Gesellschaft

Kabinett beschließt Gesetzentwurf für mehr Lohngerechtigkeit

Auskunftsanspruch

Berlin (dpa) - Nach langem Streit in der großen Koalition hat das Kabinett den Gesetzentwurf für mehr Lohngerechtigkeit zwischen Männern und Frauen beschlossen.

Bundesministerin Manuela Schwesig befürwortet das neue Gesetz für mehr Lohngerechtigkeit. Foto: Stefan Sauer
Bundesministerin Manuela Schwesig befürwortet das neue Gesetz für mehr Lohngerechtigkeit. Foto: Stefan Sauer
Kern ist die Einführung eines Auskunftsanspruches: Arbeitnehmer in Betrieben mit mehr als 200 Beschäftigten sollen das Recht erhalten, Angaben über die Bezahlung einer Vergleichsgruppe zu erhalten. Damit sollen vor allem Frauen Benachteiligungen erkennen und dagegen vorgehen können.

Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) begrüßte die Verabschiedung als «Durchbruch». Die bestehende Lohnlücke von 21 Prozent sei ungerecht, sagte sie. «Deshalb brauchen wir dieses Gesetz». Damit werde auch die Unternehmenskultur verändert. Die neue Regelung betreffe 14 Millionen Männer und Frauen. In Unternehmen mit Betriebsrat soll dieser das Recht auf Auskunft umsetzen.

Rund 4000 Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten sollen zudem regelmäßig über den Stand der Gleichstellung und der Entgeltgleichheit berichten. 6300 Betriebe werden aufgefordert, entsprechende Prüfverfahren einzuführen. Zwei Jahre war an dem Entwurf gearbeitet worden, seit einem Jahr hatte die Koalition darüber zäh verhandelt.

Schwesig nannt als wichtigste Ursache der Lohnungleichheit die «Teilzeitfalle», in die viele Mütter gerieten. Das Gesetz sei Teil einer Gesamtstrategie, zu der auch ein Rückkehrrecht von Teilzeit in Vollzeitbeschäftigung gehöre. Aber auch ohne den Faktor Teilzeit und die Tatsache, dass etwa in schlecht bezahlten Pflegeberufen besonders viele Frauen arbeiten, beträgt die Lohnlücke nach Angaben des Ministeriums immer noch sieben Prozent.

Deutschlands Arbeitgeber halten das geplante Gesetz für unnötig und belastend. «Trotz wichtiger Korrekturen bleibt das Gesetz mit neuem Auskunftsanspruch, Regelungen über Prüfverfahren, Berichtspflichten, neuen Verfahren für den Betriebsrat und die Tarifvertragsparteien bürokratisch und erreicht nicht das Ziel, bessere Karrierechancen für Frauen zu schaffen», sagte Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer.

Die SPD-Ministerin forderte eine zügige Beratung, damit das Gesetz möglichst bald in Kraft treten kann. Die Union, die sich lange gegen das Gesetz gesperrt hatte, begrüßte Änderungen am ursprünglichen Entwurf, kündigte aber eine weitere Überprüfung der Praxistauglichkeit im parlamentarischen Verfahren an. Der Deutsche Gewerkschaftsbund DGB unterstützt den Entwurf grundsätzlich, forderte aber, für Betriebe mit mehr als 500 Beschäftigten betriebliche Prüfverfahren verbindlich vorzuschreiben.

Das könnte Sie auch interessieren
Regionen

Wählen Sie Ihre Region

Karte mit einzelnen Regionen Tübingen Reutlingen Pfullingen Eningen Lichtenstein Über der Alb Neckar und Erms
Aktuelle Beilagen
Die GEA-Kampagne

200 Jahre Fahrrad

Geschichten, Messe, Touren, Gewinnspiel: Der 200. Geburtstag des Fahrrads wird  gefeiert, und der GEA ist mit einer großen Kampagne dabei
Geschichten, Touren, Hintergründe: Der 200. Geburtstag des Fahrrads wird gefeiert, und der GEA ist mit einer großen Kampagne dabei.
lesen » www.gea.de/fahrrad
Ampelbaustelle

Zufahrt Metzingen zur B 28 zeitweise offen

B 28 Ermstal. Archivfoto. FOTO: RITTGEROTH
Seit Montag lässt das Regierungspräsidium Tübingen (RP) an der Kreuzung zwischen der B-28-Ausfahrt Metzingen Stadtmitte und der K 6714 Metzingen-Eningen eine »Lückenampel« installieren und verspricht sich davon eine Verbesserung der Verkehrssicherheit an der unfallträchtigen Kreuzung.
lesen »

Ferkel stehen auf neues Spielzeug

Ein sieben Wochen altes Ferkel tobt durch den Stall. Foto: Friso Gentsch

Urbana (dpa) - Nicht nur Kinder, auch Ferkel bevor... mehr»

Rettungsdienst bestätigt 123 Tote bei Tanklaster-Explosion

Islamabad (dpa) - Mindestens 123 Menschen sind bei... mehr»

Deutsche Bauern nach Krisenjahren wieder zuversichtlich

Ein Traktor auf einem Acker in Mecklenburg-Vorpommern. Bei Deutschlands Bauern wächst wieder die Zuversicht. Foto: Jens Büttner

Berlin (dpa) - Bei den deutschen Bauern wächst nac... mehr»

Syrer kehren in vom Krieg zerstörtes Aleppo zurück

Damaskus (dpa) - Ein halbes Jahr nach dem Ende der... mehr»

«Blaues Auge» für U21: Halbfinale trotz 0:1-Niederlage

Nach dem Spiel verließen die deutschen Spieler mit hängenden Köpfen den Platz. Am Ende reichte aber auch die knappe Niederlage zum Weiterkommen. Foto: Jan Woitas

Krakau (dpa) - Auf den ersten Frust über die Niede... mehr»

Kriminalität

Laut Stadverwaltung und Polizei ist Tübingen sicher

Wie sicher ist eine Stadt? Gefühl und Statistik kommen oft zu unterschiedlichen Ergebnissen.
Wie sieht es mit der Sicherheit in Tübingen aus? Darüber diskutierten bei der einer SPD-Veranstaltung im Tübinger Kupferbau die Erste Bürgermeisterin Christine Arbogast, der Leiter des Polizeireviers Martin Zerrinius, und Rita Haverkamp, Stiftungsprofessorin für Kriminalprävention an der Uni Tübingen.
lesen »
Mitarbeiter gesucht!
  • Stellenanzeigen werden geladen...