Politik
KOMMENTAR - Deutsch-französischer Gipfel

Spitzenpolitiker sind lernfähig

VON CHRISTOPH IRION

Als Nicolas Sarkozy 2007 in den Élysée-Palast einzog, da machten sich einige Beobachter Sorgen um die für Europa so wichtige deutsch-französische Freundschaft. Sarkozy, der seinen Einstand ins Präsidentenamt mit Freunden aus dem Showbiz im Nobelhotel »Fouquet's« feierte und anschließend auf der Yacht eines Industriellen seinen Kater auskurierte, galt nicht gerade als Deutschland-Fan. Und wie es hieß, war Kanzlerin Angela Merkel nicht angetan von dem großspurigen Polit-Hallodri mit Skandal-Image aus Paris.

Doch Spitzenpolitiker sind lernfähig. Und die Öffentlichkeit auch. Nicht zuletzt hat die Staatsschulden-Krise das Duo »Merkozy« zum Euro-Rettungsteam zusammengeschweißt. Und alle Welt erwartet, dass die Achse Berlin- Paris Europa trägt. Doch die Liebesschwüre, mit denen sich Merkel und Sarkozy jetzt gegenseitig ihre »Bewunderung« ausdrückten, erschienen dann doch etwas dick aufgetragen.



Doch sie meinen es ernst. Denn es geht nicht nur um die Zukunft Griechenlands und Europas, sondern um Machterhalt: Noch drei Monate bleiben Sarkozy bis zur Präsidentschaftswahl. Und sein sozialistischer Herausforderer François Hollande liegt derzeit weit vorn - mit einem Vorsprung von 15 Prozentpunkten. Hier erklärt sich auch Merkels Treue. Sie hat Sarkozy, »egal, was er tut«, bedingungslose Wahlkampfhilfe zugesagt. Denn das Kanzleramt kann sich Hollande derzeit nur schwer als Partner vorstellen: Seinen Wählern hat er versprochen, wichtige EU-Verträge neu zu verhandeln - darunter den Sparpakt, mit dem Merkel die Eurokrise meistern will.

christoph.irion@gea.de



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