Bistum machte Sexualtäter zu Internatsleiter
Mainz (dpa) - Einen vorbestraften Sexualtäter hat das Bistum Mainz in den 1970er Jahren wieder auf Schüler losgelassen. Der Sozialarbeiter, der Jungen in einem Internat im hessischen Bensheim sexuell missbraucht haben soll, wurde in Bayern wegen des Missbrauchs von Schutzbefohlenen verurteilt.
Der Mann wurde 1973 als Internatsleiter eingestellt und bekam 1974 von einem bayerischen Amtsgericht die Bewährungsstrafe, bestätigte ein Sprecher des Bistums Mainz am Freitag Informationen des Hessischen Rundfunks (hr).
Der Mann sei nicht entlassen worden, da dies damals im Öffentlichen Dienst erst dann möglich gewesen sei, wenn eine Verurteilung zu über einem Jahr erfolgte. Kommentieren wollte der Sprecher das damalige Verhalten des Bistums zunächst nicht. Dass gegen den damaligen Internats-Leiter in Bayern Ermittlungen liefen, sei dem Bistum erst nach dessen Einstellung bekanntgeworden.
Der Sozialarbeiter soll in Bensheim in den 70er Jahren Schüler sexuell missbraucht und misshandelt haben. Gegen einen Priester, der an der Einrichtung tätig war, besteht der Verdacht der Misshandlung. Beide sollen Schüler aus nichtigen Anlässen massiv geprügelt haben. Das Knabenkonvikt war ein Internat für Schüler, die ein Gymnasium in Bensheim besuchten. 1981 wurde es aus wirtschaftlichen und pädagogischen Gründen geschlossen. Der Leiter schied den Angaben zufolge 1979 aus dem Dienst des Bistums aus.
Nach Bekanntwerden der Vorwürfe hatte sich das Bistum tief betroffen gezeigt und allen Opfern angemessene Hilfe und Begleitung angeboten. «Die Faktenlage ist schwierig», betonte der Bistumssprecher am Freitag. Betroffene sollten sich melden.