Weltspiegel
Ernährung

Sensibel für Speisen - Slow Food mit Kochmobil in Schulen

Von Janina Beuscher, dpa

STUTTGART. Viele Kinder ernähren sich schlecht, weil sie zu wenig über Essen wissen. Das wollen die Mitglieder der Bewegung Slow Food ändern. In einem »Slow Mobil« kochen sie mit Schülern.

Modell Katrin hält während eines Fototermins ein Brot mit dem Logo der Organisation Slow Food in den Händen, im Hintergrund stehen die Signets der Messen Fair handeln und Markt des guten Geschmacks - die Slow Food Messe.
Modell Katrin hält während eines Fototermins ein Brot mit dem Logo der Organisation Slow Food in den Händen, im Hintergrund stehen die Signets der Messen Fair handeln und Markt des guten Geschmacks - die Slow Food Messe. FOTO: dpa
»Meine Mama macht das manchmal in den Salat«, sagt Vanessa und zieht die Linie einer Rübe nach. Emma malt einen Kürbis leuchtend orange an und erzählt: »Mein Papa isst das auf dem Brot.« Die beiden Mädchen und ihre Freunde der Jugendkunstschule Karlsruhe malen fleißig Fisch, Wurst und Kochtopf an das weiße »Slow Mobil«. Der Küchenwagen soll am Montag (8.4.) offiziell seine Arbeit aufnehmen. Bevor er die Schulen der Region anfährt, präsentiert er sich vom 11. bis 14. April auf der Messe »Slow Food« in Stuttgart.

Damit die Kinder wissen, was sie da malen, haben sie das Gemüse zuvor gekostet. »Das ist Teil des Slow-Food-Gedankens«, sagt Cornelia Hübner, Schatzmeisterin des Vereins Junior Slow Karlsruhe, der sich vor einem Jahr gegründet hat. Die Idee mit dem Mobil ist nicht neu: Solche Wagen fahren bereits in München und Frankfurt. »Darin können acht Schüler im Alter von fünf bis neun Jahren unter Anleitung von zwei Erwachsenen Essen zubereiten«, erklärt Hübner.

Das Konzept ist für sie weit mehr als nur »einfaches Kochen mit Kindern«. Es geht um Aufklärung. Auf dem Speiseplan stehen gesunde, einfache und schmackhafte Gerichte aus saisonalen Produkten der Region. Für die Zubereitung sind drei bis vier Stunden angesetzt.

Die Bewegung Slow Food - die sich den Namen als Gegenpol zu Fast Food gab - legt großen Wert auf die Jugendarbeit. Vor allem für Kinder bietet sie Sensorik-Veranstaltungen an, bei denen die Sinne für Nahrungsmittel sensibilisiert werden. »Viele Sinneseindrücke werden im hektischen Alltag oft nicht wahrgenommen«, erzählt die Lebensmittelchemikerin Cornelia Ptach, Mitglied der Kinderkommission von Slow Food Deutschland.

Bei ihren Verkostungen verbindet sie den Teilnehmern die Augen und legt ihnen zum Beispiel ein Marzipan-Gebäck vor. Die Kinder oder auch Erwachsene müssen es erst erfühlen und daran riechen, bevor sie es essen. Der Geschmack überrascht ebenso wie die explosionsartige Wirkung von einem Löffel Zimt, der mit zugehaltener Nase in den Mund geschoben wird.

»Ein neuer Trend ist Foodpairing, also die Kombination von Lebensmitteln nach ihren Inhaltsstoffen«, erzählt Ptach. »Auf diese Weise sind Naschereien wie Schokolade mit Schweinsgrammeln - ein Rückstand von ausgelassenem Speck - oder Schokolade mit Käse entstanden.« Und tatsächlich schmecken die Kombinationen überraschend gut, findet auch die Slow-Food-Gruppe Karlsruhe bei der Verkostung.

»Mit rund 160 Mitgliedern sind wir ein mittelgroßes von derzeit rund 85 Convivien von Slow Food Deutschland«, erzählt Jens Herion, Vorstand in Karlsruhe. Die Gruppen bezeichnen sich nach dem lateinischen Wort »Convivium« für Tafelrunde oder Gastmahl. Berlin zählt im Vergleich 670 und München 780 Slow Foodler. Vertreter gibt es auch in kleineren Städten wie Bruchsal-Kraichgau mit 30 Aktiven. Deutschlandweit engagieren sich etwa 12 000 Menschen für Slow Food.

Dabei geht es ihnen nicht nur ums Kochen. »Wir bringen Produzenten und Lieferanten aus der Region zusammen, zum Beispiel am Bruchsaler Kübelmarkt im Herbst«, erklärt Eike Hutter, stellvertretender Leiter des Conviviums Bruchsal-Kraichgau. Die Palette reicht dann von fair gehandelten, vegetarischen Brotaufstrichen über Fleisch bis zu Kaffee und Wein - alles Bio, versteht sich. Und dazu gibt es jede Menge Anregungen, sich über Vor- und Nachteile der »schnellen und langsamen Ernährung« Gedanken zu machen.

Die Lebensmittelskandale wie zuletzt um Pferdefleisch in der Lasagne und fragwürdige Bio-Eier haben kaum Einfluss auf die Bewegung. Der Zulauf liege kontinuierlich bei etwa einem Prozent im Monat, heißt es aus der Geschäftsstelle in Berlin. Das bestätigt auch einer der »Langsam-Esser« in Karlsruhe. »Da wird zwar viel geredet, aber wirklich überrascht ist doch niemand mehr.« (dpa)

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