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Sumpfohreule auf der Alb entdeckt

Vogel aus dem Norden frisst sich auf der Alb an Mäusen satt

Durchzügler aus dem Norden: die Sumpfohreule.  FOTO: KÜNKELE
Durchzügler aus dem Norden: die Sumpfohreule. Foto: Günter Künkele
Durchzügler aus dem Norden: die Sumpfohreule.
Foto: Günter Künkele

MÜNSINGEN. Eine schöne Überraschung erlebte Günter Künkele, der oft und gerne mit seiner Kamera auf »Pirsch« in der Natur ist, kürzlich bei einem seiner Streifzüge: Er sichtete eine Sumpfohreule, die auf der Alb höchst selten anzutreffen ist. Sumpfohreulen (lateinisch Asio flammeus), sind Vögel des Nordens. Sie brüten in nordischen Tundren, in Tiefländern Osteuropas und in kleiner Anzahl auf friesischen Inseln im Wattenmeer. Den Winter verbringen sie südlich davon, bis hinunter zum Mittelmeer.

»Kürzlich rastete eine der seltenen Eulen im Raum Münsingen auf einer mit Mauslöchern und -gängen übersäten Schafweide«, berichtet Künkele. Sie war wohl bereits wieder auf dem Heimflug zu ihrem angestammten Brutgebiet im hohen Norden. Der Vogel hat das derzeit üppige Angebot an Wühlmäusen auf der Alb zielsicher angeflogen, um seinen Hunger zu stillen, meint der Naturexperte. Der fremde Nahrungsgast erwies sich damit als effektiver natürlicher Helfer bei der Dezimierung unbeliebter Nager.

»Innerhalb kurzer Zeit verputzte die nicht nur dämmerungs-, sondern auch tagaktive Rarität mehrere Feldmäuse und stärkte sich für die weite Reise nach Lappland in Skandinavien«, schildert Künkele seine Beobachtungen. »Mit für Sumpfohreulen typisch großen Augen mit gelber Iris, fahlem Gesicht und schwarzen Augenhöhlen, wirkt ihr Gesichtsausdruck stets etwas übernächtigt«, beschreibt er seinen persönlichen Eindruck von dem Tier mit einem kleinen Schmunzeln.

Ihr deutscher Name Sumpfohreule ist von ihren hauptsächlich feuchten Lebensräumen in Sümpfen und Mooren abgeleitet, während die Engländer sie wegen ihrer sehr kleinen, kaum sichtbaren Federohren Short-eared Owl nennen. In Schweden hat die Eulenart den Namen Jorduggla, was sie als Erdeule, die am Boden brütet und in bodennahem, schaukelndem Flug jagt, beschreibt. In Baden-Württemberg sind laut amtlicher Roter Liste seit 1979 keine Bruten von Sumpfohreulen mehr bekannt. Die Brutbestände in Norddeutschland sind sehr klein: Ihre Zahl schwankt jährlich zwischen 75 und 175 Brutpaaren. »Kennzeichnend für eine Erdeule saß der Wintergast aus dem hohen Norden pappsatt auf dem Boden und würgte nach und nach mehrere Gewölle aus«, erzählt Künkele von seiner Begegnung. »Um sich auszuruhen, baumte der Durchzügler, wie von einem Nordländer nicht anders zu erwarten, in einer nahen Birke auf.« (GEA)