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Hauks Pläne für weniger Gift auf Feldern reichen Naturschützern nicht

Von Roland Böhm, dpa

Stuttgart (dpa/lsw) - Alle reden über das umstrittene Glyphosat - Agrarminister Peter Hauk will aber den Einsatz aller Pflanzenschutzmittel auf ein Mindestmaß reduzieren. Naturschützer vermissen jedoch konkrete Ziele.

FOTO: dpa
Agrarminister Peter Hauk (CDU) hat einen Plan zur Reduzierung von Gift in der Landwirtschaft vorgelegt. «Wir wollen Pflanzenschutz weniger und zielgerichtet einsetzen», sagte Hauk der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. Neben dem verstärkten Einsatz sogenannter Nützlinge gegen Schädlinge will Hauk bei der Unkrautbekämpfung mehr auf digitale Technik setzen. Zudem sollen neue Prognosemodelle Landwirten helfen, weniger Glyphosat und Co. einsetzen zu müssen.

Naturschützer sind enttäuscht: Hauks drei Punkte seien maximal Bausteine einer Strategie zur Pestizidreduzierung auf den Feldern, sagte Johannes Enssle, Landeschef des Naturschutzbundes Nabu. Ein großer Wurf brauche aber konkrete Ziele, wie viel Gift bis wann reduziert werden solle. Die Giftigkeit der eingesetzten Mittel gehe weiter rauf, Pestizide seien eindeutig eine Hauptursache für den Rückgang der Artenvielfalt in der Agrarlandschaft. So ein Plan benötige eine Erfolgskontrolle, etwa die Reduzierung bis 2025 um die Hälfte. «Aber heute wissen wir ja nicht mal genau, wie viele Pestizide wo eingesetzt werden.»

Ähnlich reagierte der Pestizidexperte der Grünen-Bundestagsfraktion, Harald Ebner, aus Schwäbisch-Hall: Ohne konkrete Ziele und Auflagen werde das Ganze nicht funktionieren. «Wir brauchen jetzt handfeste Schritte mit klaren regulatorischen Vorgaben hin zum Glyphosat-Ausstieg und zur deutlichen Reduktion von Pestiziden insgesamt», sagte Ebner. «Wir werden Hauk beim Wort nehmen und seinen Plan prüfen, denn jetzt muss auch geliefert werden.»

Ein Landwirt brauche auch mehr Hilfe, betonte Nabu-Chef Enssle: «Was kann er machen, bevor er zur Spitze greift?» Dass die Landwirte stets an der Reduzierung von Pflanzenschutzmitteln aus Gründen der Wirtschaftlichkeit, des Umwelt- und des Naturschutzes interessiert seien, hieß es beim Landesbauernverband (LBV). «Diese Einstellung entspricht ihrem Berufsethos und ihrem Bestreben, den Boden als Grundlage ihres Betriebes in ordentlichem, fruchtbaren Zustand an die nächste Generation weiterzugeben», hieß es in einer Stellungnahme.

Der LBV begrüße die Pläne des Ministers als «richtige und wichtige Eckpunkte», hieß es. Im Kern geht es darum, Verfahren zu entwickeln, die auch kleine und mittleren Betrieben helfen. «Das ist eine Daueraufgabe für Politik, Forschung, Landmaschinenindustrie und Landwirtschaft», erklärte ein Sprecher des Verbandes. Jetzt gelte es, die Pläne zur Reduzierung von chemischen Pflanzenschutzmitteln gemeinsam mit der Landwirtschaft anzugehen und etwa die Anschaffung neuer Technik gezielt zu fördern. «Die Landwirte arbeiten mit und nicht gegen die Natur.»

«Kartoffeln, Raps oder Weizen werden immer einjährige Monokulturen bleiben, in denen sich Schädlinge ausbilden», sagte Hauk. «Und die kann man mit Nützlingen bekämpfen.» Einige Gewächshäuser im Land, etwa im Hegau, arbeiteten ausschließlich mit Nützlingen, sagte der Minister. Schlupfwespen könnten gegen Maiszünsler eingesetzt werden, bestimmte Viren gegen den Apfelwickler und Blattlausschlupfwespen könnten den Einsatz von Gift bei Gemüse verhindern. Nützliche Pilze gebe es, nützliche Fadenwürmer ebenso.

Hilfe könne auch von oben kommen, erklärte Hauk: «Früher hat man die Kartoffeln mühselig gehackt. Heute ist es möglich, Unkraut von einem GPS-gesteuerten Schlepper zielgenau entfernen zu lassen.» Auch auf solche Mittel müsse man verstärkt setzen. «Die Digitalisierung hilft uns so bei einer umweltfreundlicheren Bewirtschaftung.» Helfen sollen Hauk zufolge auch neue Prognosemodelle, die entwickelt werden müssen, um die Pflanzen gezielter nur dann vor Schädlingen zu schützen, wenn es auch tatsächlich notwendig ist.

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