Politik

FDP-Fraktionschefin verteidigt Westerwelle

BERLIN. Die FDP-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Birgit Homburger, hat Außenminister und Parteichef Guido Westerwelle gegen den Vorwurf der Günstlingswirtschaft verteidigt.

Oppositionspolitiker hatten die Kritik im Zusammenhang mit der Auswahl von Westerwelles Begleitung bei Auslandsreisen erhoben. SPD, Grüne und Linke inszenierten "ein durchsichtiges innenpolitisches Spektakel, um ihre eigene Konzeptionslosigkeit zu vertuschen", sagte Homburger der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Samstag). Westerwelle, der am Samstag von einer einwöchigen Südamerika-Reise in Berlin zurückerwartet wurde, setzte sich erneut selbst zur Wehr.

Homburger bescheinigte ihm eine starke Position in seinen beiden Ämtern. Er mache "als Außenminister eine ebenso gute Arbeit wie als FDP-Bundesvorsitzender", sagte sie in ihrer ersten Stellungnahme zu den seit Tagen erhobenen Vorwürfen. Mit ihren Attacken gegen Westerwelle und seine Begleiter nehme die Opposition die dauerhafte Beschädigung der politischen Kultur billigend in Kauf. "Die Opposition muss sich fragen lassen, ob sie sich noch zu den Regeln des demokratischen Umgangs bekennt."

Nach tagelanger Kritik an Westerwelle hatte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ihren Stellvertreter am Freitag ebenfalls in Schutz genommen. Sie gab dem FDP-Chef über eine Sprecherin in einer knappen Erklärung Rückendeckung. Westerwelle zeigte sich zum Abschluss seiner Südamerika-Reise sehr zufrieden - trotz der Vorwürfe. "Die parteipolitischen Attacken der Opposition mögen in Deutschland eine Rolle gespielt haben. Hier bei dieser erfolgreichen Reise haben sie keine Rolle gespielt." Westerwelle war in die Kritik geraten, weil er auf seine Auslandsreisen auch befreundete Geschäftsleute mitnahm.

Der FDP-Chef wertet die Oppositionskritik als Teil des Landtagswahlkampfs in Nordrhein-Westfalen. "Das ist eine durchsichtige Kampagne der Kräfte, die in Nordrhein-Westfalen eine Linksregierung wollen", sagte er dem Magazin "Focus". "Dass dabei nicht einmal vor der Diffamierung von Familienangehörigen zurückgeschreckt wird, ist infam."

Westerwelle wird unter anderem vorgehalten, sein Lebenspartner Michael Mronz könne solche Reisen zur Anbahnung eigener Geschäfte nutzen. Der Event- und PR-Manager Mronz, der auf die Vermarktung von großen Sportereignissen spezialisiert ist, hatte den Vizekanzler nach Südamerika begleitet. In Brasilien finden 2014 die Fußball-WM und zwei Jahre später die Olympischen Spiele statt. Zur Reise-Delegation gehörte auch der Chef eines Unternehmens, an dem Westerwelles Bruder Anteile hält.

Bei der nächsten großen Auslandsreise des Außenministers wird Mronz nicht dabei sein. Der Sportveranstaltungs-Manager kündigte am Freitag in Rio de Janeiro an, auf die Mitreise nach Südafrika im April verzichten zu wollen. Er habe "andere Termine". Mronz wies den Vorwurf zurück, in Südamerika Reise berufliche Interessen verfolgt zu haben. Seine Firma sei "nicht auf solche globalen Events wie die WM oder die Olympischen Spiele" ausgerichtet. Er fügte hinzu: "Ich definiere meinen Beruf nicht über das Amt von Herrn Westerwelle."
Nach Ansicht des SPD-Außenexperten Rolf Mützenich hinterlässt die Reise einen "faden Beigeschmack". "Ich habe den Eindruck, dass Herr Westerwelle es nicht geschafft hat, jeden Anschein von Interessenkollision zu vermeiden und da sind ja wohl Nachfragen erlaubt." Er fügte hinzu: "Das ist ja keine Kaffeefahrt gewesen."

Westerwelle geht davon aus, dass die Kritik sich auch daran entzündet, dass er als Außenminister sich für deutsche Unternehmen einsetzt. In anderen Ländern sei es ganz selbstverständlich, dass sich der Außenminister für die heimische Wirtschaft engagiere, in Deutschland müsse man sich erst daran gewöhnen, sagte er der "Wirtschaftswoche" (Montag). "Der linke Zeitgeist hält Geschäftemachen für fragwürdig. Die Gesellschaft muss sich daran gewöhnen, dass das künftig anders ist." (dpa)

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