Politik
Lesung - Der frühere Ministerpräsident Erwin Teufel stellte bei der Buchhandlung Osiander seine Biografie vor

Ein Leben lang im Dienste der Demokratie

VON WOLFGANG RAIBER

REUTLINGEN. Die Bezeichnung »Landesvater« kam vielen der rund 100 Zuhörer leicht über die Lippen, als ihnen der frühere Ministerpräsident Erwin Teufel am Mittwochabend bei einer Lesung in der Buchhandlung Osiander in Reutlingen von seinen Grundüberzeugungen, seinen Handlungsweisen und den Stationen seines Lebens berichtete. Aber der Autor beschränkte sich nicht auf die Rückschau auf ein langes und erfolgreiches Politikerleben. Das Wort »Ruhestand« kam kein einziges Mal aus seinem Mund - vielmehr waren »Engagement« und »Gestalten« die meistgebrauchten Ausdrücke in der sehr persönlichen Vorstellung seines Werkes.

Eher spontan sei er zu dem Entschluss gekommen, ein Buch über sich zu schreiben, gestand der 70-jährige in der ihm eigenen Bescheidenheit. Ganz bewusst habe er jedoch der im Herder-Verlag erschienen Autobiografie den Titel »Gewissen für das Ganze« gegeben, angelehnt an den großen Tübinger Philosophen und Pädagogen Eduard Spranger. Den Ausschlag habe eine Diskussion mit Schülern der Oberstufe eines Gymnasium gegeben, in der das große Interesse der Jugend an der jüngeren Geschichte offenkundig geworden sei.

»Ich habe die Erfahrung gemacht, dass offenbar viel zu wenig erzählt wird und von einer Generation zur nächsten zu wenig Erlebnisse, Geschichte und Erfahrungen vermittelt werden«, schreibt Teufel in seinem Vorwort. Er habe sich auch aus Dankbarkeit darüber zu dem Buch entschlossen, »dass ich zu der ersten Generation gehöre, die nicht in einen Krieg ziehen musste«.

Der CDU-Politiker schlägt in seinem Buch den Bogen von den ersten Kindheitserinnerungen bis hin zu seiner Zeit als Regierungschef, gibt tiefe Einblicke in die ethisch-moralischen Grundsätze seines politischen Handelns.

Und er schreibt den Polit-Akteuren deutliche Worte ins Stammbuch: »Politik ist heute vielfach zur Darstellungskunst verkommen. Nicht Inhalte sind wichtig, sondern Verpackung, Infotainment - also die Meinung: Alles lässt sich nur noch verbreiten, wenn es als Unterhaltung geboten wird. Politik aber ist eine ernste Sache. Sie kann nicht bloße Taktik zur Erringung oder zur Erhaltung der Macht sein. Sie muss sich an langfristigen Zielen orientieren.« Dem ist nichts hinzuzufügen. (GEA)


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