Weltspiegel
Kriminalität

Bericht: Bewegendes Gedenken an Amokopfer

Winnenden (dpa) - Gespenstische Stille liegt über der Albertville-Realschule, während leise rieselnder Schnee die Kleinstadt Winnenden in eine weiße Decke hüllt. In einer Halle gegenüber der Schule versammeln sich am Donnerstagmorgen rund 900 Schüler, Lehrer und Hinterbliebene zum stillen Gedenken.

Hinter verschlossener Tür und ohne Medienrummel hängen die Trauernden ihren Erinnerungen an die getöteten Kinder, Freunde und Lebenspartner nach.

Acht Schülerinnen, ein Schüler und drei Lehrerinnen wurden genau vor einem Jahr von einem früheren Schüler der Realschule erschossen, bevor der Amokläufer auf seiner Flucht drei weitere Menschen und sich selbst tötete. Am Jahrestag des fürchterlichen Geschehens sind in ganz Baden-Württemberg an öffentlichen Gebäuden die Fahnen auf Halbmast gesetzt - die Landesregierung hat Trauerbeflaggung angeordnet. 300 Polizisten sind in Winnenden im Einsatz, viele von ihnen in ziviler Kleidung.

Jedem einzelnen Toten sind bei der Gedenkfeier Bildersequenzen aus seinem Leben gewidmet, die für die Trauergemeinde auf einer großen Videoleinwand gezeigt werden. Der Raum ist abgedunkelt, es werden Gedichte vorgetragen. Immer wieder ist ein Schluchzen zu hören. Ein «Lebensbaum» wird mit Symbolen für die Toten geschmückt - ein Herz, eine Sonne, ein Stern, ein Fußball, eine Katze und ein Notenschlüssel. Der Baum soll später auf dem Schulgelände seinen Platz finden.

Kurz vor 9.33 Uhr verlassen die Trauernden noch immer abgeschirmt von der Öffentlichkeit die Halle. Es ist der Zeitpunkt, als vor einem Jahr das Blutbad in der Schule begann. Die Trauergemeinde bildet eine Menschenkette. Minutenlang sind nur Vogelstimmen zu hören. Tief bewegt sagt Regierungsschuldirektor Wolfgang Schiele kurz danach: «Es war ohne jede Aktion, außer mit vielen, vielen Tränen und Worten, die man nicht gefunden hat.» Nachdenklich fügt er hinzu: «Es war ein Stück Abschluss des Geschehens, aber auch ein Blick in die Zukunft.»

In ganz Winnenden läuten die Kirchenglocken. Auf den Straßen bleiben die Menschen stehen, blicken zu Boden und schweigen. Die ganze Stadt hält für einen Moment inne. Nicht wenige falten die Hände. Drei junge Mädchen fallen sich schluchzend in die Arme. Kurze Zeit später wird auf dem Markt wieder Kohl verkauft. «Es muss ja weitergehen», sagt ein Marktbesucher.

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