Politik
Konflikte

Westliche Journalisten in Syrien getötet

Kairo/Beirut (dpa) - In der seit Wochen heftig umkämpften syrischen Oppositionshochburg Homs sind bei einem Granatenangriff zwei westliche Journalisten getötet worden.

Der französische Fotoreporter Rémi Ochlik im Einsatz. Er wurde bei einem Granatenangriff in Homs getötet. Foto: Julien de Rosa
Der französische Fotoreporter Rémi Ochlik im Einsatz. Er wurde bei einem Granatenangriff in Homs getötet. Foto: Julien de Rosa
Die US-amerikanische Kriegsreporterin und der französische Fotograf hatten nach Angaben von Aktivisten in dem Stadtteil Baba Amro ein Medienzentrum der Regime-Gegner besucht, als das Gebäude attackiert wurde. Zwei weitere Journalisten, ein Brite und eine Französin, seien bei dem Dauerbeschuss des Viertels verletzt worden. Zunächst war von drei Verletzten die Rede.

Bei den Getöteten handelt es sich um die US-Amerikanerin Mary Colvin, die für die britische «Sunday Times» tätig war, und den für die Agentur IP3 Press arbeitenden französischen Fotoreporter Rémi Ochlik. Die französische Tageszeitung «Le Figaro» bestätigte, dass ihre Reporterin Edith Bouvier unter den Verletzten ist. Ein Journalist aus Großbritannien soll ebenfalls verwundet worden sein. «Das ist absolut erschütternd», kommentierte der französische Kulturminister Frédéric Mitterrand die Berichte aus Homs.



Der britische Premierminister David Cameron würdigte bei einer Rede im Parlament Colvins Einsatz. Ihr Tod mache erneut die Risiken deutlich, die Journalisten auf sich nähmen, um über die furchtbaren Ereignisse in Syrien zu berichten, sagte er. Oppositionsführer Ed Miliband sagte, die journalistische Gemeinde habe «eines ihrer feinsten und furchtlosesten Mitglieder» verloren.

Oppositionelle hatten eine Gruppe von Journalisten vor zwei Tagen nach Baba Amro eingeschleust, um ihnen die Berichterstattung aus der Hochburg der Protestbewegung zu ermöglichen, wie Aktivist Omar Homsi der Nachrichtenagentur dpa sagte. Das Regime von Baschar al-Assad hat seit Beginn der Massenproteste vor fast einem Jahr eine Medienblockade verhängt. Ausgewählte ausländische Journalisten dürfen nur mit Aufpassern des Informationsministeriums durch das Land reisen. Bei den jüngsten Attacken auf das seit Wochen belagerte Baba Amro starben nach Meldungen von Aktivisten insgesamt 22 Menschen.

Bereits im Januar war in Syrien der französische Journalist Gilles Jacquier ums Leben gekommen. Er wurde bei einem Mörserangriff in Homs getötet, als er in Begleitung staatlicher Aufpasser ein Viertel von Anhängern Assads besucht hatte. Die syrischen Behörden machten damals «bewaffnete Terroristen» für den Angriff verantwortlich. Die Oppositionsbewegung versicherte, dass der Journalist nicht bei einem Angriff von Deserteuren aus der syrischen Armee ums Leben gekommen sei. Die französische Justiz leitete ein Ermittlungsverfahren wegen vorsätzlicher Tötung ein.

Das Rote Kreuz hatte am Morgen noch einmal seine Forderung nach einer Waffenruhe bekräftigt. «Die gegenwärtige Situation macht eine sofortige Entscheidung nötig, die Kämpfe aus humanitären Gründen auszusetzen», erklärte der Präsident des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Jakob Kellenberger, in Genf. In Homs und anderen Gebieten Syriens «sitzen ganze Familien seit Tagen in ihren Häusern fest, ohne nach draußen zu können, um Brot, andere Nahrung oder Wasser besorgen oder medizinische Hilfe bekommen zu können», erklärte er.

Russland warnte unterdessen davor, die Opposition in Syrien mit Waffen auszurüsten. «Das führt nur zu einer Aufheizung der Lage», sagte Vizeaußenminister Gennadi Gatilow am Mittwoch in Moskau. Russland lehne weiter jede Form von Gewalt ab, betonte er mit Blick auf die Konferenz der Freunde Syriens an diesem Freitag in Tunesien. Ein Beschluss über eine militärische Einmischung des Westens in Syrien sei dort aber nicht zu erwarten. Zugleich kritisierte Gatilow, dass zu dem Treffen keine Vertreter der syrischen Regierung eingeladen seien.

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