Israel-Reise

Kretschmann hofft auf Frieden in Nahost

Von Bettina Grachtrup, dpa

JERUSALEM. Niemand rechnete damit, dass 1989 in Berlin die Mauer fallen würde. Frieden zwischen Palästinensern und Juden scheint ebenfalls unwahrscheinlich. Doch es gibt Projekte, die Hoffnung machen.

Winfried Kretschmann bummelt durch die Altstadt von Bethlehem.
Winfried Kretschmann bummelt durch die Altstadt von Bethlehem. FOTO: dpa
In Berlin ist die Mauer schon lange weg - in der Palästinenserstadt Bethlehem ist sie noch Realität: Israel hat sie entlang der Grenze zur Westbank und um Jerusalem gebaut. Wer von den palästinensischen Gebieten nach Israel und umgekehrt will, muss streng bewachte Checkpoints passieren. »Der Vorteil von Mauern ist: Die fallen irgendwann«, meint Bundesratspräsident Winfried Kretschmann (Grüne). Doch danach sieht es derzeit nicht aus. Zu tief sind die Gräben zwischen Israelis und Palästinensern. Am Donnerstag reiste US-Außenminister John Kerry in die Region, um den seit langem ins Stocken geratenen Friedensprozess wieder in Gang zu bringen.

Für deutsche Politiker ist ein Besuch in Israel wegen der NS-Vergangenheit mit der Ermordung von sechs Millionen Juden schon immer eine Gratwanderung gewesen. In den politischen Gesprächen mit der einen wie der anderen Seite ist viel Fingerspitzengefühl gefragt, um keine diplomatischen Krisen auszulösen.

Kretschmann ist noch bis zu diesem Samstag als Bundesratspräsident und somit als einer der höchsten Repräsentanten Deutschlands im Nahen Osten unterwegs - und hat dabei die Aufgabe, für eine gute Atmosphäre zu sorgen. »Ohne Atmosphäre gelingt mal gar nichts in der Politik«, sagte er denen, die mehr erwartet hatten. Kretschmann redete mit Politikern beider Seiten, mit Vertretern palästinensischer Menschenrechtsorganisationen und Überlebenden des Holocausts.

Der baden-württembergische Ministerpräsident wählte seine öffentlichen Worte mit Bedacht, las seine Reden überwiegend ab, bewegte sich dabei inhaltlich auf der offiziellen Linie der Bundesrepublik - und schwieg im Zweifel zu heiklen Themen.

So wollen die EU und auch Deutschland, dass Produkte aus israelischen Siedlungen in der Westbank nur dann als »Made in Israel« ausgewiesen werden dürfen, wenn sie nicht etwa auch in israelischen Siedlungen in den besetzten Gebieten hergestellt wurden. In der israelischen Presse wird diese Kennzeichnungspflicht als weiterer Versuch dargestellt, Israel unfair zu behandeln - es stehen von israelischer Seite auch Boykottvorwürfe im Raum.

»Es geht um Verbraucherschutz - dass da, wo Israel draufsteht, auch Israel drin sein muss«, erklärte Kretschmann vor Journalisten. Befragt dazu, wie die korrekte Auszeichnung denn seiner Meinung nach aussehen solle, sagte er fest: »Die Frage beantworte ich nicht.« Die Ausgestaltung der entsprechenden Richtlinie sei Sache der Europäischen Kommission.

Den israelischen Gesprächspartnern versprach er, dass Deutschland an der Seite Israels stehe, aber nur eine Verhandlungslösung mit dem Ziel zweier Staaten endlich Frieden in die Region bringen könne. Den Palästinensern sicherte er Unterstützung in ihrem Bemühen um einen eigenen Staat zu - und macht ihnen Mut auf diesem schwierigen Weg.

Mitri Raheb, evangelisch-lutherischer Pfarrer, führte Kretschmann durch die engen und geschichtsträchtigen Gassen von Bethlehem. Raheb ist palästinensischer Araber. Für ihn gleicht die Westbank einem Emmentaler - die Israelis hätten den Käse und die Palästinenser die Löcher. »Die Mauer wird fallen. Ich weiß nicht, wann«, meinte Raheb, der in Deutschland studierte. Auch er habe nie geglaubt, dass die Mauer in Berlin verschwinde. Und als sie fiel, habe er nie im Traum daran gedacht, dass woanders eine Mauer entstehen könnte.

Dass ein friedliches Miteinander möglich ist, zeigt neben vielen anderen auch ein Projekt des Unternehmers Stef Wertheimer. Auf Initiative des deutschstämmigen Israelis und des Landes Baden-Württemberg wurden bei Nazareth in der historischen Landschaft Galiläa acht Feinmechaniker zu Meistern ausgebildet - nach deutschen Standards. Ob Araber oder fromme Jude - sie alle hielten am Freitag stolz ihre Meisterbriefe in der Hand. »Wer etwas besitzt und etwas zu verlieren hat, streitet weniger«, ist Wertheimer überzeugt. Yoram Ben Simon, einer der acht neuen Meister, sagt, wer woher komme und welcher Religion er angehöre, spiele keine Rolle. »Es gibt hier keinen Unterschied zwischen Juden und Arabern.« (dpa)

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