Wirtschaft
Innovationen - Thomas Geissler stellt in Reutlingen nach Abu Dhabi den zweiten Goldautomaten auf

Lizenznehmer auf der ganzen Welt gesucht

Von Franz Pfluger

REUTLINGEN. Reutlingen hat einen Goldautomaten. Wer das Edelmetall in seinen Händen halten möchte, kann es in unterschiedlichen Gewichten am Automaten erwerben. Es gibt 1g-, 5g- und 10g-Goldbarren sowie Goldmünzen wie den Krügerrand, Maple Leaf und das Kangaroo in einer Geschenkbox. »Gold to go« mit 24 Karat, sozusagen. Auch wenn Thomas Geissler, geschäftsführender Gesellschafter der Holding C-B-T-GmbH mit Sitz in Reutlingen, die schwäbische Skepsis kennt, will er die Reutlinger testen.

Was haben Abu Dhabi und Reutlingen gemeinsam? Den Goldautomaten! Geht es nach dem Initiator des Projektes, Thomas Geissler (rechts neben René Wenzel im Bankshop in der Krämerstraße), wird das Alleinstellungsmerkmal nicht lange anhalten.   GEA-FOTO: USCHI PACHER
Was haben Abu Dhabi und Reutlingen gemeinsam? Den Goldautomaten! Geht es nach dem Initiator des Projektes, Thomas Geissler (rechts neben René Wenzel im Bankshop in der Krämerstraße), wird das Alleinstellungsmerkmal nicht lange anhalten. FOTO: Uschi Pacher
Im Gespräch mit dem GEA machen Geissler und Hans-Markus Merkel von der Public Investor Relations GmbH (Frankfurt/Weil im Schönbuch) deutlich, dass es sich hier nicht nur um eine Idee, sondern um ein Geschäftsmodell handelt, das sich ihrer Meinung nach durchsetzen wird.

Die Gründe für das ungewohnte Vorhaben bleibt Geissler im Gespräch mit dem GEA nicht schuldig. Das Geschäft mit dem Gold unter der Firma Ex Oriente Lux AG wurde aufgenommen, nachdem die Krise ab Herbst 2008 dem Fondsgeschäft seiner Infos GmbH (Reutlingen) über das Internet eingebrochen war. »Ich wollte meine 15-köpfige Mannschaft unbedingt halten«, sagt Thomas Geissler. Seit 15 Jahren betreibt er das Investmentgeschäft. Zirka 200 Millionen Euro werden dort verwaltet.

Realinvestments waren also angesagt. Man suchte nach einer Plattform für Edelmetalle. Mit dem Markführer für Edelmetalle Pro Aurum in München wurden Gespräche geführt - ohne zufriedenstellendes Ergebnis. Dann etablierte Geissler mit seiner Mannschaft selbst eine Plattform. Erster Kunde war ein Bundesligaspieler, der zur WM nach Südafrika mitfährt. Die Wert-Päckchen gehen per Postversand zu den Kunden. Unter den bisher 3 500 Bestellungen war nur ein Betrugsfall darunter. Interessant das Kundenverhalten: Nach der Äußerung von Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann im Fernsehen, Griechenland könnte aller Wahrscheinlichkeit nach seine Schulden am Ende nicht begleichen, kamen ungewöhnlich viele Bestellungen herein: Tagesumsätze im siebenstelligen Bereich.

Die total schwäbische Idee (Geissler ist Reutlinger, Automatenhersteller Hess ist in Böblingen, die LBBW liefert das Gold) mit dem Goldautmaten war der nächste Schritt. Ein Test am Frankfurter Flughafen und am Bahnhof im Mai des vergangenen Jahres hatte die Hoffnung in das Automaten-Projekt genährt. Hess entwickelte speziell den Automaten. Im Dezember 2009 war ein Vorseriengerät fertig. Investitionskosten: eine siebenstellige Zahl. Der Automat selbst wird mit 35 000 Euro veranschlagt. »Ein High-tech-Gerät mit den höchsten Sicherheitseinrichtungen.« Weil Goldpreise naturgemäß schwanken, bekommt der Automat alle zehn Minuten einen aktuellen Preis. Am 12. Mai war der erste Automat dieser Güte im Emirates Palace-Hotel in Abu Dhabi aufgestellt worden.

Ein weiterer Standort eines Automaten wird in Bälde der Flughafen in Bergamo sein. Und - in zirka vier Wochen wird ein Goldautomat am Bahnhof in Frankfurt stehen. Dies erfolgt in Kooperation mit einer großen Bank. Das Institut schaut nach Monaten die Ergebnisse an und entscheidet dann, ob es weitere Geräte bundesweit aufstellt. Diese Bank wäre dann Lizenznehmer der Ex Oriente Lux AG, unter der das Franchise-Geschäft abgewickelt wird. Die CBT hält 40 Prozent an dieser Gesellschaft. Geissler geht davon aus, dass bei zirka 200 Geräten sich für ihn die Investition amortisiert hat. Die Gesellschaft Ex Oriente Lux hat aber auch noch Agrarinvestments. Dort liegt der Fokus in der Errichtung großflächiger Olivenanbaugebiete in Kroatien mit integrierter Wertschöpfungskette.

»Vor 20 Jahren, als die Banken Geldautomaten eingeführt haben, gab es auch eine Unmenge Skepsis. Heute gehören sie zum Alltag und sind nicht mehr wegzudenken«, so Geissler. Dieses »Schicksal« wünscht er sich auch mit dem Goldautomaten. Mit der Kritik eines Schweizer Bankers, »Sie entmystifizieren Gold«, kann er gut leben. (GEA)

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