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Stuttgart 21: Job-Motor oder Beschäftigungs-Flop?

STUTTGART. Startschuss für "Stuttgart 21": Nach dem Spatenstich für das Bahn-Großprojekt am Dienstag wird die Landeshauptstadt für viele Jahre zur Riesenbaustelle. Hauptbahnhof und Gleisanlagen werden unter die Erde verlegt, zahlreiche Wohnbauprojekte schießen aus der Erde, die Neubaustrecke zwischen Wendlingen und Ulm steht an. Doch wer wird das alles bauen?

Welche Unternehmen bekommen von der Bauherrin Deutsche Bahn einen Zuschlag? Zum Baubeginn von "Stuttgart 21" versuchen Experten einzuschätzen, wie viele Arbeitskräfte am Ende das Milliarden-Vorhaben umsetzen werden. Wird die Bahn-Baustelle ein Beschäftigungs-Flop oder zum Job- Motor für die Region?

"Durch die geplanten Baumaßnahmen werden rund 7000 neue Arbeitsplätze entstehen", beziffert "Stuttgart 21"-Sprecher Wolfgang Drexler die Job-Prognose. Damit seien wirklich alle kurz- und längerfristigen Beschäftigungen gemeint, die beim Tunnelbau, über die Installation von Signalanlagen bis zum Innenausbau des Bahnhofgebäudes entstehen würden. Weitere 4000 Arbeiter benötige man im Anschluss für den Städtebau. "So viele werden etwa nach Abschluss der Bahnhofsbauarbeiten für den Wohnungsbau gebraucht", sagt Drexler.

Für das Bauhauptgewerbe rechnet die Landesvereinigung Bauwirtschaft Baden-Württemberg durch "Stuttgart 21" und die Neubaustrecke Wendlingen-Ulm mit rund 4000 neuen Jobs. "Wir sind zuversichtlich, dass die Großbaustelle für Beschäftigung sorgt", sagt der Geschäftsführer der Bauvereinigung Dieter Diener. Die Prognose sei realistisch. Nach oben korrigieren könne man diese Zahlen immer noch. Was nach der achtjährigen Bauphase 2019 im Wohnungsbau passiere, sei derzeit für den Verband noch nicht abschätzbar.

Diesen Zahlen steht der am Samstag gewählte Landesvorsitzende des DGB Baden-Württembergs, Nikolaus Landgraf, skeptisch gegenüber. "Ich glaube nicht an die vielen Arbeitsplätze", sagt Landgraf. "Ich würde es mir wünschen, dass es so viele tausend Arbeitsplätze sind, aber ich sehe das so nicht". Weil wenige Generalunternehmer schon die überwiegende Arbeit beim Tunnelbau übernehmen würden, sei da wenig Potenzial für neue Jobs. "Das sind Spezialisten im Tiefbau aus der Schweiz und Österreich." Aus seiner Sicht kämen mittelständische Betriebe im Land überwiegend dann zum Zuge, wenn sie als Subunternehmer infrage kämen. Solche Subunternehmer könnten aber dann wieder in größeren Einheiten aus dem Ausland kommen.

Von sogenannten Nachunternehmen aus den Ostblockländern sieht Diener hingegen keine Gefahr ausgehen. "Diese Billiglohnunternehmen seien wesentlich im Wirtschafts- und Geschosswohnungsbau angesiedelt", sagt der Geschäftsführer der Bauvereinigung. Nachdem jedoch etliche Firmen aus anderen Bundesländern bereits vor Jahren im Hinblick auf "Stuttgart 21" ein Standbein Richtung Landeshauptstadt ausgestreckt haben, sei hier in der Tat nicht abzusehen, wer am Ende zum Vertragspartner werde. Eine Chance sieht Diener für mittelständische Unternehmen vor allem bei Gleisbauanlagen, wo auch schon Aufträge vergeben wurden.

Einig sind sich Diener und Landgraf hinsichtlich der bevorstehenden Ausschreibungspraxis der Deutschen Bahn. "Die Größe bei den Ausschreibungslosen wird entscheidend dazu beitragen, wer die Chance auf einen Auftrag überhaupt bekommt", sagt Diener. "Die Bahn hat bereits öffentlich versichert, die Ausschreibungen entsprechend zu stückeln". Beim Tunnelbau mache dies keinen Sinn, in anderen Bereichen werde man die Vorgehensweise der Bahn überprüfen. Auch Landgraf ist überzeugt, dass die Bahn mit den Auftragsvolumina Maßstäbe setzt. "Wir werden der Bahn auf die Finger schauen, mit wem sie Geschäfte macht", sagt der DGB-Landesvorsitzende.

