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Saisoneröffnung: Karlsruher Anbaden im Pyjama

Von Susanne Kupke, dpa

Karlsruhe (dpa) - Statt Handtüchern liegen Daunendecken und Kissen auf den Liegen. An die 40 Frauen und Männer stehen in Nachthemden und Schlafanzügen am Beckenrand und warten auf den Startschuss. Punkt 10.00 Uhr läutet der Wecker die Badesaison ein und die Pyjamaträger stürzen sich ins Wasser.

Der Winter ist (angeblich) vorbei, die Freibadsaison geht wieder los - zumindest in Karlsruhe. Foto: Uli Deck
Der Winter ist (angeblich) vorbei, die Freibadsaison geht wieder los - zumindest in Karlsruhe. Foto: Uli Deck
Unter dem Schlachtruf «Winterschlaf ade, Sonnenbad juchhe» ist am Freitag im Karlsruher Sonnenbad die Freibadsaison eröffnet worden.

Für das bundesweit erste Anbaden in einem Freibad sind die Besucher teils von weit her gekommen - und die Medien auch. Sie alle haben Glück: Pünktlich zum Start reißt der Himmel auf.

Während Zaungäste bei acht Grad Lufttemperatur im Wintermantel die klammen Hände reiben, ziehen die ersten Badegäste bei Sonnenschein und 28 Grad Wassertemperatur gut gelaunt ihre Bahnen.

Sogar der ein oder andere Kampfschwimmer ist schon unterwegs. Nicht im Pyjama, versteht sich, sondern in der Badehose. Derweil klicken die Fotoapparate, und TV-Teams selbst aus Österreich filmen die bunte Pyjama-Sause.

Einige Besucher haben sich für die Saisoneröffnung extra freigenommen, so wie die 50-jährige Personalentwicklerin aus Karlsruhe, die am Becken mit Schlafbrille, Schlafanzug und Puschen im Rosenmuster steht. Ins Hallenbad geht sie nicht. Die paar Wochen, die das Sonnenbad im Jahr geschlossen hat, schwimmt sie eben nicht. So wie sie halten es viele eingefleischte Fans des Bades direkt neben dem Kohlekraftwerk.

Schließlich ist das Sonnenbad nach Angaben der Karlsruher Bädergesellschaft das einzige Freibad in Deutschland, das von Ende Februar bis zum 1. Advent geöffnet hat. Und es ist auch eines der wenigen Bäder mit so treuen Besuchern. 120 000 Badegäste kommen im Jahr, die meisten haben Dauerkarten. 650 unterstützen das Bad auch finanziell über den Freundeskreis.

Denn das Baden im Freien - auch bei Schnee und Eis - hat seinen Preis. Für die Besucher, die bis Anfang Mai und ab Ende September einen Zuschlag von 1,70 Euro auf den normalen Eintrittspreis von 4,20 Euro zahlen. Aber auch für das Bad selbst, das für Energiekosten rund 200 000 Euro pro Jahr aufbringen muss. Etwa für die Erwärmung und Umwälzung des Badewassers.

Aber im Winter für draußen heizen: «Ist das nicht eine Umweltsauerei?» fragt ein Reporter. Gar nicht, findet der Schwimmmeister Roland Hilner. Schließlich ist das Bad an das Fernwärmenetz angeschlossen. «Wir beziehen überschüssige Kühlwasserenergie des Kraftwerks.» Im Gegensatz zu den 70er Jahren muss das Bad aber heute dafür zahlen. Damals kam die Wärme als kostenloses Abfallprodukt aus dem Kohlekraftwerk nebenan. Seit Abwärme als Fernwärme genutzt und teuer verkauft wird, muss das Sonnenbad für das tropische Feeling ab Februar ganz schön tief in die Tasche greifen. Der Freundeskreis ist jährlich mit 18 000 Euro dabei.

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