Weltspiegel
Land

Mordprozess: Zeugen widersprechen Hussein K.

Von Jürgen Ruf, dpa

Freiburg (dpa) - Nach dem Geständnis von Hussein K. im Freiburger Prozess um den Mord an einer Studentin haben Zeugen das Wort. Es geht um die Frage, ob Alkohol getrunken wurde. Für das Urteil kann dies entscheidend sein.

Hussein K. soll in Freiburg eine Studentin vergewaltigt und ermordet haben. Vor Gericht sagt der junge Flüchtling zwar aus - trotzdem bleibt vieles unklar und widersprüchlich. Foto: Patrick Seeger
Hussein K. soll in Freiburg eine Studentin vergewaltigt und ermordet haben. Vor Gericht sagt der junge Flüchtling zwar aus - trotzdem bleibt vieles unklar und widersprüchlich. Foto: Patrick Seeger
Im Prozess um die Vergewaltigung und den Mord an einer Studentin in Freiburg haben Zeugen gegen den mutmaßlichen Täter Hussein K. ausgesagt. Der Angeklagte soll zum Tatzeitpunkt nicht so betrunken gewesen sein, wie er selbst angegeben hatte. Hussein K. sei wenige Stunden vor der Tat nicht erkennbar betrunken gewesen, sagten mehrere Mitarbeiter und Besucher einer Bar beim dritten Prozesstag am Mittwoch. Der junge Flüchtling hatte sich in der als Treffpunkt von Homosexuellen bekannten Bar kurz vor dem Mord an einer 19 Jahre alten Studentin aufgehalten. Eine Besucherin berichtete, sie sei von dem jungen Mann bedrängt worden und habe sich bedroht gefühlt. Betrunken sei er nicht gewesen.

Hussein K. betrat, wie schon an den ersten beiden Prozesstagen, den Gerichtssaal schwer bewacht in Fuß- und Handfesseln. Er äußerte sich nicht, Zeugenaussagen standen am Mittwoch auf dem Programm.

Dem Angeklagten wird Mord und besonders schwere Vergewaltigung vorgeworfen. Er hat am Montag zugegeben, im vergangenen Oktober die 19-Jährige überfallen, gewürgt, vergewaltigt und in den Fluss Dreisam gelegt zu haben. Dort ertrank sie. Er gab an, zur Tatzeit betrunken und bekifft gewesen zu sein. Dies könnte für die Frage von Bedeutung sein, ob Hussein K. vermindert schuldfähig ist. Das wirkt sich in der Regel strafmildernd aus.

«Die Frage, ob der Angeklagte zur Tatzeit berauscht war, spielt in einem Strafprozess immer eine zentrale Rolle», sagte der Pflichtverteidiger des Angeklagten, Sebastian Glathe. Bei seinem Geständnis am Montag hatte Hussein K. gesagt, er habe vor dem Besuch der Bar mit Freunden zwei Flaschen Wodka und später allein Bier und Wein getrunken. Zudem habe er mehrere Joints geraucht.

«Wenn er betrunken gewesen wäre, hätte ich es gemerkt», sagte dagegen am Mittwoch der Barkeeper. Seine Kollegen äußerten sich ähnlich. In der Bar habe der Mann, der alleine unterwegs war und sichtbar Kontakt gesucht habe, lediglich zwei kleine Bier getrunken. «Harte Spirituosen» habe er nicht konsumiert. Dies bestätigten nahezu alle Zeugen, sagte Oberstaatsanwalt Eckart Berger. Sie widerlegten damit die Aussagen des Angeklagten.

Eine Besucherin sagte, Hussein K. habe sie und ihre Begleiterin in der Bar bedrängt. «Er hat uns die ganze Zeit angestarrt und kam dann sehr nahe. Er war unglaublich aufdringlich und penetrant.» Gesprochen habe er in deutscher Sprache mit ihr. Auf ihre Worte, er solle sie in Ruhe lassen, habe er nicht reagiert.

Nach dem Bar- und einem Discobesuch war Hussein K. eigenen Angaben zufolge mit der Straßenbahn in die Nähe des späteren Tatorts gefahren. Er stahl ein Fahrrad, stürzte, weil er zu betrunken gewesen sei, und schob es. Dann sei ihm das Mädchen zufällig auf dem Rad begegnet. Auch zuvor in der Straßenbahn habe er Frauen belästigt, hatte der Staatsanwalt bei der Verlesung der Anklage betont.

In dem Prozess sollen weitere Zeugen sowie zehn Sachverständige gehört werden - unter anderem zur Frage, wie alt der vor der Jugendkammer stehende Mann tatsächlich ist. Er selbst hatte behauptet, zur Tatzeit 17 Jahre alt gewesen zu sein. Zum Prozessauftakt in der vergangenen Woche gab er jedoch zu, gelogen zu haben und älter zu sein.

