Parteien

Zu wenig Kohle für Kanzler? Viel Kritik an Steinbrück

Berlin (dpa) - SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hält deutsche Regierungschefs für unterbezahlt und stößt damit parteiübergreifend auf Kritik. «Nahezu jeder Sparkassendirektor in Nordrhein-Westfalen verdient mehr als die Kanzlerin» hatte der SPD-Politiker der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung» («FAS») gesagt.

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück: «Nahezu jeder Sparkassendirektor in Nordrhein-Westfalen verdient mehr als die Kanzlerin». Foto: Christian Charisius/ Archiv
SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück: «Nahezu jeder Sparkassendirektor in Nordrhein-Westfalen verdient mehr als die Kanzlerin». Foto: Christian Charisius/ Archiv
«Ein Bundeskanzler oder eine Bundeskanzlerin verdient in Deutschland zu wenig - gemessen an der Leistung, die sie oder er erbringen muss und im Verhältnis zu anderen Tätigkeiten mit weit weniger Verantwortung und viel größerem Gehalt.» Ähnlich hatte Anfang November auch SPD-Parteichef Sigmar Gabriel argumentiert.

Nicht nur in der Union, sondern auch in der eigenen Partei regte sich deutlicher Widerspruch. Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) findet «die Politiker in Deutschland angemessen bezahlt». Er habe davon immer leben können, sagte er der «Bild am Sonntag». «Und wem die Bezahlung als Politiker zu gering ist, der kann sich ja um einen anderen Beruf bemühen.»

Der Bundestagsabgeordnete Dieter Wiefelspütz befand in der «FAS»: «Wenn wir Politiker uns an den Gehältern in der Wirtschaft orientieren, dann machen wir einen Fehler.» Sein Kollege Hans-Peter Bartels riet Steinbrück in der Zeitung, sich eher am öffentlichen Dienst zu orientieren. Als Kanzler wirken zu können, sei eine Ehre. «Man macht es nicht, um reich zu werden.» Ähnlich äußerten sich der Haushaltspolitiker Carsten Schneider und Schleswig-Holsteins SPD-Chef Ralf Stegner.

Der Parlamentsgeschäftsführer der Unionsfraktion, Michael Grosse-Brömer (CDU), befand das Kanzlergehalt zwar gemessen an der Verantwortung ebenfalls für «sehr niedrig». Aber: «Beschwerden darüber hat man von der Bundeskanzlerin selbst bisher jedenfalls nicht gehört», sagte er der Zeitung. Umso erstaunlicher sei Steinbrücks Klage.

Das Bundeskabinett hatte im Mai für sich die erste Gehaltsanhebung seit zwölf Jahren beschlossen, und zwar in drei Stufen. Nach einem ersten Erhöhungsschritt erhält die Kanzlerin derzeit 16 684 Euro Gehalt und eine reduzierte Abgeordnetendiät von 3969 Euro zuzüglich 4045 Euro Aufwandsentschädigungen als Kanzlerin (1023 Euro) und Abgeordnete (3022 Euro). Das Kanzleringehalt steigt zum Januar in einem weiteren Schritt um 1,2 Prozent, auch die Diät wird dann erhöht.

Steinbrück nahm auch Bundestagsabgeordnete gegen Kritik an ihren Diäten in Schutz. Diese arbeiteten fast sieben Tage die Woche, durchschnittlich 12 bis 13 Stunden. Sie seien gemessen an ihrer Leistung nicht überbezahlt. «Manche Debatte, die unsere Tugendwächter führen, ist grotesk und schadet dem politischen Engagement.»

Der SPD-Kanzlerkandidat, der wegen seiner hohen Nebeneinnahmen durch Vorträge in der Kritik steht, bezeichnete sein Verhältnis zum Geld als «rein instrumentell». Es habe Zeiten gegeben, in denen er sehr wenig Geld gehabt habe. «Heute bin ich, jedenfalls aus der Sicht vieler Menschen, ein vermögender Sozialdemokrat. Aber Geld löst bei mir keine erotischen Gefühle aus.»

Seite versenden
 

Das könnte Sie auch interessieren
Regionen

Wählen Sie Ihre Region

Karte mit einzelnen Regionen Tübingen Reutlingen Pfullingen Eningen Lichtenstein Über der Alb Neckar und Erms

Börsengang soll Zalando bis zu 633 Millionen Euro bringen

Zalando ist auf Kurs für den größten Technologie-Börsengang in Deutschland seit der Jahrtausendwende. Foto: Bodo Marks/Symbol

Frankfurt/Main (dpa) - Der Online-Modehändler Zala... mehr»

Hollande: Frankreich beteiligt sich an Luftangriffen auf IS-Miliz

Paris (dpa) - Frankreich beteiligt sich an den US-... mehr»

Bericht: Putin soll Einmarsch in EU als Option genannt haben

Wladimir Putin wurde mit den Worten zitiert, russische Truppen könnten in zwei Tagen nicht nur in Kiew, «sondern auch in Riga, Vilnius, Tallinn, Warschau oder Bukarest sein». Foto: Michael Klimentyev/Archiv

Brüssel/Washington (dpa) - Russlands Präsident Wla... mehr»

Zwei Babyleichen in Schließfach im Hamburger Hauptbahnhof

Lübeck/Hamburg (dpa) - Zwei tote Babys hat die Pol... mehr»

Poroschenko bittet USA um Waffen - «Neuer kalter Krieg»

Washington (dpa) - Der ukrainische Präsident Petro... mehr»

Land

Muslime beten für den Frieden und gegen Gewalt

Nah beieinander und doch weit entfernt: christliche Kirche und Moschee.  FOTO: DPA
Mit einem Aktionstag wollen die Islamverbände auch im Südwesten verhindern, dass Extremisten die Deutungshoheit über ihre Religion gewinnen.
lesen »
Privatsphäre

Apple startet Datenschutz-Offensive

Konzernchef Tim Cook will mit dem Thema Daternschutz auch Punkte gegen Rivalen wie Google sammeln. Foto: Monica Davey
Apple will sich mit einem besseren Schutz der Privatsphäre von der Konkurrenz abheben und verweigert Behörden den Zugriff auf seine iPhones und iPads.
lesen »
Land

Sensible Daten der Polizei in Karlsruhe geklaut

Ein Polizeiwagen im Einsatz Foto: Roland Weihrauch/Archiv
Aus dem Privatwagen eines Polizisten haben Diebe einen Computer entwendet, auf dem sensible Informationen der Einsatzkräfte gespeichert waren.
lesen »