Weltspiegel
Gesundheit

Die Video-Sprechstunde wird zur Normalität

München (dpa) - Die technischen Möglichkeiten, damit Ärzte Patienten auch ohne persönlichen Kontakt behandeln können, haben sich in den vergangenen Jahren rasant entwickelt. Das ärztliche Berufsrecht hat für eine Fernbehandlung bislang enge Grenzen gesetzt. Das ändert sich jetzt.

Arbeitsministerin Ursula von der Leyen: Unternehmen sollen ihre Mitarbeiter besser vor Stress durch Computer und Smartphones schützen. Foto: Patrick Pleul
Fernbehandlungen per Video-Sprechstunde kann es in Zukunft öfter geben. Foto: Patrick Pleul
Patienten in Deutschland werden sich bald leichter behandeln lassen können - davon ist zumindest Katharina Jünger überzeugt. Sie ist Geschäftsführerin der Münchner Firma Teleclinic, die Video- und Telefonsprechstunden mit organisiert, bei denen Ärzte ohne direkten Kontakt zu Patienten Diagnosen stellen und Therapien empfehlen. Ein Pilotprojekt in Baden-Württemberg soll das Ganze vorantreiben. Jünger ist überzeugt, dass sich die Idee schnell ausbreiten wird: «Wir brauchen nicht diskutieren, ob es das geben soll, sondern das wird es einfach geben, das ist der Lauf der Dinge.»

Dass Ärzte per Telefon oder auch per Videokonferenz Patienten beraten, ist nichts Neues. Aber bislang mussten die Mediziner laut den Berufsordnungen der Ärztekammern vor oder nach einer solchen Fernbehandlung persönlichen Kontakt zu ihren Patienten haben, wenn sie ihre Leistungen abrechnen wollten. Diese Einschränkung hat die Landesärztekammer Baden-Württemberg aufgehoben. Seit dem Jahreswechsel können zunächst Privatpatienten über ein Pilotprojekt, an dem Teleclinic beteiligt ist, Behandlungen abwickeln, ohne mit einem Patienten je in einem Raum gewesen zu sein. Im Frühjahr soll das Projekt auf Kassenpatienten ausgeweitet werden.

Teleclinic-Geschäftsführerin Jünger räumt ein, dass sich nicht alle Krankheiten aus der Ferne behandeln lassen. Aber viele Gesundheitsprobleme ließen sich gut per Telefon und Videokonferenz besprechen. Ein Arzt könne auch aus der Ferne ein Rezept ausstellen; im Rahmen des Pilotprojekts soll dieser Service erprobt werden. Patienten können dann am Smartphone oder Computer eine Apotheke in ihrer Nähe auswählen, an die der Arzt das Rezept schickt. Der Patient kann noch am selben Tag das Medikament abholen.

Bei den Ärztekammern will man sich der Entwicklung nicht mehr in den Weg stellen. «Das ist der Realität geschuldet, aber auch der Erwartungshaltung gerade unserer jungen Patienten», sagt Bayerns Kammerpräsident Max Kaplan, der auch Vizepräsident der Bundesärztekammer ist. Er erwartet, dass die Delegierten beim Deutschen Ärztetag im Mai in Erfurt die berufsrechtlichen Regeln so ändern, dass Fernbehandlungen bald wesentlich leichter möglich sein werden.

Kaplan warnt allerdings davor, die Bedeutung von Online-Sprechstunden zu überschätzen: «Man darf nicht glauben, dass eine solche Behandlung den persönlichen Kontakt komplett ersetzt.»

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