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»Die Höhle der Löwen«: Krimi um Deal für Start-up eines Würtingers

Beinahe hätten Simon Josenhans aus Würtingen und die Mit-Gründer des Start-ups »Feschd« in der »Höhle der Löwen« zu hoch gepokert. Zwei Investoren zogen in der Show des TV-Senders Vox ihre Angebote zurück, obwohl sie von der Handyhalterung begeistert waren. Wie es dennoch zum Happy End gekommen ist.

Haben ihr Unternehmen »Feschd« in der  »Höhle der Löwen« vorgestellt (von links): Simon Josenhans aus Würtingen, Luisa Josenhans
Haben ihr Unternehmen »Feschd« in der »Höhle der Löwen« vorgestellt (von links): Simon Josenhans aus Würtingen, Luisa Josenhans und Mike Obermaier. Foto: Bernd-Michael Maurer/RTL
Haben ihr Unternehmen »Feschd« in der »Höhle der Löwen« vorgestellt (von links): Simon Josenhans aus Würtingen, Luisa Josenhans und Mike Obermaier.
Foto: Bernd-Michael Maurer/RTL

KÖLN/ST. JOHANN. Eine Achterbahn der Gefühle hat der Würtinger Simon Josenhans bei »Die Höhle der Löwen« erlebt. Zusammen mit seiner Frau Luisa (28) und Freund Mike Obermaier (29) hat der 28-Jährige am Montagabend in der Gründer-Show des TV-Senders Vox ihr gemeinsames Start-up »Feschd« präsentiert. Zwei Investoren hatten sie mit ihrer besonders stabilen und patentierte Handyhalterung für Fahrräder überzeugt. Doch die Freude der Jung-Unternehmer hielt nur kurz: Beide »Löwen« zogen ihr Angebot zurück. Ein Schock - auf den am Ende aber ein nicht mehr für möglich gehaltenes Happy End folgte.

80.000 Euro wollten Josenhans uns seine Mitstreiter von einem Investoren haben, und dafür 10 Prozent der Anteile ihrer Firma abgeben. Ziel des Investments: das Produkt, das sich in den ersten vier Monaten auf dem Markt rund 1.300 Mal verkauft hat, noch besser an die Radler zu bringen. Die Idee für die Handyhalterung hatte der Würtinger, der der Liebe wegen mittlerweile in Gießen wohnt. Der leidenschaftliche Fahrradfahrer navigiert das Gründer-Trio auf ihren gemeinsamen Rad-Touren mit dem Handy. "Ich habe alle möglichen Halterungen ausprobiert, erzählte Josenhans zu Beginn des Pitches, "aber zufrieden war ich mit keiner". Entweder habe das Handy gewackelt oder es sei schwierig gewesen, es zu befestigen. Deswegen tüftelte der damalige Maschinenbau-Student an der Hochschule Esslingen selbst an einer stabileren Lösung.

»Löwen« haben Zweifel am Gründer-Team von »Feschd«

Herausgekommen ist »Feschd«, das als Hommage an Josenhans schwäbischer Heimat so heißt. Das Handyhalter-System, besteht aus zwei Teilen: Zum einen der Halter, der am Lenker befestigt wird, zum anderen eine dünne Adapterplatte, die an der Handyhülle angebracht wird. Ein starker Magnet sorgt dafür, dass die Befestigung eines Smartphones »in einer Sekunde möglich« ist und es dann »bombenfest« hält, erklärte Josenhans. Der integrierte Drahtbügel dient zusätzlich als Aufsteller oder als Fingerring.

Produziert wird der Handyhalter aus recyceltem Material und in eigener Herstellung in Deutschland. Während die Produktionskosten bei rund 12 Euro liegen, wird das Set für 49 Euro verkauft. Mit einem Teil des Erlöses werden Fahrräder für Menschen in Entwicklungsländern finanziert. Davon, aber auch von der Qualität des Produktes, waren alle Investoren angetan. Weniger überzeugt war manch Anleger allerdings von den Gründern, weil diese nicht Vollzeit für das Start-up arbeiten. Simon Josenhans, hat »bis vor einem Monat auf Master studiert« und arbeitet »in einer 60-Prozent-Stelle«. Seine Frau Luisa studiert noch, Mike Obermaier, führt aktuell zwei weitere Unternehmen.

Simon Josenhans aus Würtingen demonstriert, dass die von ihm entwickelte Handy-Fahrradhalterung »bombenfest« am Lenker hält.
Simon Josenhans aus Würtingen demonstriert, dass die von ihm entwickelte Handy-Fahrradhalterung »bombenfest« am Lenker hält. Foto: Bernd-Michael Maurer/RTL
Simon Josenhans aus Würtingen demonstriert, dass die von ihm entwickelte Handy-Fahrradhalterung »bombenfest« am Lenker hält.
Foto: Bernd-Michael Maurer/RTL

»Ich habe nicht das Vertrauen, dass ihr mit euren Unternehmen auf das nächste Level gehen wollt«, kritisierte Unternehmerin Tijen Onaran. »Ich bin raus.« Josenhans konterte, dass es in der Anfangszeit noch nicht möglich gewesen sei, alles auf eine Karte zu setzen. »Wir müssen ja auch von etwas leben.« Erst nach einem Deal »können wir richtig Vollgas geben.« Familienunternehmerin Dagmar Wöhrl machten eher die zahlreichen Mitbewerber Sorgen. »Um sich von denen abzuheben, muss man sehr viel in Marketing investieren«, sagte sie und stieg aus. Genauso auch Unternehmer Tillman Schulz, der den »gigantischen Wettbewerb« scheute.

