Wirtschaft
Energie

Neuer EnBW-Chef Mastiaux setzt erste Akzente

KARLSRUHE. Seine Schonfrist läuft ab: Hundert Tage hat sich der neue EnBW-Chef Frank Mastiaux gegeben, um den Konzern kennenzulernen. Mitte Januar will er die Vorstellungsrunde abschließen und seine Strategie offenlegen. Erste Zeichen hat er bereits gesetzt. So einigte sich der Vorstand kurz vor Weihnachten, rund 1300 Stellen abzubauen. Bereits zuvor hatte die EnBW angekündigt, ihre Windparkpläne für die Nordsee auf Eis zu legen. Damit bleibt die Frage, wo der Konzern künftig investieren will, um die einstmals satten Gewinne seiner Atomkraftwerke auszugleichen.

Der neue Vorstandsvorsitzende des Energiekonzerns EnBW, Frank Mastiaux. Foto: Uwe Anspach
Der neue Vorstandsvorsitzende des Energiekonzerns EnBW, Frank Mastiaux. Foto: Uwe Anspach
Die Antwort wird Frank Mastiaux spätestens bei der Bilanzpräsentation am 1. März geben. Dann muss er auch erklärten, was er mit seiner Ankündigung zum Amtsantritt im Oktober gemeint hat: «Wir werden Energie neu denken, und wir werden die EnBW neu denken.» Zurzeit orientiert sich der 48-Jährige noch weitgehend an Vorgaben seines Vorgängers Peter Villis - angefangen vom Sparprogramm «Fokus» über den Aufbau von Windrädern bis zu Investitionen in der Türkei.

Den Eindruck, den der frühere Eon-Manger auf seiner Rundreise hinterlassen ist, ist durchweg positiv. Überall wird seine Sachlichkeit und Offenheit betont. «Er kann zuhören», heißt es immer wieder. «Große kommunikative Fähigkeiten» attestiert ihm Finanzminister Nils Schmid (SPD), der die Landesregierung als Großaktionär im Vorstand vertritt. «Er ist verbindlich im Ton, zielstrebig in der Sache und aufgeschlossen für Veränderungen.»

Im Konzern sind die Veränderungen in erster Linie schmerzhaft, weil gespart werden muss. Und hier drückt Mastiaux offensichtlich aufs Gas. Den Stellenabbau hat er gemeinsam mit der Belegschaft fast geräuschlos über die Bühne gebracht - und auch das Effizienzprogramm scheint zu greifen. Jetzt will er bereits Ende 2013 und damit ein Jahr früher als geplant die anvisierten 750 Millionen Euro eingespielt haben.

Zäh läuft es dagegen bei den Verkäufen, die 1,5 Milliarden Euro in die Kasse spülen sollen. Bislang ist ein Drittel davon umgesetzt, mit dem Verkauf von Beteiligungen in der Schweiz und Polen. Im Angebot sind vor allem Minderheitenbeteiligungen wie in Ungarn und beim Mannheimer Versorger MVV. Das dort gebundene Geld könnte in lukrativere Geschäftsgebiete investieren werden.

Doch in welche? Um die Stromerzeugung der zwei im vergangenen Jahr abgeschalteten Atommeiler zu kompensieren, sollten Großprojekte her wie der Windpark Baltic I in der Ostsee. Er produziert seit 2011 mit einer Leistung von 48 Megawatt. Baltic II mit etwa 300 Megawatt soll kommendes Jahr folgen. Aber die beiden Nordsee-Parks «He Dreiht» und «Hohe See» mit je 400 Megawatt lassen auf sich warten. Der Netzbetreiber kann den Anschluss nicht garantieren. Also hat Mastiaux das Vorhaben ausgesetzt - nicht zuletzt, um den Ball offensiv in das Feld der Politik zu spielen.

In der Wasserkraft hat die EnBW ihre Möglichkeiten weitgehend ausgeschöpft. Im Werk Iffezheim wird die fünfte Turbine installiert und damit die Leistung auf 108 Megawatt erhöht. Ob aus dem dringend benötigten Pumpspeicherwerk in Forbach etwas wird, steht in den Sternen. Jenseits des Bürgerwiderstandes gibt es finanzielle Vorbehalte. «Wir müssen immer knallhart die Wirtschaftlichkeitsfrage stellen. Am Ende muss es sich rechnen», sagt ein EnBW-Sprecher.

Der Ausbau der Windenergie an Land geht ebenfalls schleppend voran. «Die Landesregierung hat ja erst jetzt die planungsrechtlichen Grundlagen gelegt», erklärt der Sprecher. In diesem Jahr nahm die EnBW zwei Windenergieanlagen im Südwesten ans Netz - in Berghülen (Alb-Donau-Kreis) und Schopfloch (Kreis Freudenstadt) mit einer Gesamtleistung von acht Megawatt.

Dieses Kleinvieh soll auf lange Sicht auch Mist machen. Derzeit prüft der Konzern mehr als 160 Standorte, auf denen bis zu 500 Anlagen gebaut werden könnten. In etlichen Fällen soll mit Stadtwerken oder anderen Partnern gemeinsame Sache gemacht werden. Das gilt auch für den Solarbereich, wo der Konzern vor kurzem in Aitrach im Kreis Ravensburg seinen sechsten Park im Land aufgebaut hat. Über eine Energiegenossenschaft können sich Bürger beteiligen.

Die großen Anlagen - und damit die Hoffnung auf das große Geld - warten bislang jedoch im Ausland, allen voran in der Türkei. Dort hat Mastiaux auf seiner Rundreise auch Station gemacht - in Begleitung von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne). Mit einem Joint Venture will die EnBW hier Wind- und Wasserkraftanlagen mit einer Leistung von insgesamt 2000 Megawatt aufbauen. (dpa)

Seite versenden
 

Das könnte Sie auch interessieren
Schaufenster der Wirtschaft

Aus den Registergerichten

Finden Sie hier die aktuellen Eintragungen der Registergerichte - online und direkt.
lesen »
www.finanzfrage.net: Die große Ratgeber-Community für gute Fragen und hilfreiche Antworten

Weitere Fragen und Antworten zum Thema wirtschaft finden Sie auf www.finanzfrage.net

Blank