Wirtschaft
Ex Oriente Lux AG - 23 Goldautomaten aufgestellt

Insolvenz beantragt

VON FRANZ PFLUGER

REUTLINGEN. »Zum Golde drängt, am Golde hängt doch alles.« Mit diesem Goethe-Zitat im GEA im Sommer 2009 begann ein Artikel über den Reutlinger Unternehmer Thomas Geissler. Vor fünf Jahren hatte er ein Geschäftsmodell etabliert, das im Kern den Verkauf von Gold über Automaten vorsah. Jetzt hat das Unternehmen Ex Oriente Lux AG, Ende 2007 als Tochterunternehmen der Geissler C-B-T Holding (Reutlingen) gegründet, Insolvenzantrag gestellt. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Jochen Sedlitz (Filderstadt) ernannt. Der bestätigte am Abend, dass in den vergangenen Jahren Verluste in Höhe eines niedrigen zweistelligen Millionenbetrages aufgelaufen sind.

23 Automaten stehen derzeit in einigen Ländern der Welt, allein zehn in Dubai und Abu Dhabi. Drei Automaten stehen in den USA, zwei in der Schweiz, drei in Deutschland, einer in Italien (Bergamo), zwei in Portugal und zwei in Südamerika. In Reutlingen gab es zeitweise zwei Automaten. Der vorläufige Insolvenzverwalter hat vor, das gut gehende Geschäft in Nahost zu verkaufen. Vorerst will er den Betrieb weiterführen. Für die in Reutlingen Beschäftigten gibt es Insolvenzgeld von der Agentur für Arbeit.

Begonnen hatte Geissler mit der Eröffnung des Geschäftsbereichs Internethandel mit dem Start der Online-Plattform Gold-Supermarkt in 2009. Im Oktober 2010 folgte die Eröffnung der ersten Goldautomaten in Deutschland und in den Vereinigten Arabischen Emirate. Das Konzept war mit viel Optimismus versehen worden. Es gab Nachfragen aus der ganzen Welt und das Medien-Echo war groß. Fünf Fernsehteams hatten beim Verkaufsstart das Unternehmen besucht.

Geissler sagt, »die Banken haben das Modell nicht verstanden. Und wenn sie bereit zur Finanzierung waren, wollten sie erst ab 50 Millionen Euro einsteigen«. Ein Geldautomat kostet nach Geissler 63 000 Euro. Mitunter enthält er Gold im Wert von 100 000 Euro. Das alles muss vorfinanziert werden.

Im September 2010 war eine Inhaber-Teilschuldverschreibung (7,5 Prozent) mit einem Nennwert von 2,85 Millionen Euro begeben worden. Gegen Ende des Jahres 2010 war das Grundkapital auf drei Millionen Euro durch Aufnahme weiterer Aktionäre aufgestockt worden. Anfang August dieses Jahres hatten die Anleihegläubiger den Umtausch der Inhaberschuldverschreibungen in Aktien der Anleiheschuldnerin jedoch abgelehnt.

Geissler kämpft weiter

»Wir arbeiten an einer Auffanglösung«, so Geissler. »Das ist zumindest meine Idee.« Er kann sich ein »Gold to Go 2« vorstellen. Möglicherweise Geschädigte müssten jetzt aber zu ihrem Recht kommen. Unverändert findet er das Thema gut. Aber – die potenziellen Kunden würden den Verkauf von Gold über Automaten wohl als zu exotisch betrachten.

Ex Oriente ist eine nicht börsennotierte AG. Circa 80 Kleinaktionäre gibt es. »Das Hauptinvestment habe schon ich gebracht«, sagt Geissler. Zum Unternehmen gehören 15 Mitarbeiter in Reutlingen, sechs weitere Personen sind bei den zwei Tochtergesellschaften in USA und Dubai beschäftigt. (GEA)



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