Sideo Vogt - Reutlinger Automobilzulieferer sieht sich gestärkt aus der Krise kommen
Neues Werk am Stammsitz
VON NORBERT LEISTER
HANNOVER/REUTLINGEN. Als Zulieferer der europäischen Automobilindustrie ist Sideo Vogt (Reutlingen) natürlich auch bei der Hannover Messe mit dabei. »Wir präsentieren uns an einem gemeinsamen baden-württembergischen Stand«, sagt Jérôme Geay als Geschäftsführer des Reutlinger Unternehmens.
Die Konkurrenz im Bereich der Biege- und Stanztechnik sei allein an diesem einen Stand riesengroß - verstecken müsse sich Sideo aber nicht: »Es gibt keine andere Firma, die ein solch breites Portfolio anbieten kann, wie wir«, so Geay. Dabei bleibt dem Laien beim Blick auf die zumeist kleinen Teile, die das Reutlinger Unternehmen produziert, zunächst verborgen, was er dort vor sich hat.
»Wir produzieren die Teile und Ele-mente, die man in den fertigen Produkten normalerweise gar nicht sieht. Ohne die funktioniert aber nichts«, erläutert Hans Dillmann als Vertriebs-Projektmanager. Sideo produziert hauptsächlich für die Automobil-Industrie, aber auch für andere Bereiche wie Elektro,- Bau-, Luftfahrt und Windenergiebranche. Dabei werden die unterschiedlichsten Materialien wie Stahl, Aluminium, Thermoplaste oder Elastomere verarbeitet. Her-aus kommen dabei Flachfedern, Hülsen, Federscheiben, Clipse und spezielle Befestigungslösungen. Besondere Fähigkeiten und eine Menge Know-how hat sich nach eigenen Angaben Sideo im Lauf der Jahrzehnte im Bereich der Kunststoff-Metall-Verbindungen erarbeitet. Hierzu zählen Ölmessstäbe, Steckverbindungen sowie Elektro-Bauteile.
Hermann Vogt hat im Jahr 1869 das Unternehmen in Reutlingen gegründet, damals als »Werkstätte für Weberei-Hilfsmaschinen«. Er produzierte zunächst Ersatzteile für Spinnereien und Webereien und zusätzlich infolge der aufstrebenden Automobilindustrie Stanz- und Stanzbiegeteile aus Metall. Noch heute ist Vogt ein Familienunternehmen, hat sich allerdings in einer Holding namens »Sideo« zusammengeschlossen - die sich zu 100 Prozent im Besitz der Familie Vogt befindet.
Schon seit 25 Jahren ist Sideo mit drei Werken in Frankreich vertreten. Mit der Firma Sideo Contec am Bodensee weitet das Unternehmen die bisherige Produktpalette aus - »wir können jetzt zu den Ölmessstäben auch die dazu gehörigen Führungsrohre sowie Brems- und Benzinleitungen sowie Zentralschmierleitungen für den Maschinenbau anbieten«, sagt Dillmann. Der Kunde bekommt, sofern er das will, diese Teile komplett montiert geliefert.
450 Mitarbeiter
Im vergangenen Jahr erzielte Sideo mit insgesamt 450 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 55 Millionen Euro. »Natürlich haben auch wir die beiden vergangenen Krisenjahre zu spüren bekommen«, sagt Jerome Geay. »Aber wir gehen gestärkt aus der Krise heraus.« Was sich allein schon daran zeige, dass Sideo Vogt am Standort Reutlingen eine neue Produktionshalle mit 1 400 Quadratmeter Fläche errichten werde. Dafür investiert das Unternehmen in der Erwin-Seiz-Straße rund 3,5 Millionen Euro.
»Wir haben eine gute Perspektive für die Zukunft und suchen neue Mitarbeiter«, sagt der Geschäftsführer. Nach wie vor gelte: »Unsere Stärken sind Schnelligkeit, Flexibilität und eine sehr breite Angebotspalette - so was kann kaum eine andere Firma in dem Maß bieten.« Dabei seien die in Zusammenarbeit mit den Kunden erarbeiteten Speziallösungen in Stückzahlen von fünf bis zu 30 Millionen Teilen möglich. (GEA)
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