Die Staatsanwaltschaft hält Hussein K. für mindestens 22 Jahre alt. Zwei Gutachten sollen dies im Laufe des Prozesses untermauern. Sie werden dem Plan zufolge im Oktober erörtert. Davon ist laut Gericht abhängig, ob für Hussein K. Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht gilt. Dies kann große Folgen für das Strafmaß haben, das ihn erwartet. Ein Urteil könnte im Dezember fallen.

Hussein K. war 2015 ohne Papiere nach Deutschland gekommen. Wegen einer Gewalttat an einer jungen Frau 2013 war er in Griechenland zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt, im Oktober 2015 aber vorzeitig gegen Auflagen entlassen worden und kurze Zeit später untergetaucht. Zudem steht der Verdacht im Raum, dass er zuvor im Iran eine Zwölfjährige vergewaltigt hat. Nächster Verhandlungstag mit weiteren Zeugenaussagen ist am 28. September.

Das könnte Sie auch interessieren
Regionen

Wählen Sie Ihre Region

Karte mit einzelnen Regionen Tübingen Reutlingen Pfullingen Eningen Lichtenstein Über der Alb Neckar und Erms
Niederlande

Suche nach Kindermörder: DNA-Massentest gestartet

Joep Pattijn von der Polizei Limburg spricht vor dem Bild des Nicky Verstappen. Nach fast 20 Jahren wollen Ermittler mit einer DNA-Massenuntersuchung den mutmaßlichen Mord an dem elfjährigen Nicky im Grenzgebiet bei Aachen aufklären.
Wer hat den kleinen Nicky Verstappen vor 20 Jahren getötet? Jetzt hat ein DNA-Massentest begonnen - im niederländischen Grenzgebiet, dicht bei Aachen. Die Teilnehmer stehen voll hinter der Aktion - auch wenn sie zur Zeit der Tat noch Kinder waren.
lesen »
Film

Bollywood-Superstar Sridevi Kapoor ist tot

Schauspielerin Sridevi Kapoor im Sommer 2013 bei einer Preisverleihung der Internationalen Indischen Filmakademie. Foto: Jerome Favre/EPA
Sridevi Kapoor spielte schon als Kind in zahlreichen Filmen in den indischen Regionalsprachen Tamil, Telugu, Malayalam und Kannada mit, bevor sie 1978 ihr Bollywood-Debüt gab und zum Superstar aufstieg.
lesen »
FUSSBALL-OBERLIGA

Reutlinger 2:0-Sieg in Walldorf

Der neue SSV-Trainer Teodor Rus. FOTO: BAUR
Vierter Auswärtssieg für den Fußball-Oberligisten SSV Reutlingen. Das Team des neuen Trainers Teodor Rus gewann beim FCA Walldorf II ungefährdet und hochverdient mit 2:0 (1:0).
lesen »
Land

Auto prallt gegen Baum: Frau stirbt

Für eine 47-jährige Frau im Mercedes kam jede Hilfe zu spät.
Eine Familie ist mit ihrem Auto im Landkreis Biberach verunglückt - die 47 Jahre alte Mutter starb dabei.
lesen »

Wie weit rückt Italien nach rechts?

Paolo Gentiloni (R), Ministerpräsident von Italien, und Matteo Renzi, ehemaliger Ministerpräsident, bei einer Demonstration gegen Rassismus in Rom. Foto: Giuseppe Lami/ANSA/AP

Mailand/Pioltello (dpa) - «Hoffnungsträger für Ita... mehr»

Felix Jaehn startete Karriere auf Geburtstagspartys

Felix Jaehn bei der Echo-Verleihung 2017. Foto:Jens Kalaene

Bad Vilbel (dpa) - Der DJ und Musikproduzent Felix... mehr»

Bericht: Ermittlungen auch gegen Top-Manager aus VW-Motorentwicklung

Wolfsburg (dpa) - Im VW-Dieselskandal wird laut «B... mehr»

Viel nackte Haut: Berlinale-Gewinnerin Adina Pintilie

Die rumänische Regisseurin Adina Pintilie gewann mit «Touch Me Not» den Goldenen Bären. Foto: Ralf Hirschberger

Berlin (dpa) - «Ich kann es noch nicht glauben». A... mehr»

Deutsches Eishockey-Team verpasst das Olympia-Wunder

Das DEB-Team schwört sich auf das Finale ein. Foto: Julio Cortez/AP

Pyeongchang (dpa) - Erst nach dem Partybefehl von ... mehr»

Handball

TuS Metzingen beim Schlusslicht klar überlegen

Herausragend: Metzingens Kreisläuferin Julia Behnke
Die Metzinger Bundesliga-Handballerinnen haben die Auswärtspartie beim HC Rödertal klar mit 36:25 (15:13) gewonnen. Erfolgreichste Torschützin war Kreisläuferin Julia Behnke mit sieben Treffern.
lesen »
Mitarbeiter gesucht!
  • Stellenanzeigen werden geladen...


Aktuelle Beilagen