Wirtschaft
Bemotec - Das Familienunternehmen aus Betzingen bringt die erste elektrisch betriebene Gehhilfe auf den Markt

Kreuzung aus E-Bike und Rollator

VON ULRICH HÄRING

REUTLINGEN-BETZINGEN. Mittlerweile sind sie aus dem Stadtbild kaum noch wegzudenken – ältere Menschen, die sich über ihren Rollator gebeugt durch die Fußgängerzone kämpfen. Die Gehhilfe soll ihnen dabei Halt und Balance bieten. Doch sobald die älteren Herrschaften eine Steigung oder einen hohen Bordstein bezwingen müssen, verwandelt sich die Stütze schnell in kraftraubenden Ballast.

Michael Donth (Mitte) demonstriert den Hochstart im Kreis der Unternehmerfamilie. (Von links) Peter, Birgit und Siegfried Herrmann und Tochter Barbara Hipp. FOTO: HÄRING
Michael Donth (Mitte) demonstriert den Hochstart im Kreis der Unternehmerfamilie. (Von links) Peter, Birgit und Siegfried Herrmann und Tochter Barbara Hipp. FOTO: HÄRING
Die Firma Bemotec aus Betzingen bringt nun mit dem »Beactive« den ersten elektrisch betriebenen Rollator auf den Markt. Die innovative Gehhilfe bewegt sich aus eigener Kraft in drei individuell justierbaren Geschwindigkeitsstufen und soll helfen, Hindernisse zu überwinden. »Es muss jedoch niemand fürchten, dass sich unser Rollator ungewollt oder unkontrolliert in Bewegung setzt. Erst wenn beide Hände Kontakt zu den Handgriffen haben und zusätzlich der Startknopf mit dem Daumen bedient wird, springt der Motor an«, versichert Siegfried Herrmann, Geschäftsführer bei Bemotec gestern bei der Produktpräsentation in Betzingen. Der ebenfalls anwesende Bundestagsabgeordnete Michael Donth (CDU) zeigte sich von der einfachen Bedienbarkeit beeindruckt und war sichtlich entzückt von der »Hochstart«-Funktion, mit deren Hilfe hinderliche Bordsteine problemlos überwunden werden können.

Zielgruppe für das neue Produkt seien neben Privatpersonen in erster Linie Reha-Kliniken, erklärt Siegfried Herrmann. Hier biete der »Beactive« eine Alternative zum Muskelaufbau auf dem Laufband. »Die Patienten können so schneller selbstständig im Freien ihr Reha-Programm absolvieren.«

Nach zweijähriger Entwicklungsarbeit soll der »Beactive« Ende des Monats auf den Markt kommen. Kosten soll er etwa 3 500 Euro. »Die Auftragsbücher sind voll. Wir mussten unsere Marketing-Aktivitäten zurückschrauben, damit die Nachfrage unsere Kapazitäten nicht übersteigt«, sagt Peter Herrmann, Sohn von Siegfried und ebenfalls Geschäftsführer.

Die Bemotec GmbH steht für Beratung und Montagetechnik und gliedert sich in die Geschäftsbereiche »Medical Devices«, »Engineering« und »Mechanics«. Das Familienunternehmen beschäftigt derzeit 35 Mitarbeiter und erwirtschaftete in den letzten Jahren einen Jahresumsatz zwischen acht und neun Millionen Euro. Die Produktionskapazität liege momentan zwischen 20 und 50 Rollatoren am Tag.

»Um der großen Nachfrage gerecht zu werden, wollen wir bis Mitte 2015 unsere Mitarbeiterzahl auf etwa 80 erhöhen«, sagt Peter Herrmann. Der Markt für Gehhilfen sei ein Wachstummarkt. Schon heute werden in Deutschland etwa 1,3 Mio. Rollatoren pro Jahr verkauft. »Bis zum Jahr 2017 streben wir einen Marktanteil von einem Prozent an.« Dann sollen die elektrischen Mobilitätshilfen zwischen 10 und 25 Prozent vom Gesamtumsatz ausmachen.

Im Rahmen eines Kooperationsprojektes mit der Universität Tübingen arbeite man bereits an der nächsten Generation des »Beactive«. Mithilfe von Sensorentechnik, wie sie heute schon zum Teil in Autos Anwendung findet, soll der Rollator von Morgen selbstständig Hindernisse erkennen und darauf reagieren können. Dies solle vor allem für Menschen mit Sehbehinderung eine Erleichterung im Alltag sein. (GEA)



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