Kirche - Katholiken wollen mehr Lebensnähe

Das Kreuz mit dem Sex

ROTTENBURG/BONN. »Weltfremd, unbarmherzig, rückwärtsgewandt und unglaubwürdig« ist die Lehre der Katholischen Kirche – das sagen nicht hartgesottene Atheisten oder Anhänger anderer Glaubensrichtungen, sondern die deutschen Katholiken selbst. Festgestellt hat das zum Beispiel die Bischöfliche Pressestelle der Diözese Rottenburg. Bei dieser verheerenden Bilanz ging es vor allem um kirchliche Lehren zu Sexualität, den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen und um Ehen zwischen Partnern unterschiedlicher Konfessionen.

Papst Franziskus hinterließ eine Botschaft auf dem Anrufbeantworter: «Was treiben wohl die Nonnen, dass sie nicht rangehen können?». Foto: Claudio Peri/Archiv
Papst Franziskus hat weltweit eine Umfrage unter Katholiken zu Ehe, Familie und Sexualität angestoßen.
Tausende Katholiken haben sich allein im deutschen Südwesten an einer von Papst Franziskus angestoßenen Umfrage zu diesen Themen beteiligt. Die allermeisten von ihnen wünschen sich »eine lebensnähere, barmherzigere und in schwierigen Situationen hilfreichere Kirche«. Die Gläubigen empfinden ihre Kirche »zu einem großen Teil als realitätsfern und abweisend«, heißt es in Rottenburg.

Inzwischen ist klar, dass die Katholiken in der gesamten Bundesrepublik ähnlich über die Lehren ihrer Kirche denken wie die gut 2 000 Fragebogenausfüller aus dem Raum Rottenburg-Stuttgart. Die Deutsche Bischofskonferenz hat die Antworten aus den 27 deutschen Diözesen sowie von rund zwanzig katholischen Verbänden und Institutionen ausgewertet und das Ergebnis veröffentlicht.

Lebensferne Sexualmoral

»Die meisten Gläubigen bringen mit der Kirche einerseits eine familienfreundliche Haltung, andererseits eine lebensferne Sexualmoral in Verbindung«, heißt es da. Und weiter: »Das kirchliche Familienbild wirkt auf viele zu idealistisch und lebensfern. Insbesondere die Vorgaben der Kirche zur Sexualmoral und zur Familienplanung, welche nur die natürliche Empfängnisverhütung zulässt, sind nur für sehr wenige Paare relevant.« Gefordert wird unter anderem eine »stärkere Beachtung des einzelnen Menschen als Person und Subjekt in seiner eigenen Verantwortung«. Es komme darauf an, die »zentrale Botschaft des Lebens und des Leibes in einladender Weise zu vermitteln«.

Das Ergebnis der weltweiten Umfrage wird bei der von Papst Franziskus einberufenen außerordentlichen Generalversammlung der Bischöfe im Oktober im Vatikan besprochen. Sie steht unter dem Titel: »Die pastoralen Herausforderungen der Familie im Rahmen der Evangelisierung«. (eks)



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