Wahlen

Wahlkampf: Welche Plakate Top und welche Flop sind

STUTTGART. Fünf Sekunden maximal. Länger fängt im Schnitt kein Wahlplakat den Blick der Wähler. Gute Bilder, wenig Text - diesen Rat von Experten haben für die Landtagswahl längst nicht alle Parteien beherzigt. Manche haben sogar fatale Fehler gemacht.

FOTO: dpa
Die Grünen haben alles richtig gemacht, die CDU zumindest einiges - die SPD hingegen vieles falsch. Zum Start des Straßenwahlkampfs hat der Stuttgarter Kommunikationsprofessor Frank Brettschneider von der Uni Hohenheim die Plakate und Slogans unter die Lupe genommen.

GRÜNE: »Durchgängig richtig klasse« sind aus Sicht des Experten die Plakate der Grünen. Allein die Bildsprache sei hervorragend: nicht überfrachtet, sympathische und schnell begreifbare Bilder, Grün als wesentliches Gestaltungselement. Viele Landesthemen würden abgedeckt, aktuell kritische Themen wie die Migration nicht ausgelassen. Mit dem Slogan »Grün wählen für Kretschmann« versuche die Partei von der Beliebtheit ihres Spitzenkandidaten Winfried Kretschmann (Grüne) zu profitieren. Über Sprüche wie »Regieren ist eine Stilfrage«, »Dem Land verpflichtet« oder »Menschlich und mutig handeln« würden dem Ministerpräsidenten positive Attribute wie Augenmaß, Menschlichkeit und Tatkraft zugeschrieben. »Die Grünen haben die mit Abstand besten Plakate«, sagt Brettschneider.

CDU: »Am 13. März - Guido Wolf« - wissend, dass selbst CDU-Anhänger Kretschmann besser bewerten als CDU-Spitzenkandidat Wolf, sei der Slogan nicht gut gewählt, so Brettschneider. »Hier wäre es besser gewesen, die CDU stärker hervorzuheben - und nicht den Kandidaten.« Ansonsten mache aber auch die CDU vieles richtig: Vom Aufbau seien die Plakate gut, das Orange garantiere Wiedererkennung. Ein kleiner Fauxpas sei jedoch das schreiende und mit Spinat bekleckerte Kind samt dem Spruch »Auch in der Schule: Qualität statt Einheitsbrei«. Brettschneider: »Ein schreiendes Kind wirkt eher abstoßend.« Außerdem sei das Kind nicht mit Brei, sondern mit Spinat bekleckert. Mit Straßenbau, Bildung, Familie und Sicherheit setze die Union aber auf die Themen, in denen sie als kompetent gelte. Fazit: »Richtige Themen, aber teilweise nicht zweckmäßige Bildwahl und Personalisierung.«

SPD: So viel wie die Grünen richtig gemacht haben, so viel hat die SPD aus Sicht des Experten falsch gemacht. Der Partei verschenke die Chancen, die Plakate böten. »Es handelt sich überwiegend um wirkungslose Plakate.« Zwar bringe man mit Arbeit, Familie und Bildung die Themen, die mit der SPD verbunden würden - sie hätten aber stärker visualisiert werden müssen. Und da wo auf Bilder gesetzt werde, werde es zu umständlich: Da reicht eine alte Hand einer jungen einen Apfelschnitz. Dort lasse sich nur schwer die Botschaft der Solidarität unter den Generationen herauslesen. Auch das Großplakat mit Vize-Ministerpräsident Nils Schmid sei nicht gelungen. »Schmid ist weder besonders beliebt, noch wird er mit irgendeinem Thema oder Attribut verbunden.« Sowohl dem Slogan »Baden Württemberg. Leben« als auch »Nils Schmid. Stark im Team« fehle die Botschaft.

FDP: »Der nächste Schritt für unsere Land«, lautet der Slogan der FDP. »Aber wohin soll der führen?«, fragt Brettschneider. Richtig überzeugend sei das nicht. »Der nächste Schritt kann ja auch in den Abgrund führen.« Mit den schrillen Neonfarben erzeuge die Partei sicher Aufmerksamkeit, ob die Plakate aber immer der FDP zugeordnet werden, bleibt fraglich«, so der Kommunikationswissenschaftler. Vermutlich funktionierten die hippen Plakate eher in der Partyzone der Stuttgarter Theodor-Heuss-Straße - »aber auch auf dem Land in Schwieberdingen?«. Unglücklich seien zudem die reinen Textplakate mit schwierigen Begriffen wie »Datenhighway« oder Sprüchen wie »Es heißt Fahrzeug und nicht Stehzeug«. Brettschneider: »Das ist zu verkopft.«

AfD: Als »nicht schlecht gemacht« stuft der Experte die Plakate der AfD ein. In Blau gehalten und mit immer gleichen Aufbau ermöglichten sie eine Wiedererkennung. Vom Windkraftausbau über TV-Gebühren bis zum Freihandelsabkommen TTIP würden Themen angesprochen, die zwar nur zum Teil landespolitisch sind, über die sich aber stets ein Teil der Menschen aufregt. Brettschneiders Fazit: »Die Plakate sind klar auf Protestwähler ausgerichtet.« Wer dieses Ziel verfolge, habe handwerklich bei den Plakaten vieles richtig gemacht.

LINKE: Zu viele Botschaften versuche Die Linke an den Wähler zu bringen. »Es handelt sich überwiegend um überfrachtete Plakate«, urteilt Brettschneider. Damit verschenke die Partei die Chancen, die Plakate böten. »Zu unruhige Bilder, zu viel Text.« Zwar seien die gewählten Themen die, mit denen man die Partei verbinde, allerdings schaffe der Betrachter in den fünf Sekunden kaum ein Drittel des Plakats zu erfassen. Der Spruch »Bden-Wrttmberg - Hier fehlt doch was?« sei zwar witzig und errege Aufmerksamkeit, doch wer das Spiel mitmache, komme auf die fehlenden Buchstaben a, ü, e und e - »und welche Botschaft soll das dann sein?«, fragt Brettschneider. (dpa)

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