Schaulaufen

Gauck wird in Stuttgart mit Lob überhäuft

STUTTGART. Der Bundespräsidenten-Kandidat Joachim Gauck hat für seinen Auftritt im Stuttgarter Landtag parteiübergreifend großes Lob eingeheimst. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) nannte die Rede des früheren DDR-Bürgerrechtlers am Dienstag »imponierend«. »Er wird uns viele Anstöße und Anregungen geben«, ist sich Kretschmann sicher. Da er von CDU, SPD, Grünen und FDP unterstützt wird, werde er als neuer Bundespräsident immer wieder anecken. »Aber wir wollen uns über ihn wundern.«

Joachim Gauck (rechts), der Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten wird am Dienstag in Stuttgart im Landtag vom Landtagspräsidenten Guido Wolf (links, CDU) begrüßt.
Joachim Gauck (rechts), der Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten wird am Dienstag in Stuttgart im Landtag vom Landtagspräsidenten Guido Wolf (links, CDU) begrüßt. FOTO: dpa
Vor seinem Auftritt vor den Wahlleuten aus dem Südwesten sagte Gauck, er sehe in dem engagierten Bürgertum im Südwesten ein Vorbild für die Menschen im Osten. »In diesem Land gefällt mir besonders die Bürgerkultur.« Der 72-Jährige fügte hinzu: »Das ist das, wovon ich träume, dass wir das auch im Osten haben.« Die Bürgerproteste gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21 wollte Gauck nach der Volksabstimmung nicht weiter bewerten. »Das Volk hat gesprochen. Da braucht Bürger Gauck nicht mehr zu sprechen.«

Der frühere Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU) zeigte sich nach der Rede vor etwa 100 Zuhörern im Landtag »beeindruckt« von Gaucks Rede zum Thema Freiheit. »Hier spricht ein Mensch mit einer großen Lebenserfahrung in einem totalitären System, der das alles verarbeitet hat.« Teufel sagte voraus, dass der 72-Jährige ein unbequemer Bundespräsident sein werde. »Alle, die jetzt begeistert sind, werden nicht über alles, was er sagt, begeistert sein.«

CDU-Fraktionschef Peter Hauk berichtete, Gauck habe in seiner Ansprache ein klares Bekenntnis zur repräsentativen Demokratie abgelegt. Zwar solle es mehr Mitwirkungsrechte für die Bürger geben. »Doch dem Schweizer Modell hat er eine klare Absage erteilt.« Kretschmann sagte, Gauck sei zwar gegenüber der direkten Demokratie skeptisch, aber auch offen eingestellt. Die grün-rote Landesregierung in Baden-Württemberg will die Hürden für Volksabstimmungen absenken.

Justizminister Rainer Stickelberger (SPD) empfand es als »wohltuend«, dass Gauck nicht diese glatte Politikersprache pflege. Der ehemalige DDR-Bürgerrechtler habe klargemacht, dass für ihn das sowieso häufig diskutierte Thema soziale Gerechtigkeit in dieser relativ wohlhabenden Gesellschaft nicht im Vordergrund stehe. Gauck leite Gerechtigkeit eher von der Freiheit ab - jedem Menschen müsse die Teilhabe an der Gesellschaft ermöglicht werden. »Ich habe da viel Sozialdemokratisches erkannt«, sagte Stickelberger.

Gauck tritt an diesem Sonntag gegen die als Nazi-Jägerin bekannte Journalistin Beate Klarsfeld an. Klarsfeld war von der Linken nominiert worden. 79 Delegierte reisen auf Vorschlag des Landtags von Baden-Württemberg bei der Abstimmung nach Berlin. (dpa)

Das könnte Sie auch interessieren
Regionen

Wählen Sie Ihre Region

Karte mit einzelnen Regionen Tübingen Reutlingen Pfullingen Eningen Lichtenstein Über der Alb Neckar und Erms
USA

Chefin der US-Demokraten kündigt Rücktritt an

Parteichefin Debbie Wasserman Schultz hat ihren Rücktritt angekündigt. Foto: Michael Reynolds
Kurz vor Beginn des Parteitages in Philadelphia hat ein Skandal um massive Voreingenommenheit des Parteivorstandes im Vorwahlkampf die US-Demokraten erschüttert.
lesen »
Formel 1

Die Lehren aus dem Großen Preis von Ungarn

Lewis Hamilton hat die WM-Führung von Teamkollege Nico Rosberg übernommen. Foto: Tamas Kovacs
Der Machtwechsel in der Formel 1 ist vollzogen. Lewis Hamilton reist als neuer WM-Führender nach Hockenheim, sein Mercedes-Teamkollege Nico Rosberg ist vor dem Heimrennen nur noch Zweiter.
lesen »

»Hungern war gestern«

REUTLINGEN-ROMMELSBACH. Flammender kann ein Plädoy... mehr»

«Noteinsatz» im Olympischen Dorf: Mängel werden behoben

Rio de Janeiro (dpa) - Dank eines Sondereinsatzes ... mehr»

Zahl der Todesopfer nach Amoklauf in Japan auf 19 gestiegen

Yokohama (dpa) - Bei dem Amoklauf in einem Behinde... mehr»

US-Demokraten ringen auf Parteitag verzweifelt um Einigkeit

Philadelphia (dpa) - Der Auftakt des großen Partei... mehr»

Nach Bombenanschlag: CDU-Innenpolitiker fordert «Abschiedskultur»

Berlin (dpa) Nach dem mutmaßlichen islamistischen ... mehr»

Soziales

IW plädiert für Anhebung des Renteneintrittsalters auf 73 Jahre

Laut Daten beziehen Ruheständler so lange Rente wie noch nie zuvor. Foto: Jens Wolf
Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) plädierte für eine Heraufsetzung des Rentenalters. IW-Geschäftsführer Hubertus Bardt sagte der «BILD»-Zeitung, nur so könne verhindert werden, dass die Rentenbeiträge steigen würden und das Rentenniveau weiter als geplant sinken werde.
lesen »
Mitarbeiter gesucht!
  • Stellenanzeigen werden geladen...


Videos
 
02.07.2016