Nils Glagau war dagegen bereit, sich dem Wettbewerb zu stellen. »Die anderen haben nicht alles in einem«, sagte der Orthomol-Inhaber und -Geschäftsführer. »Ich finde euch drei cool und würde mit euch gerne strategisch begleiten.« Er war bereit, 80.000 Euro zu investieren, verlangte dafür aber 20 Prozent der Firmenanteile. Das identische Angebot machte Ralf Dümmel. »Ich bewundere, wie ihr neben Job, Studium und anderen Unternehmen so ein geniales Produkt hinbekommen habt«, lobte der Handelsprofi. »Aber ihr braucht noch in vielen Dingen Unterstützung.«

Nils Glagau und Ralf Dümmel fühlen sich nicht ernst genommen

Bei Josenhans und seinen Mitstreitern fiel die Anspannung sichtlich ab, sie grinsten breit. Um die Angebote zu besprechen, zogen sie sich zurück. Die drei tendierten zu Glagau, wollten sich Dümmel aber gleichzeitig warm halten. Weil sie generell nur 15 Prozent ihrer Anteile abgeben wollten, sollte nachverhandelt werden. »Wer von euch ist bereit, uns entgegenzukommen?«, fragten sie in die Runde. Schließlich habe man ja ein fertiges Produkt, das direkt verkauft werden kann.

Das kam bei Glagau nicht gut an: »Ich bin raus.« Er wollte sich auch auf keine Nachverhandlungen einlassen. »Ihr habt euch nicht für mich entschieden, sondern für den, der nachgibt. Das hat für mich einen komischen Beigeschmack.« Er erläuterte, dass bei »Die Höhle der Löwen« keine klassischen Investoren dabei sind, »die euch nur Geld geben. Wir wollen euch mit voller Leidenschaft begleiten. Da erwarte ich auch eine gewisse Wertschätzung«. Auf Nachfrage von Dümmel gab Josenhans zu, dass sie am liebsten mit Glagau zusammengearbeitet hätten. »Ich werde als Investor nicht zweite Wahl sein«, stellte Dümmel klar - und stieg ebenfalls aus.

Darum geht's in der TV-Show »Die Höhle der Löwen«

»Die Höhle der Löwen« ist ein Unterhaltungsformat des TV-Senders Vox, das seit 2014 produziert wird. In der Show stellen Gründer von Start-ups und Erfinder ihre Geschäftskonzepte vor und bieten Anteile ihres Unternehmens an. Die »Löwen« sind Investoren, die ihr eigenes Geld in Unternehmen ihrer Wahl stecken. Zudem begleiten sie die Gründer mit ihrem Wissen und ihrer Erfahrung fachlich. In der am 8. April startenden 15. Staffel nehmen Handelsprofi Ralf Dümmel, Familienunternehmerin Dagmar Wöhrl, Wirtschaftsgröße Carsten Maschmeyer, Konzernchef Nils Glagau, Green-Tech-Investorin Janna Ensthaler, Meinungsmacherin Tijen Onaran und Food-Experte Tillman Schulz auf den Investoren-Stühlen Platz. Die Sendung wird montags um 20.15 Uhr bei Vox ausgestrahlt. (GEA)

Den Gründern standen die Tränen in den Augen. »Löwin« Wöhrl hatte Mitleid und appellierte an Glagau, es sich doch noch einmal zu überlegen. Auch Josenhans gab nicht auf, »Wir wissen, dass wir von dir, deinem Netzwerk und deinem Know-how sehr profitieren würden. Du wärst der richtige Mann für uns. Sollen wir es probieren mit 20 Prozent?« Glagau überlegte: »Mit Liebe?« »Mit ganz viel Liebe«, antworteten Simon und Luisa Josenhans energisch. »Okay, machen wir«, sagte Glagau schließlich. »Sorry, dass es so ein Umweg war. Wir legen sofort los und bauen eine richtig coole Marke auf.«

Die Gründer atmeten nach ihrem Auftritt in der »Höhle der Löwen« tief durch. »Damit müssen wir erst einmal klarkommen«. Für den Würtinger war es eine Lehrstunde, bei der er gemerkt habe, »dass man hier nicht wie auf Ebay jemanden mal kurz runterhandeln kann.« Letztlich »sind wir einfach froh, dass wir es noch hinbekommen haben. Und mit Nils haben wir den perfekten Partner.« (GEA)