In seiner Funktion als DGB-Chef für Baden-Württemberg will Landgraf nachhaltig Arbeitnehmer vor Dumpinglöhnen schützen: "Ich habe da vor allem bestimmte Subunternehmer im Blick". Er werde alles dafür tun, dass sich die beauftragten Betriebe an Tarifverträge und Mindestlöhne halten. Straßenbau, Tief- und Tunnelbau seien da weniger betroffen als der Wirtschafts- und Hochbau. Man habe schon beim Bau der Messe Stuttgart gesehen, dass nicht einmal der Zoll vor Ort manche Arbeitgeber abschrecken kann.

Auch die Landesvereinigung Bauwirtschaft werde sich einmischen. "Wir werden das Vergabeverfahren durch die Bauherrin Deutsche Bahn beobachten und statistisch erfassen", sagt der Landesgeschäftsführer der Bauvereinigung. Am Ende bleibe eine Übersicht, wer wie viel am Bau beteiligt war. Der Hauptverband Deutsche Bauindustrie und der Bundesverband mittelständischer Bauunternehmen wollen mit der Bahn am 17. Februar eine Informationsveranstaltung in Berlin geben. Bei dieser Gelegenheit sollen mittelständige Unternehmen erfahren, wie sie an Aufträge heran kommen können. "Für eine solche Veranstaltung haben wir die Anfragen auch schon verschickt", sagt Diener. (dpa)

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Für das Bauhauptgewerbe rechnet die Landesvereinigung Bauwirtschaft Baden-Württemberg durch "Stuttgart 21" und die Neubaustrecke Wendlingen-Ulm mit rund 4000 neuen Jobs. "Wir sind zuversichtlich, dass die Großbaustelle für Beschäftigung sorgt", sagt der Geschäftsführer der Bauvereinigung Dieter Diener. Die Prognose sei realistisch. Nach oben korrigieren könne man diese Zahlen immer noch. Was nach der achtjährigen Bauphase 2019 im Wohnungsbau passiere, sei derzeit für den Verband noch nicht abschätzbar.

Diesen Zahlen steht der am Samstag gewählte Landesvorsitzende des DGB Baden-Württembergs, Nikolaus Landgraf, skeptisch gegenüber. "Ich glaube nicht an die vielen Arbeitsplätze", sagt Landgraf. "Ich würde es mir wünschen, dass es so viele tausend Arbeitsplätze sind, aber ich sehe das so nicht". Weil wenige Generalunternehmer schon die überwiegende Arbeit beim Tunnelbau übernehmen würden, sei da wenig Potenzial für neue Jobs. "Das sind Spezialisten im Tiefbau aus der Schweiz und Österreich." Aus seiner Sicht kämen mittelständische Betriebe im Land überwiegend dann zum Zuge, wenn sie als Subunternehmer infrage kämen. Solche Subunternehmer könnten aber dann wieder in größeren Einheiten aus dem Ausland kommen.

Von sogenannten Nachunternehmen aus den Ostblockländern sieht Diener hingegen keine Gefahr ausgehen. "Diese Billiglohnunternehmen seien wesentlich im Wirtschafts- und Geschosswohnungsbau angesiedelt", sagt der Geschäftsführer der Bauvereinigung. Nachdem jedoch etliche Firmen aus anderen Bundesländern bereits vor Jahren im Hinblick auf "Stuttgart 21" ein Standbein Richtung Landeshauptstadt ausgestreckt haben, sei hier in der Tat nicht abzusehen, wer am Ende zum Vertragspartner werde. Eine Chance sieht Diener für mittelständische Unternehmen vor allem bei Gleisbauanlagen, wo auch schon Aufträge vergeben wurden.

Einig sind sich Diener und Landgraf hinsichtlich der bevorstehenden Ausschreibungspraxis der Deutschen Bahn. "Die Größe bei den Ausschreibungslosen wird entscheidend dazu beitragen, wer die Chance auf einen Auftrag überhaupt bekommt", sagt Diener. "Die Bahn hat bereits öffentlich versichert, die Ausschreibungen entsprechend zu stückeln". Beim Tunnelbau mache dies keinen Sinn, in anderen Bereichen werde man die Vorgehensweise der Bahn überprüfen. Auch Landgraf ist überzeugt, dass die Bahn mit den Auftragsvolumina Maßstäbe setzt. "Wir werden der Bahn auf die Finger schauen, mit wem sie Geschäfte macht", sagt der DGB-Landesvorsitzende.

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