Weltspiegel
Italien:Schifffahrt

Streit um Entschädigung nach Kreuzfahrt-Drama

Rom (dpa) - Zwei Wochen nach der Havarie der «Costa Concordia» gibt es in Italien Streit um eine Entschädigung für die Passagiere des Kreuzfahrtschiffes. Die Reederei Costa Crociere hat mit zwölf italienischen Verbraucherverbänden eine Pauschalentschädigung von 11 000 Euro pro Passagier ausgehandelt.

Überlebende des Concordia-Schiffunglücks sollen von der Reederei eine Entschädigung von je 11 000 Euro bekommen. Foto: Peter Honvehlmann
Überlebende des Concordia-Schiffunglücks sollen von der Reederei eine Entschädigung von je 11 000 Euro bekommen. Foto: Peter Honvehlmann
Ob eine solche Entschädigungsvereinbarung auch für deutsche Reisende des Unglücksschiffes gelten könnte, war zunächst unklar.

Gegen die pauschale Summe wendet sich die italienische Verbraucherorganisation Codacons. Sie forderte alle Passagiere auf, «diese Almosen nicht zu akzeptieren». Der einzige Weg, zu einer angemessenen Entschädigung zu kommen, sei die unter anderem von Codacons angestrebte Sammelklage in Italien und den USA.



Auch am Freitag suchten Taucher am Wrack der «Costa Concordia» nach Vermissten. Nach wie vor gelten etwa 20 Menschen als verschollen, darunter acht Deutsche. 16 Tote wurden bislang geborgen. Vier von ihnen kommen nach Angaben des Auswärtigen Amts aus Deutschland.

Wie am Freitag bekannt wurde, kam auch ein Passagier aus Ibbenbüren in Nordrhein-Westfalen ums Leben. Das Bundeskriminalamt habe bestätigt, dass die Leiche des 72-jährigen Mannes identifiziert worden sei, sagte ein Sprecher der Kreispolizei Steinfurt.

Der Mann war mit seiner 68 Jahre alten Ehefrau auf der «Costa Concordia» gewesen. Zum Schicksal der vermissten Frau gebe es noch keine neuen Erkenntnisse, sagte der Polizeisprecher. Zuvor waren ein 74-jähriger Mann aus Hessen, eine 52 Jahre alte Frau aus Mittelfranken und ein Berliner identifiziert worden.

Derweil sorgt sich der italienische Umweltminister Corrado Clini um das Image des Landes nach dem teils chaotischen Rettungseinsatz und dem Verhalten des schwer beschuldigten Kapitäns. Dieses negative Bild, wonach Italien ein unzuverlässiges Land sei, müsse wieder beseitigt werden, sagte Clini in Rom.

Die 11 000 Euro Entschädigung für verlorene Wertgegenstände, Gepäck, seelische Beeinträchtigung infolge der Havarie und den für die Kreuzfahrt bezahlten Preis «liegt über den Entschädigungsgrenzen internationaler Vereinbarungen und der gültigen Gesetze», heißt es in der Mitteilung des italienischen Reiseindustrieverbands Astoi Confindustria am Freitag in Rom. Wer auf das Angebot eingehe, müsse sich verpflichten, nicht gegen Costa zu klagen.

An Bord der gekenterten «Costa Concordia» waren etwa 4200 Menschen, darunter 560 Deutsche. Die Entschädigung soll den Angaben zufolge auch für Kinder bezahlt werden, die kostenlos dabei gewesen seien, so dass ein Ehepaar mit zwei Kindern 44 000 Euro erhalten würde. Der Reederei sei daran gelegen gewesen, das durch die Havarie entstandene Image nicht noch weiter zu verschlechtern, schrieb die römische Tageszeitung «La Repubblica» am Freitag. Die Havarie werde die Reederei alles in allem Hunderte von Millionen Euro kosten.

Gleichzeitig wollten die Bergungsexperten des Unternehmens Smit letzte Vorbereitungen für das vom Wochenende an geplante Abpumpen der etwa 2300 Tonnen Treibstoff auf den Schiffstanks abschließen. Der für Samstag vorgesehene Beginn der Aktion verschiebe sich noch einmal um einige Stunden, sagte Krisenstabsleiter Franco Gabrielli am Freitag.


Galerie

Die Schreckensfahrt der Costa Concordia

Kreuzfahrt-Drama vor Italien

Kreuzfahrt-Drama Costa Concordia
FOTO:  AP
 
Seite versenden
 

Das könnte Sie auch interessieren
Regionen

Wählen Sie Ihre Region

Karte mit einzelnen Regionen Tübingen Reutlingen Pfullingen Eningen Lichtenstein Über der Alb Neckar und Erms

Bericht: Jede vierte Klinik zahlt...

Berlin (dpa) - Viele Ärzte kassieren Extra-Honorar... mehr»

Altmaier wird zum...

Mit Peter Altmaier (CDU) bekommt Deutschland einen neuen Umweltminister. Foto: Maurizio Gambarini

Berlin (dpa) - Eine Woche nach der Entlassung von ... mehr»

Tiefer Fall der Facebook-Aktie am...

Ein Schild mit den Unterschriften der ersten 200 Facebook-Mitarbeiter im Hauptquartier des Unternehmens. Foto: John G. Mabanglo

New York (dpa) - Nach gerade mal zwei Tagen an der... mehr»

Alexis Tsipras besucht Berlin

Alexis Tsipras (r.) besucht heute Berlin. Foto: Christophe Karaba

Athen/Brüssel (dpa) - Knapp vier Wochen vor den Ne... mehr»

Extremschwimmer gibt bei...

Extremschwimmer Bruno Dobelmann

KONSTANZ. Der Extremschwimmer Bruno Dobelmann hat ... mehr»

Parteien

Keine Lösung im Machtkampf der Linken in Sicht

Oskar Lafontaine (l), Dietmar Bartsch (M) und Klaus Ernst (r): Eine Einigung über die künftige Spitze der Linken ist auch zwei Wochen vor dem Wahlparteitag nicht in Sicht. Foto: Jens Büttner/Archiv
Der Geschäftsführende Parteivorstand der Linken wird sich heute erneut mit dem Machtkampf um den Vorsitz befassen müssen.
lesen »
Sex-Partys mit Strauss-Kahn

Ermittlungen wegen Gruppenvergewaltigung

Wegen bandenmäßiger Zuhälterei läuft bereits ein Anklageverfahren gegen Dominique Strauss-Kahn. Foto: Andrew Gombert/Archiv
Der frühere IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn muss nun auch ein Anklageverfahren wegen gemeinschaftlicher Vergewaltigung fürchten.
lesen »
Bodensee

Extremschwimmer gibt auf

Extremschwimmer Bruno Dobelmann
Der Extremschwimmer Bruno Dobelmann hat seinen Rekordversuch, den Bodensee längs ohne Neoprenanzug zu durchqueren, abgebrochen.
lesen »
Extremismus

Mordaufruf von Islamisten: Generalbundesanwalt ermittelt

Kundgebungen von Pro NRW führen immer wieder zu Konfrontationen mit Gegendemonstranten. Foto: Henning Kaiser/Archivbild
Nach dem Mordaufruf eines Islamisten gegen deutsche Rechtsextremisten hat der Generalbundesanwalt die Ermittlungen übernommen.
lesen »