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Wetter

Zahl der Unwetter-Toten auf Madeira steigt auf 42

FUNCHAL. Die Zahl der Unwettertoten auf der Ferieninsel Madeira steigt weiter. Inzwischen sprechen die Behörden von 42 Opfern und 120 Verletzten. Fast 250 Menschen verloren durch das Unwetter ihr Obdach. Stundenlanger Regen hatte gestern auf der Atlantikinsel zu Überschwemmungen und Erdrutschen geführt. Die Wassermassen und Schlammlawinen rissen Menschen, Autos und Bäume mit. Brücken stürzten ein, viele Häuser und Straßen wurden zerstört. Fußballstar Cristiano Ronaldo stellte Hilfe für seine Heimatinsel in Aussicht.

«Das war das Ende der Welt, die Sintflut. So etwas habe ich noch nie gesehen», schilderte der Rentner José Silva in der Hauptstadt Funchal völlig verstört die Katastrophe einigen Medien. Stundenlanger Regen hatte am Samstag auf dem bergigen Eiland Überschwemmungen und Erdrutsche verursacht. Wassermassen und Schlammlawinen rissen Menschen, Autos und Bäume mit. Fahrzeuge wurden ins Meer gespült. Brücken stürzten ein, Häuser und Straßen wurden zerstört, der Strom fiel aus. Noch am Sonntag waren ganze Ortschaften von der Außenwelt abgeschnitten. Laut Zeitungen handelt es sich um die schlimmste Tragödie auf der Atlantikinsel in den vergangenen 100 Jahren.

Die Behörden betonten, Touristen seien nicht unter den Toten. Auch das Auswärtige Amt in Berlin bestätigte, dass keine Deutschen durch das Unwetter verletzt oder gar getötet worden. Am Wochenende waren nach Angaben des Touristikkonzerns Tui rund 1400 Urlauber des Veranstalters auf Madeira. Es gehe allen gut und es gebe keinen Grund, den Urlaub abzubrechen, sagte ein Sprecher.

Augenzeugen beteuern, dass die vorläufige offizielle Bilanz des Schreckens mit 42 Toten, rund 120 Verletzten und 250 Obdachlosen längst nicht das wahre Ausmaß der Tragödie widerspiegelt. «Niemand kann sagen, wie viele Vermisste es gibt. Unter den Trümmern und Geröllmassen liegen sicher nicht wenige Leichen. Es wird Monate dauern, bis man alles wegräumt», sagte mit zittriger Stimme der Reporter des TV-Senders «SIC». Er habe gesehen, wie Kinder auf Dächern von Autos verzweifelt um Hilfe geschrien hätten. Menschen flohen in Pyjamas und Morgenmänteln aus ihren Häusern und kletterten auf Bäumen. «Meine Frau und mein Kind sind tot. Ich habe mich gerettet, weil ich mich an Ästen festklammern konnte», erzählte ein Mann weinend.

Während der berühmteste Sohn der Insel, Real-Madrid-Fußballstar Cristiano Ronaldo, in der spanischen Hauptstadt um seine große Familie auf der Insel zittert, erlebten Hunderte deutsche Touristen und Tausende Besucher aus aller Welt, darunter viele Kreuzfahrer das Drama hautnah. Ein Tourist war gerade im Taxi unterwegs, als das Fahrzeug von den Wassermassen erwischt wurde und er irgendwie in das Innere eines Hauses am Straßenrand geschleudert wurde. «Er hat überlebt, weiß aber nicht, wo seine Frau und sein Kind sind», erzählte die Hausbesitzerin, deren Eigentum «bis zum ersten Stock voller Schlamm ist».

Auf eine solche Tragödie war niemand vorbereitet. Allein zwischen zehn und elf Uhr fielen am Samstag 52 Liter Wasser pro Quadratmeter vom Himmel. «So etwas konnten wir nicht vorhersehen, das war unglaublich», staunte die Sprecherin des Meteorologischen Instituts. Bewohner klagten unterdessen, dass die Behörden in den ersten Stunden kaum Hilfe geleistet hätten. «Wir sind doch ein Land der dritten Welt», schimpfte Rentner Silva. Von schlimmen Tragödien ist die wegen der prächtigen Pflanzenwelt als «Blumeninsel» bekannte Madeira bislang ebenso weitgehend verschont geblieben wie von anderen Übeln wie Kriminalität. 1993 starben bei Unwettern acht Menschen, 1929 gab es 32 Tote. Reiseveranstalter preisen die Insel als «Friedensoase».

Während Ministerpräsident José Sócrates nach eigenen Worten «zutiefst besorgt» ist und auch Präsident der Europäischen Kommission, der Portugiese José Manuel Barroso, Unterstützung in Aussicht stellte, macht sich der in Lissabon als Rechtspopulist verschriene regionale Regierungschef Alberto Joao Jardim andere Sorgen. Die Touristen sollen nicht wegbleiben. «Wir dürfen das alles nach Außen hin nicht zu sehr dramatisieren. Vergessen wir nicht, dass unsere Wirtschaft vom Ausland abhängig ist», lautet sein Appell.

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