Weltspiegel
Prozesse

Ex-Freundin: Brunner war nie aggressiv

München (dpa) - Der getötete Manager Dominik Brunner ist nach Angaben seiner ehemaligen Lebensgefährtin nie durch Aggressionen aufgefallen.

Die ehemalige Lebensgefährtin von Dominik Brunner hat als Zeugin ausgesagt: «Er hatte keine gesundheitlichen Probleme.»
Die ehemalige Lebensgefährtin von Dominik Brunner hat als Zeugin ausgesagt: «Er hatte keine gesundheitlichen Probleme.»
«Wenn er das Gefühl hatte, dass jemand bedrängt ist oder Angst ausstrahlt, dann hat er versucht, das zu entzerren und Spannung rauszunehmen», sagte die 51-jährige Ärztin am Dienstag als Zeugin im Mordprozess vor dem Landgericht München. Sie habe ihn nie aggressiv erlebt - «aufgeregt vielleicht, aber nie aggressiv». Auch von Gesundheitsproblemen Brunners sei ihr nichts bekanntgewesen. Er habe niemals über Herzbeschwerden geklagt. «Das hätte er mir erzählt.»

Wegen Mordes an dem 50-Jährigen müssen sich Markus S. (19) und Sebastian L. (18) verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, den Manager im vergangenen September am S-Bahnhof München-Solln mit Schlägen und Tritten aus Rache getötet zu haben, weil er Schüler vor ihnen in Schutz genommen hatte.



«Er ist schon jemand gewesen, der sich eingemischt hat und versucht hat, zu schlichten», sagte die Ex-Freundin. Sie wisse aber nichts davon, dass er je in eine tätliche Auseinandersetzung verwickelt gewesen sei. Sie habe ihn auch nie so erlebt. Einmal habe er einen Selbstverteidigungskurs besucht, ein bestimmter Anlass dafür sei ihr aber nicht bekannt. «Er war immer ein gewisser Sicherheitsfanatiker.»

Für Brunners Eltern sei der Tod des einzigen Sohnes eine Katastrophe, sagte die Ex-Partnerin. «Für sie ist es eigentlich sinnlos geworden zu leben.» Brunner sei erst kurz vor seinem Tod in das Haus neben ihnen gezogen, um sich besser um sie kümmern zu können.

Brunner starb nicht direkt an den Verletzungen durch Schläge und Tritte, sondern an Herzversagen. Die ersten Rettungskräfte stellten bereits Kammerflimmern fest. Mehr als eine Stunde sei versucht worden, den Manager zu reanimieren, sagte eine 24-jährige Rettungsassistentin.

Auch Stromstöße halfen nicht: Sechsmal sei ein Defibrillator eingesetzt worden. Es sei aber nicht gelungen, einen stabilen Herzrhythmus herzustellen. Brunner sei mangels Sauerstoffzufuhr im Gesicht bereits blau angelaufen, als die Retter eintrafen. Am Hinterkopf habe Brunner eine Wunde gehabt, außerdem habe er geblutet. Um äußerliche Verletzungen hätten sich die Retter in diesem Moment aber nicht vordringlich gekümmert. «Es hätte an der Therapie nichts geändert.» Brunner sei nicht mehr zu Bewusstsein gekommen.

Ein Kollege der Rettungsassistentin berichtete, eine Halsvene sei verstopft gewesen. Er habe das als Zeichen gewertet, dass die rechte Herzkammer nicht mehr arbeitete, sagte der 29-jährige Medizinstudent - er habe ein einseitiges Herzversagen vermutet. Bei der Alarmierung sei nur von Hiebverletzungen die Rede gewesen, deshalb habe er keine derartige Situation erwartet. Schon als die Helfer eintrafen, hätten Brunners Pupillen nicht mehr auf Licht reagiert. «Das ist ein schlechtes Zeichen.»

Brunner habe gerne Sport getrieben, jedoch nicht fanatisch, sondern um sich fit zu halten, berichtete die Ex-Freundin weiter. Deshalb sei er auch Mitte der 90er Jahre zeitweise zum Boxtraining gegangen. Er habe sich um seine Gesundheit gekümmert, er habe lediglich an Allergien gelitten und gelegentlich asthmatische Beschwerden gehabt. Außerdem sei er an den Schultern operiert gewesen.

Sie und Brunner hätten auch nach der Trennung im Jahr 2005 ein sehr gutes freundschaftliches Verhältnis gehabt, sagte die Frau. Gesehen hätten sie sich zwei bis dreimal im Jahr.

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