt Akira Ueda in Tübingen und promoviert an der Fakultät für evangelische Theologie über den Theologen und Pädagogen Friedrich Schleiermacher. Er studierte davor Philosophie und Theologie in Kioto und Tokio und er arbeitet an der Zeitung seiner Kirche »The Kyodan Times« mit. Eines schätzt er hier ganz besonders: »Die Diskussionsatmosphäre mit Kollegen im Hinblick auf die evangelische Theologie ist in Tübingen vielleicht eine der besten auf der ganzen Welt.«

Mehr alternative Energien

Nach seiner Promotion wird er in Japan als Pfarrer in der Mission tätig werden. »Bei uns ist die Mission kein Tabuthema, die Christen in Japan nehmen das Wort sehr positiv an.« Christen sind in Japan mit weniger als einem Prozent der Bevölkerung eine sehr kleine Minderheit.

Akira Ueda wünscht sich, dass künftig mehr Geld und Energie in die Entwicklung alternativer Energie gesteckt wird. Zwar gibt es in Japan einzelne Forschungsprojekte, die sich damit befassen. Er hat darüber in den vergangenen Tagen Berichte aus Japan gesehen, als Pfarrer beschäftigen ihn auch politische Themen.

»Allerdings sind diese Forschungsstätten klein.« Das liegt unter anderem daran, dass private Forschung als nebensächlich angesehen wird, also von staatlicher Seite auch wenig gefördert wird, so Akira Ueda. Seiner Ansicht sollten aber gerade alternative Forschungsprojekte mehr unterstützt werden, da sich immer mehr Menschen in seiner Heimat für die Frage interessieren, ob es möglich ist, ohne Atomkraftwerke zu leben.

Akira Ueda sieht die praktischen Probleme: »Deutschland hat sich für den Ausstieg in zehn Jahren entschieden. Das ist schön, aber bei Bedarf kann das Land Strom aus Frankreich beziehen. Das ist bei uns keine Lösung, Japan ist ein Inselland und es hat keine Nachbarländer, von denen es Strom beziehen kann. Ein weiteres Problem: »Derjenige, der etwas gegen Atomkraft sagt, wird aus der Forschung ausgeschlossen. Wir vertrauen dem Staat tiefer als in Deutschland.«

Deshalb seien auch die staatlichen Projekte, wie zum Beispiel die Atomkraftwerke, besonders hoch geschätzt und diese erhielten große finanzielle Unterstützung. Auch die Stromanbieter wie zum Beispiel Tepco, Betreiber des vom Tsunami zerstörten Atomkraftwerks in Fukushima, sind hoch angesehen, das Unternehmen wird halbstaatlich betrieben, es gibt keine Konkurrenz in den betreffenden Gebieten. »Der 11. März könnte das ändern«, sagt Akira Ueda und bleibt gleichwohl skeptisch. »Es hat sich aber noch nichts getan.« (GEA)



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