Wirtschaft
Hugo Boss - Nicht nur Schokoladennikoläuse für die Mitarbeiter. Jahresprämie etwas niedriger. Neues Parkhaus

Betriebskita bleibt auf Wunschzettel

VON FRANZ PFLUGER

METZINGEN. Seit 25 Jahren macht er das und tut es sichtlich gerne. Antonio Simina, Betriebsratsvorsitzender und stellvertretender Aufsichtsratschef bei der Hugo Boss AG (Metzingen), verteilte am 6. Dezember 400 Schokoladen-Nikoläuse an die 400 Näherinnen in Metzingen. Immer noch wird am Standort ein Teil der Anzüge produziert.

Betriebsratsvorsitzender Antonio Simina übergibt der Türkin Sabriye Özcelik, eine von 400 Näherinnen, einen Nikolaus. Bei dem Modeunternehmen in Metzingen arbeiten 60 Nationalitäten. Foto: AG
Betriebsratsvorsitzender Antonio Simina übergibt der Türkin Sabriye Özcelik, eine von 400 Näherinnen, einen Nikolaus. Bei dem Modeunternehmen in Metzingen arbeiten 60 Nationalitäten. Foto: AG
Hat die Schokolade mehr symbolischen Gehalt, wiegt die Prämie, die das Lifestyle-Unternehmen seinen 2 714 Beschäftigten (Köpfe nicht Vollzeit) einschließlich der 209 Auszubildenden am Standort Metzingen für 2012 auszahlt, schon deutlich mehr. 1 200 Euro sind es. Diese Information gab es jüngst bei der Betriebsversammlung in den Gebäuden der Neuen Messe Stuttgart. Immerhin waren 2 500 Beschäftigte präsent.

Die Prämie ist kein Willkürakt, sondern bemisst sich nach einer mathematischen Formel, die als Messgrößen Umsatz, Ertrag und auch Ziele enthält. Zwar wird die Modeschmiede in diesem Jahr wieder einen Rekordumsatz erwirtschaften, bei den Zielen wurde jedoch nicht alles erreicht. Aus diesem Grund liegt die Prämie um 300 Euro niedriger als die für das Jahr 2011. Gleichwohl ist die Mann- und Frauschaft ziemlich stolz auf das Unternehmen und seine Leistung, die ja auch die ihre ist. Vergleiche mit anderen Bekleidungsunternehmen braucht man da erst gar nicht ziehen.

Altersteilzeit sehr gefragt


Tut man es dennoch, sieht das Erreichte für den Betriebsratsvorsitzenden nur noch besser aus. Ein Beispiel: Im April 2012 gab es eine vorgezogene Lohnerhöhung von 3,8 Prozent. Die Branche Bekleidungsindustrie hatte erst im November den Abschluss in Höhe von drei Prozent für die Dauer eines Jahres vereinbart. Ein Grund der Vorverlegung war, dass Hugo Boss für die leitenden Angestellten den Abschluss immer im Frühjahr macht. Eine Vereinheitlichung war erwünscht - auch wenn sie einiges kostete. Die Lohnvereinbarung gilt bis November 2013. Dann wird in der Branche wieder neu verhandelt.

Eine Besserstellung gab es auch beim Thema Altersteilzeit. Wer 57 Jahre alt ist, kann ein Blockmodell in Anspruch nehmen mit dem Zeitrahmen von sechs Jahren. Über diesen Zeitraum - drei Jahre Vollzeit, drei Jahre Auszeit - gibt es 85 Prozent des Nettolohnes. 95 Prozent der Beschäftigten, die den Anspruch haben, machen auch davon Gebrauch, sagt Simina. Im vergangenen Jahr waren es circa 100 Mitarbeiter.

Wunschlos ist der Betriebsratsvorsitzende, der 28 Jahre dieses Amt innehat, jedoch nicht. Die Einrichtung eines Betriebskindergartens wäre im Interesse vieler Frauen, sagt er. 68 Prozent aller Beschäftigten sind in Metzingen Frauen. Auch auf der Betriebsversammlung wurde dieses Interesse erneut ausgesprochen. Dabei anerkennt der Betriebsrat die bisherigen Leistungen auf diesem Sektor. Das Unternehmen finanziert im städtischen Kindergarten 40 Plätze. Kosten je Platz: circa 10 000 Euro im Jahr. Hier gibt es zwischenzeitlich eine Warteliste. Zusätzlich zahlt Boss jeder Familie, die ihr Kind anderweitig unterbringt, 250 Euro im Monat.

Gelöst ist demnächst das Parkplatzproblem für die Beschäftigten. Ein Parkhaus mit 550 Stellplätzen wird noch in diesem Monat fertig. Fünf Millionen Euro wurden investiert. Im Hinblick auf die Großinvestitionen in Bonlanden für das Liegewarenlager mit über 100 Millionen Euro ein kleiner Betrag. Das neue Verwaltungsgebäude - Kostenpunkt 40 Millionen Euro - dürfte im Frühjahr bezogen werden. Dann gibt es noch das Großprojekt Outletcenter mit über 30 Millionen Euro Investitionskosten.

Was macht Permira?


Was macht Permira, der Mehrheitseigner, mit Hugo Boss? Immerhin hatte der schon beim Einstieg angekündigt, das Engagement nach einigen Jahren abzugeben. Als Orientierungsgröße waren in den Medien fünf Jahre genannt worden. Gut gefahren sein, wie man salopp formuliert, dürfte er allemal. 3,4 Milliarden Euro hatte er beim Erwerb 2007 investiert, einschließlich der Gesellschaft Valentino in Italien. Die gab Permira im Sommer dieses Jahres für 700 Millionen Euro ab. Gegen Ende 2011 trennte sich der Finanzinvestor von 4,5 Millionen Vorzugsaktien (heute gibt es nur noch Stammaktien) und versprach eine Haltefrist für die übrigen Papiere von sechs Monaten. Die sind längst vorbei.

Kredite in Höhe von 2,4 Milliarden Euro hatte der Finanzinvestor damals aufgenommen. Ein Kreditgeber war mit 800 Millionen Euro die Citibank, die im Zuge der Wirtschafts- und Finanzkrise vom US-Staat unterstützt wurde. Ein Glück für Permira: Sie kaufte den Kredit für nur 300 Millionen Euro zurück. So viel zu den Gewinnern und Verlierern der Krise. Dividende hat Permira natürlich auch erhalten - im Frühjahr 2008 für das Geschäftsjahr 2007 sogar eine Sonderdividende von 350 Millionen Euro. Für den damaligen Chef Bruno Sälzer war das zu viel. Er ging.

Der Investor hatte beim Erwerb 2007 44 Euro für eine Aktie gezahlt. Der Kurs heute: 80 Euro. Circa 70 Millionen Hugo Boss-Aktien gibt es. 77 Prozent davon sind in den Händen von Permira - macht etwas über 53 Millionen Aktien. Die multipliziert mit dem aktuellen Marktpreis von 80 Euro ergibt 4,24 Milliarden Euro. Auch wenn man Zinszahlungen an Banken und sonstige Kosten abzieht - gewiss ein lohnendes Engagement für den Finanzinvestor. Die spannende Frage, wer kommt danach, bleibt noch unbeantwortet. (GEA)



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