Wirtschaft
Siemens Geared Motors - Unternehmen in Tübingen-Kilchberg entlässt Personal. Standort Reutlingen wird aufgegeben. Hohe Millioneninvestitionen in Kilchberg

200 Stellen fallen weg

Von Franz Pfluger

TÜBINGEN/REUTLINGEN. Die Siemens Geared Motors GmbH mit Sitz in Tübingen hat am Dienstagnachmittag bei einer Belegschaftsverversammlung die negative Botschaft verkündet: Von den aktuell bestehenden zirka 650 Arbeitsplätzen sollen 200 das Unternehmen bis Ende 2010 verlassen. Der Reutlinger Standort soll geschlossen werden. Eine Siemens-Sprecherin in Stuttgart bestätigte unsere Informationen.

Das ehemalige Wendler-Areal (In Laisen, Reutlingen) ist noch Standort von Siemens Tübingen. Er wird geschlossen.  FOTO: NIETHAMMER
Das ehemalige Wendler-Areal (In Laisen, Reutlingen) ist noch Standort von Siemens Tübingen. Er wird geschlossen. FOTO: Markus Niethammer
Das allgemeine Krisenjahr 2009 hat offenbar große Spuren im Unternehmen hinterlassen. Die Aufträge waren stark rückläufig. Siemens Geared Motors stellt Getriebemotoren her: Sie kommen bei all dem, wo etwas bewegt wird, zum Einsatz. Beispiele sind Aufzüge, Rolltreppen, Förderbänder, Windkraftanlagen und dergleichen. Im Geschäftsjahr 2008 waren nach früheren Angaben zirka 200 000 Getriebemotoren in Tübingen und am Standort Reutlingen hergestellt worden. Die Motoren der Tübinger Produkte wurden in Tschechien hergestellt. In Tübingen wird der Getriebekopf, das anspruchsvollere Teil, produziert.

Der Standort Reutlingen, wo bisher sogenannte Cavex-Teile (Schneckengetriebe oder Schraubenwalz-Getriebe) produziert worden, soll stillgelegt werden. Die Nachfrage nach diesem Produkt schwäche sich stark ab. Zudem würde es immer mehr ersetzt durch elektrotechnische Anwendungen. In Reutlingen werden zirka 100 Personen beschäftigt. Wenn das Werk in Reutlingen geschlossen wird, heißt das nicht, dass diese 100 Mitarbeiter alle ihren Job verlieren.

Zirka 50 Prozent der Produkte werden in Deutschland abgesetzt, die anderen 50 Prozent im europäischen Ausland. Ein Produktionswerk im chinesischen Tiajin mit über 1 000 Mitarbeitern (Anfang 2009) wird von Tübingen aus gesteuert. Die dort hergestellten Getriebemotoren sind primär für den dortigen Markt vorgesehen. Die positive Nachricht: ein zweistelliger Millionenbetrag - die IG Metall spricht von 40 Millionen Euro - wird bis 2015 in den Tübinger Standort investiert.

Siemens Geared Motors gehört zum Geschäftsfeld Siemens Standard Drives Technologies mit Sitz in Nürnberg. Das Tübinger Unternehmen war in 2005 von Siemens erworben worden, weil Getriebemotoren für Siemens ein neues viel versprechendes Geschäftsfeld war. Der Elektrokonzern hat eine starke Stellung bei elektrischen Antrieben - Flender bei mechanischen Antrieben. Die Kunden von Siemens benötigen beides.

Die Gespräche über einen Interessenausgleich und Sozialplan werden demnächst mit Betriebsrat und IG Metall aufgenommen. Siemens sei an einer sozialverträglichen Lösung interessiert. Das ganze Register wird gezogen: Befristete Jobs werden abgebaut, man setzt auf freiwillige Lösungen, unter den Standorten wird ein Personalausgleich angestrebt und auch der Wechsel einiger Mitarbeiter in eine Beschäftigungsgesellschaft wurde nicht ausgeschlossen.

In einer ersten Stellungnahme betonte der 1. Bevollmächtigte der IG Metall RT-TÜ Gert Bauer: »Wir begrüßen es ausdrücklich, dass Siemens zum Standort Tübingen stehen und dort auch investieren will. Einen Personalabbau in dieser Größenordnung halten wir allerdings für katastrophal - für jeden Einzelnen der Betroffenen, sowie für die Funktionsfähigkeit der Fabrik.« (GEA)


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