KOMMENTAR - Streiks in Griechenland
Der Tanz auf dem Vulkan
VON ROLAND BENGEL
Dass die Griechen das Leben gerne genießen, das kann man bereits daran ablesen, dass sie gerne zu einem Gläschen Ouzo, dem griechischen Anis-Fenchel-Schnaps, greifen. Und ebenso führte uns - im Roman und im Film - ein gewisser Alexis Sorbas vor, was schiere Lebensfreude auf der Insel ausmacht: Das Leben lieben und den Tod nicht fürchten - selbst dann, wenn die Welt aus den Angeln zu brechen droht.
Allen wirtschaftlichen Katastrophen zum Trotz gleicht auch der derzeitige Streik in Griechenland einem Tanz auf dem Vulkan. Es geht faktisch nichts mehr: Der öffentliche Dienst ist komplett im Ausstand, es fahren weder Züge noch Fähren, Flugzeuge bleiben auf den Rollfeldern stehen, Banken sind geschlossen, Schüler und Lehrer bleiben zu Hause, selbst Arztpraxen und Krankenhäuser arbeiten nur mit einer Notbesetzung. Viele Straßen gleichen Kriegsfeldern, auf denen sich Polizisten und Demonstranten regelrechte Straßenschlachten liefern. Kann sich Griechenland das leisten? Mit einem Wort: nein.
Griechenland steht am Rand des Abgrunds. Die Staatsverschuldung ist viel höher, als sich das die meisten Griechen ausmalen wollen. Der Regierung bleibt deshalb gar nichts anderes übrig, als die Steuern zu erhöhen, und ein radikales Sparprogramm durchzudrücken. Die Hellenen werden von ihren wirtschaftspolitischen Sünden der Vergangenheit eingeholt. Ein Generalstreik macht alles nur noch schlimmer.
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