Weltspiegel
Kriminalität - Nachbarschaftsstreit mögliche Ursache für Blutbad mit 8 Toten

Amoklauf in der Slowakei: "Noch kein klares Motiv"

Wien/Bratislava (dpa) - Ein Nachbarschaftsstreit könnte möglicherweise der Auslöser für das Blutbad in Bratislava gewesen sein. Ein 48-jähriger Mann hatte am Montagvormittag bei einem Amoklauf in der slowakischen Hauptstadt sieben Menschen und sich selbst getötet.

Beim Amoklauf in der slowakischen Hauptstadt Bratislava kamen sieben Menschen ums Leben. FOTO: DPA
Beim Amoklauf in der slowakischen Hauptstadt Bratislava kamen sieben Menschen ums Leben. FOTO: dpa
Die meisten seiner Opfer kamen aus derselben Roma- Familie, neben der er wohnte. Ob die Tat zusätzlich noch einen rassistischen Hintergrund hat, war am Dienstag noch unklar. Die slowakische Regierung ordnete für Donnerstag einen Tag nationaler Trauer an.

»Wir haben noch kein klares Motiv«, sagte der slowakische Innenminister Daniel Lipsic. Es gebe aber keinen Beweis, dass der Amoklauf einen rassistischen Hintergrund habe. Seine späteren Taten auf der Straße - nach dem Mord an der Familie - sprächen dagegen: »Er schoss auf alles, was sich bewegte - unabhängig von der Hautfarbe.« Ein Angehöriger der Opfer sagte der slowakischen Zeitung »Sme daily« aber, der Mann sei Roma-feindlich gewesen.

Nach Angaben der Polizei heißt der Täter Lubomir Harman und war 48 Jahre alt. Er gehörte zu einer Vereinigung von Militärreservisten, war Mitglied in einem Schützenverein und wurde vorher noch nie straffällig. Die Tatwaffen - eine Maschinenpistole und zwei Gewehre - waren legal in seinem Besitz. Der Amokläufer war aber entgegen erster Berichte weder Berufssoldat noch Polizist.

Nachbarn beschrieben den allein lebenden Mann nach Angaben der Behörden als Einzelgänger. Er sei freundlich, ruhig und zuverlässig gewesen, sagte der slowakische Polizeipräsident Jaroslav Spisiak am Dienstag. Verwandte und Freunde aus dem Schützenverein sagten, dass sie ihn nie als gefährlich oder aggressiv empfanden. Dem widersprachen aber Nachbarn in Medienberichten.

Mit der Roma-Familie lebte der Mann nach Berichten er auf derselben Etage und hatte ein angespanntes Verhältnis zu ihr. Die Opfer - eine Großmutter, ihre beiden Töchter, einer der Ehemänner und ein 12-jähriger Enkelsohn - hätten rege soziale Kontakte gepflegt, sagte Spisiak: »Sie sind hinein- und hinausgelaufen, feierten Parties und der Täter war ihre Nachbar.« Auch nach Auskunft von Nachbarn war die Familie etwas laut. Die Kindergärtnerin des Bezirks beschrieb die Opfer als »arme, aber ehrbare Familie«.

Der Täter war am Montag gegen 10 Uhr morgens mit Gehörschutz und den drei Waffen in einen Wohnblock im Stadtteil Devinska Nova Ves gestürmt und hatte dort sechs Mitglieder der Roma-Familie getötet. Auf seiner Flucht auf einer belebten Straße schoss er weiter wild um sich. Dabei tötete er eine weitere Frau und schließlich sich selbst. Bürger von Bratislava hielten Montagnacht eine Mahnwache für die Opfer des Blutbades und stellten am Tatort Kerzen auf.

Die Volksgruppe der Sinti und Roma ist mit acht Millionen Menschen die größte Minderheit in Europa. Fast überall stehen Sinti und Roma unter Druck, ihre traditionelle Lebensweise aufzugeben, zudem sind sie rassistischen Übergriffen ausgesetzt. Nach Schätzungen von Amnesty International leben in der Slowakei etwa 370 000 Roma.

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