Weltspiegel
KOMMENTAR - Werbespot und Moral

Kommentar: Marketing mit familiärer Not

VON EMANUEL K. SCHÜRER

Mit ihrem Werbespot zur Einsamkeit im Alter scheint den Lebensmittelhändlern von Edeka ein Marketing-Coup gelungen zu sein. Der von der geschäftigen jüngeren Generation verlassene Opa, der die eigene Todesnachricht fingiert, um Weihnachten nicht traurig und allein verbringen zu müssen, hat offensichtlich bei vielen Zuschauern einen Nerv getroffen.

Szene aus dem Werbespot "#heimkommen" der Supermarktkette Edeka. Der Werbespot sorgt für Gesprächsstoff. Foto: Edeka
Szene aus dem Werbespot "#heimkommen" der Supermarktkette Edeka. Der Werbespot sorgt für Gesprächsstoff. Foto: Edeka
Millionen Menschen sehen die in wenigen Sekunden und Bildern erzählte Geschichte nicht nur mehr oder weniger beiläufig im Fernsehen, sondern empfehlen sie auch übers Internet weiter und schauen sie dort an. Viel kostenlose Werbung also. Das wird den Umsatz der entsprechenden Supermärkte mit Gänsekeulen, Weihnachtskerzen und Rotwein nicht direkt erhöhen, ihr positives Image aber fördern. Vielleicht regt der Spot sogar den ein oder anderen dazu an, die Planung für die bevorstehenden Feiertage noch einmal zu überdenken und vielleicht doch noch einen Verwandtenbesuch oder gar eine richtige Familienfeier einzuplanen. Das wäre nicht der schlechteste Effekt kommerzieller Werbung.

Ein schales Gefühl allerdings bleibt doch. Braucht es heutzutage wirklich Marketing und Werbung, um auf die Einsamkeit von Verwandten aufmerksam zu machen? Und ist es moralisch in Ordnung, emotionale Notstände und familiäre Kälte für die Imagewerbung einer Handelskette zu instrumentalisieren? Daran kann man durchaus Zweifel haben.


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