Trendsport - Geocacher und Forstbehörden geraten immer öfter aneinander. Das Ministerium ist aber offen für Neues

Geocaching: Krach im Unterholz

VON MAXIMILIAN KRONES

STUTTGART. Dass steigende Technologisierung und Digitalisierung nicht immer zu Bequemlichkeit führen, beweist der Trendsport Geocaching. Dieses Hobby ist garantiert nichts für Stubenhocker oder Bewegungsmuffel. Per GPS-Gerät machen sich moderne Schatzsucher auf, um die Verstecke, man nennt sie auch »Caches«, zu finden. Dabei geht es weniger um den Inhalt der Schatztruhen, als um den Fund an sich.

Ein Geocache mit Kennzeichnung. Hinweis auf den Inhaber und die Homepage geocaching.com. FOTO: KRONES
Ein Geocache mit Kennzeichnung. Hinweis auf den Inhaber und die Homepage geocaching.com. FOTO: KRONES
Das Ganze ähnelt einer Schnitzeljagd. Oft müssen Rätsel gelöst werden, um die »Caches« zu entdecken. Denn das GPS (Global Positioning System) ist zwar bis auf wenige Meter genau, die Verstecke können sich aber in Baumkronen oder gar am Meeresboden befinden. Der Fantasie der Geocacher sind keine Grenzen gesetzt.

Auf einschlägigen Internetportalen gelangt man schnell zu Karten, auf denen die »Caches« angezeigt werden. Immer mit Schwierigkeitsgrad und dem Nicknamen des Anlegers. So kann zurückverfolgt werden, wer den »Cache« angelegt hat. Immer wieder gebe es nämlich Probleme mit Behörden und Grundbesitzern, da viele »Caches« auch auf Privatgrundstücken angebracht seien, sagt Thomas Deines, Mitarbeiter beim Ministerium für Ländlichen Raum. Die Verstecke befinden sich aber verhältnismäßig selten in den Städten, viel öfter zieht es die Geocacher in die Natur und insbesondere in den Wald. Was sich eigentlich gut und nachvollziehbar anhört, birgt bei näherem Betrachten aber erhebliches Konfliktpotenzial.

»Das Konfliktpotenzial ist in besonderem Maße ausgeprägt«
 

Gute Verstecke im Wald gibt es viele: Höhlen, hohle Bäume, Felswände, Baumwipfel oder das Unterholz. Das Problem dabei: Diese Verstecke sind oftmals bewohnt. So sind Höhlen wichtiger Lebensraum für Fledermäuse, Felswände dienen oft als Brutstätte für Vögel ebenso wie Baumhöhlen. Die Biotope der Wälder können durch Geocacher massiv gestört werden, erklärt Deines. So geraten Jäger, Förster oder Naturschützer immer öfter mit Geocachern aneinander. In Naturschutzgebieten gelte ein Wegerecht, das die Besucher des Waldes verpflichtet, den Weg zu nutzen. In Wäldern ohne Naturschutzgebiet sei die Handhabe liberaler. Um dem »in besonderem Maße ausgeprägten Konfliktpotenzial« vorzubeugen, hat das Ministerium ein Arbeitspapier auf seiner Homepage veröffentlicht. Darin zeigt sich die Behörde grundsätzlich offen gegenüber der Trendsportart, verweist aber auf Gefahren und erwähnt auch die nächtlichen Geocaches. Die sind laut Deines vor allem für nachtaktives Wild ein Problem. Die Stirnlampen und Reflektoren scheuchen das Wild auf. Auch Jägern sollen die nächtlichen Aktivitäten zu schaffen machen. In der Dunkelheit können die umherziehenden Cacher auch leicht mit Wildschweinen verwechselt werden. Eine Verwechslung, der ein Schuss folgt, wäre fatal.

Die Schatzsucher zeigen sich zum großen Teil aber einsichtig, so Deines. Nur eine kleine Gruppe bleibe uneinsichtig, aber die gebe es ja überall. Die Forstbeamten überprüfen laut Deines laufend die Internetportale um neue, problematische »Caches« zu entdecken, um dann den Anleger ausfindig zu machen. Dieser müsse den »Cache« dann in geeigneteres Terrain verlegen. Geocaching ist nicht das erste Hobby, das den Wald für sich entdeckt hat, es gebe nur keine zentrale Anlaufstelle für Forstbehörden, wie etwa bei Wanderern der Schwäbische Albverein. Durch seine Organisation über das Internet sei Geocaching sehr dezentral angelegt – fehlende Ansprechpartner sind die Folge.

Deines ist dem Hobby aus den USA positiv zugetan und sieht darin einen Weg, den Menschen »einen neuen Zugang zur Natur« zu verschaffen. Dies müsse aber in Einklang mit der Umgebung geschehen. Erste Naturparks würden zum Beispiel umweltverträgliche Caches anlegen, um diesen Zugang mitgestalten zu können. Das Arbeitspapier des Ministeriums fordert zudem »Spielregeln«, damit der Wald weiter rücksichtsvoll genutzt wird.

»Hält man sich an die Wege, ist man aus dem Schneider«
 

Im Reutlinger Raum kommen Forstbehörden und Geocacher entgegen dem Trend steigender Konflikte aus anderen Regionen, wie beispielsweise dem Schwarzwald, aber hervorragend miteinander aus. Seit 2005 habe es keinen Zwischenfall gegeben, berichtet Mathias Kiess vom Kreisforstamt Reutlingen. Auch bei den Jägern sei das Zusammentreffen mit Geocachern konstruktiver und kooperativer Natur. »Da ist viel Augenmaß im Spiel«, sagt Kiess. Die Geocacher halten sich zum größten Teil an die Wege, »damit ist man eigentlich schon aus dem Schneider«, erklärt er. Auch hier verweist man auf die Verwechslungsgefahr der Geocacher mit Wild bei Nacht oder in der Dämmerung. Sonst aber sei das Hobby den Behörden willkommen. (GEA)



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