Wirtschaft
Medizintechnik - Das 1994 gegründete Unternehmen EPflex in Dettingen/Erms beschäftigt inzwischen 275 Mitarbeiter

Spezialist für Führungsdrähte

VON UWE ROGOWSKI

DETTINGEN. Vor 18 Jahren hat sich Bernhard Uihlein in einer Garage selbstständig gemacht. Nun beschäftigt seine Firma EPflex Feinwerktechnik GmbH an zwei Standorten in Dettingen/Erms 275 Mitarbeiter. Uihlein hält es im Gespräch mit dem GEA für realistisch, dass es im nächsten Jahr über 300 sein werden.

Bernhard Uihlein, geschäftsführender Gesellschafter der EPflex Feinwerktechnik GmbH in Dettingen/Erms, vor einem Spiegel, auf dem ein Steinfangkörbchen liegt - ein wichtiges Produkt des Zulieferers für Medizintechnik. FOTO: TRINKHAUS
Bernhard Uihlein, geschäftsführender Gesellschafter der EPflex Feinwerktechnik GmbH in Dettingen/Erms, vor einem Spiegel, auf dem ein Steinfangkörbchen liegt - ein wichtiges Produkt des Zulieferers für Medizintechnik. FOTO: TRINKHAUS
Das Unternehmen stellt als Zulieferer für Medizintechnik Verbrauchsgüter für Operationen her - vor allem Führungsdrähte und Steinfangkörbchen. Im zu Ende gehenden Jahr erwartet der Gründer und alleinige geschäftsführende Gesellschafter von EPflex einen Umsatz von 19,5 Millionen Euro. Dies entspräche einem Plus von 20 Prozent gegenüber 2011.

Uihlein, Jahrgang 1957, ist in Königheim (bei Tauberbischofsheim) aufgewachsen. Er hat Maschinenschlosser gelernt und in Heilbronn sein Studium der physikalischen Technik als Diplom-Ingenieur abgeschlossen. Durch seine erste Anstellung in Bad Urach kam er vor 29 Jahren ins Ermstal. Nach zwei weiteren beruflichen Stationen entschloss er sich 1994 zum Wagnis Unternehmertum. Er hatte aufgrund seiner bis dahin gemachten Erfahrungen den hohen Bedarf »feiner Produkte« für die Medizintechnik erkannt.

Über 600 Kunden

EPflex steht kurz für Entwicklung und Produktion flexibler Elemente. Die Firma tritt nicht als Endanbieter auf dem Markt auf, sondern als Zulieferer und Erstausrüster anderer Unternehmen. Sie ist heute Partner von über 600 Kunden bei Entwicklungen und Musterfertigungen, Nullserien und in der Serienproduktion. Die knapp 40 wichtigsten Kunden stehen für etwa 80 Prozent des Firmenumsatzes. Die Exportquote liegt bei knapp 50 Prozent.

Eine Garage an seinem damaligen Wohnsitz in der Straße Am Heiligenbrunnen in Dettingen war der Gründungsort. Noch im ersten Jahr zog die Firma in die Hülbener Straße um. 1998, mit 27 Mitarbeitern, kaufte EPflex eine ehemalige Schneiderei und zog an den heutigen Firmensitz an der Straße Im Schwöllbogen um. Vier Jahre später, mit bereits 76 Beschäftigten, baute das Unternehmen dort an. Anfang dieses Jahres ist in der Vogelsangstraße der zweite Standort in Betrieb genommen worden. Die Belegschaft wuchs seither um über weitere 30 Personen auf nun 275. EPflex verfügt aktuell über insgesamt 4 300 Quadratmeter Produktionsflächen.

Im Neubau mit Reinräumen vor den Toren Dettingens arbeiten derzeit etwa zwei Drittel der EPflex-Mitarbeiter in der Montage. Ein Zwei-Schicht-Betrieb von montags bis freitags zwischen 5 und 23 Uhr ist die Regel. Am Stammsitz sind Schleiferei, Vorrichtungsbau und Verwaltung geblieben. Uihlein berichtet, dass inzwischen zudem ein Lohnfertiger in Rumänien mit 70 Arbeitnehmern für EPflex tätig sei.

Das oft zweistellige Umsatzwachstum seines Hauses in den vergangenen Jahren erklärt der Geschäftsführer vor allem damit, dass die Bedeutung der minimalinvasiven Anwendungen (der Chirurg operiert nicht offen, sondern durch kleine Körperöffnungen) extrem gestiegen sei - und EPflex mit einem ausgewogenen Produktmix, Kundenservice und Liefertreue darauf reagiert habe. »Ein Arzt hat ein Problem. Unser Kunde liefert ihm dafür eine Lösung. Dafür braucht unser Kunde ein Metallteil von uns«, beschreibt Uihlein die tägliche Herausforderung.

Als Ergebnis kann ein Führungsdraht herauskommen, der nur etwas mehr als doppelt so dick ist wie ein Haar. Ärzte führen solche Führungsdrähte in Hohlgefäße ihrer Patienten ein. Sie dienen ihnen dann »wie Eisenbahnschienen« (Uihlein), um ihre Ziele zu finden und beispielsweise Katheder zu setzen. 62 Prozent des Umsatzes im Jahr 2011 (16,3 Millionen Euro) machte EPflex mit Führungsdrähten. 17 Prozent entfielen auf Steinfangkörbchen aus dem Werkstoff Nitinol: Diese Instrumente werden zum Entfernen von Nieren-, Blasen- und Gallensteinen benötigt.

Fingerfertigkeit gefragt

Abgesehen von der Startphase, so Uihlein, habe EPflex schwarze Zahlen geschrieben. »Die Ertragslage hat die Finanzierung des neuen Gebäudes für 3,5 Millionen Euro und weitere Investitionen von einer Million Euro zugelassen«, sagt er. Wegen der Fingerfertigkeiten seiner überwiegend weiblichen Belegschaft in der Montage sei es für ihn im Übrigen keine Frage gewesen, sich für Dettingen als Standort des zweiten Werks zu entscheiden, so Uihlein. Das Unternehmen sei nicht tarifgebunden. Es zahle jedoch auch angelernten Kräften Stundenlöhne, die über der von Gewerkschaften und Politikern geforderten Untergrenze von 8,50 Euro lägen.

Nach über sechs Jahren Entwicklungszeit hat EPflex im Oktober die weltweit erste CE-Kennzeichnung für einen in der Magnetresonanztomografie (MRT) einsetzbaren Führungsdraht erhalten. Dies besagt Freiverkehrsfähigkeit in der Europäischen Union. Gegenüber anderen bildgebenden Verfahren bieten sich mit MRT die Vorteile einer besseren Bildqualität und einer geringeren Strahlenbelastung für Patient und Arzt. Die nun entwickelte Konstruktion besteht aus einer Kevlarfaser im Innern und einer Hülle aus hochfestem Kunststoff. Derzeit laufen Studien mit Fokus auf Diagnostik und Anwendungen in der Kardiologie. Beleg für die ständige Suche nach Neuem sind auch 40 Patentanmeldungen, auf die Uihlein verweisen kann. (GEA)



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