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Junge sexuell gequält - Freund der Mutter hatte Kontaktverbot

Von Ulf Mauder, dpa

Freiburg (dpa/lsw) - Ein Sexualstraftäter zieht im Breisgau zu seiner Freundin, die ein Kind hat. Obwohl es ihm verboten ist und die Justiz ihn verurteilt, ändert sich nichts. Wenig später stellt sich heraus: Das Paar vermietet den Neunjährigen gegen Geld für Sex.

Ärmelaufnäher eines Justizbeamten in einem Gerichtssaal in Freiburg. Foto: Patrick Seeger/Illustration
Ärmelaufnäher eines Justizbeamten in einem Gerichtssaal in Freiburg. Foto: Patrick Seeger/Illustration
Der bisher schwerwiegendste Fall sexuellen Missbrauchs von Kindern in Baden-Württemberg setzt die Behörden im Raum Freiburg unter Druck. Obwohl Polizei, Justiz und Jugendamt wussten, dass ein vorbestrafter Sexualstraftäter verbotenerweise mit einem Jungen zusammenwohnte, konnte das Kind nicht dauerhaft aus der Familie genommen werden. Etwa zwei Jahre lang wurde der heute Neunjährige nach Ermittlerangaben von seiner Mutter im Internet für Sex vermietet - gegen Tausende Euro an Männer aus dem In - und Ausland. Im vergangenen September konnte der Junge aus den Händen seiner mutmaßlichen Peiniger befreit werden. «Ich bin fassungslos», sagte die Staatssekretärin im Sozialministerium in Stuttgart, Bärbl Mielich (Grüne), der Deutschen Presse-Agentur.

«Das Geschehen muss transparent und gründlich aufgearbeitet werden», verlangte Baden-Württembergs Sozialminister Manne Lucha (Grüne) am Sonntag. «Wir werden dort, wo es nötig und möglich ist, die zuständigen Behörden bei der Aufklärung bestmöglich unterstützen.»

Die Behörden müssen sich in den nächsten Tagen auf kritische Fragen einstellen. Der Lebensgefährte der Mutter - beide sind deutsche Staatsangehörige - durfte laut Oberstaatsanwalt Michael Mächtel seit 2014 keinen Kontakt mit Kindern unter 18 Jahren haben. Der Mann wollte aber dennoch zu der 47-Jährigen ziehen und habe dies beim Landgericht beantragt. Das habe abgelehnt. Der 39-Jährige soll im Herbst 2016 dennoch zu seiner Partnerin gezogen sein, erklärte Mächtel. Wegen dieses Verstoßes sei er im vergangenen Sommer zu vier Monaten Haft verurteilt worden. Das Amtsgerichtsurteil sei noch nicht rechtskräftig, erklärte Mächtel, weil der 39-Jährige Berufung eingelegt habe. Der Vorbestrafte wohnte daher weiter bei seiner Freundin.

Die 47-Jährige ist eine der Hauptverdächtigen in dem Fall: Sie soll ihren Sohn seit 2015 im Internet für Sex angeboten haben: Sieben Männer zwischen 32 bis 49 Jahren sitzen wegen Kindesmissbrauchs und Vergewaltigung in Untersuchungshaft. In einem Fall ist bereits Anklage erhoben worden - gegen wen, wollte Mächtel nicht sagen. Auch die Frau ist in U-Haft.

Bei den Vorwürfen handelt es sich nach Ermittlerangaben um den schwerwiegendsten Fall des Kindesmissbrauchs, der vom Landeskriminalamt bislang bearbeitet wurde. Mächtel rechnet mit einer hohen zweistelligen Zahl von Taten. Zuvor hatte darüber die «Welt am Sonntag» berichtet.

Das Jugendamt hatte die Familie seit Jahren im Blick, um das Kind bei seiner Entwicklung zu fördern, wie ein Sprecher des Landratsamtes erklärte. Nach Polizeihinweisen auf eine sexuelle Gefährdung des Schülers konnte dieser im März 2017 zeitweise in Obhut genommen werden. Das Familiengericht schickte ihn laut Landratsamt aber wieder nach Hause, das vom Jugendamt eingeschaltete Oberlandesgericht habe diese Entscheidung bestätigt.

Staatssekretärin Mielich sagte, leider stehe das Elternrecht familienrechtlich an erster Stelle - womöglich hätten die Gerichte deshalb befunden, den Jungen im Frühjahr wieder zur Mutter zu lassen. «Ich kann mir nichts anderes vorstellen.»

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, sieht auch Schulen in der Pflicht, Kindesmissbrauch frühestmöglich zu erkennen. «Die Schule ist der einzige Ort, wo wir wirklich alle Kinder erreichen können.»

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