Tourismus - Mehr als 65 000 Besucher kamen in dieser Saison auf die Klosteranlage Campus Galli in Messkirch

Campus Galli: Die Kirche vom Gerüst befreit

VON OLIVER JIROSCH

MESSKIRCH. Der erste richtig große Meilenstein ist geschafft: Die Holzkirche steht auf dem Campus Galli in Messkirch, jener Klosterstadt, die nach den Plänen aus dem 9. Jahrhundert gebaut werden soll. Und mit den Hilfsmitteln jener Zeit. Also Muskelkraft statt Kran. Mit der Hand am Arm wird gemeißelt, nicht mit dem Presslufthammer.

Klosteranlage Campus Galli Messkirch
Die Handwerker bauen das Gerüst an der eben fertiggestellten Kirche auf dem Campus Galli in Messkirch ab. FOTO: Oliver Jirosch
Im April 2013 begann die Truppe um den Aachener Historiker Bert Guerten nach einigen Jahren der Vorplanung. Hütten wurden gebaut. Unterstände, damit die Handwerker ihre Arbeit überhaupt erst aufnehmen konnten. Steine wurden behauen, Bäume zu Balken oder zu Schindeln verarbeitet, aus Fasern von Baumrinde wurden Seile gedreht, um die Bretter zu verbinden oder sie zu fixieren. Mit Eisennägeln wurde damals schließlich noch nicht gearbeitet.

Etwa 20 festangestellte Handwerker sind auf der Baustelle beschäftigt. Viele von ihnen haben ihre Jobs in »normalen« Handwerksbetrieben aufgegeben, um sich voll und ganz der Klosteranlage zu widmen. Wie etwa der Steinmetz Jens Lautenschlager, der auf die Frage, wie lange er denn vorhat, auf dem Campus Galli zu arbeiten, wie aus der Pistole geschossen antwortet: »Na, bis die Anlage fertig ist.« Veranschlagt sind 40 Jahre.

Am Anfang wurden viele der Campus-Galli-Aktivisten noch milde belächelt. Das Lächeln ist mittlerweile einem anerkennenden Kopfnicken gewichen. Aus einfachen Verschlägen sind stabile Hütten geworden und nun, zum Ende der vierten Saison, ist endlich die große Holzkirche fertig geworden. Die Außenwände sind mit Kalkmörtel verputzt, der Lehmboden ist gestampft, auf ihn wird im kommenden Frühjahr noch ein Estrich-Boden auf Kalkbasis mit viel Ziegelmehl aufgebracht. Genau an der Stelle, an der im April 2013 als erster Arbeitsschritt überhaupt ein Holzkreuz aufgestellt worden war, steht nun ein prächtiger Altar aus selbst behauenen Steinen, der mit einer Platte aus rotem Buntsandstein abgeschlossen wird.

»Das war wirklich ein riesiges Ereignis, alle sind richtig ergriffen vor der Kirche gestanden, als das Gerüst abgebaut wurde und das prächtige Gebäude zum Vorschein kam«, berichtet Thomas Fuhrmann, der als Bauleiter auf der Anlage angestellt ist. Neben den festangestellten Handwerkern standen auch eine ganze Menge freiwilliger Helfer dabei. Denn die melden sich zahlreich in Messkirch. »Im Sommer hatten wir so viele Interessenten, dass wir sogar ein paar wieder wegschicken mussten«, sagt Fuhrmann. Manche helfen ein paar Tage, manche ein paar Wochen und viele kommen auch jedes Jahr wieder.
»Ich bleib hier bis die Anlage fertig ist, notfalls 40 Jahre«
 

Nun am Ende der Saison, als es kalt und nass wurde, da haben sich die Reihen schon gelichtet, da meldeten sich viele Mitarbeiter krank, berichtet der Bauleiter, der Vorschriften des Jahres 2016 einhalten muss, auch wenn er nur mit Hilfsmitteln des 9. Jahrhunderts arbeitet. »Die Berufsgenossenschaft schaut regelmäßig vorbei, etwa ob das Gerüst an der Kirche den Vorschriften entspricht«, so Fuhrmann, der anfügt: »Für die Tiere hier gibt es mehr Vorschriften, wie sie zu halten sind als für die Mitarbeiter hier auf der Baustelle.«

Und je mehr auf der Baustelle zu sehen ist, je mehr die Anlage Gestalt annimmt, desto mehr wird sie zum Besuchermagneten. 65 755 Besucher wurden auf Campus Galli gezählt, als die Anlage Anfang November geschlossen wurde. Das ist eine deutliche Steigerung zu den rund 48 000 im Vorjahr, zu 36 500 im Jahr zuvor und zu 12 200 Besuchern im Auftaktjahr 2013.

Besucherzahlen hoch, Zuschüsse runter – diese für ihn erfreuliche Bilanz zieht Messkirchs Bürgermeister Arne Zwick. Rund 265 000 Euro flossen in diesem Jahr aus dem Stadtsäckel in Richtung Klosteranlage. Im Jahr zuvor waren es noch 300 000 Euro. Gestartet war man mit einer Finanzspritze von 240 000 Euro im Jahr 2013, als dann doch eine ganze Menge unvorhergesehener Kosten auf die Macher der Klosteranlage zukamen, erhöhte die Stadt den Zuschuss im Jahr 2014 auf gut 350 000 Euro.

»Dennoch – der Gemeinderat stand immer fast komplett hinter dem Projekt«, sagt Bürgermeister Zwick dem GEA. Murren gab es auch nicht, als klar war, dass die finanzielle Unterstützung länger andauern würde als ursprünglich angenommen. »Am Anfang sind wir davon ausgegangen, dass wir drei bis vier Jahre, also höchstens bis 2017 finanziell unterstützen müssten. Mittlerweile gehen wir von mindestens 2019 aus«, so Zwick.
»Besucherzahlen hoch, Zuschüsse runter. Das sehen wir gerne«
 

Die Bereitschaft zur Unterstützung sei im Gemeinderat deshalb so groß, weil zum einen ja Fortschritte auf der Anlage zu sehen seien, »wir kriegen ja mit, wie das Projekt Formen annimmt«. Zum anderen haben die steigenden Besucherzahlen auf Campus Galli auch direkte Auswirkungen auf die Wirtschaft in der Stadt. »Klar, es ist nicht so leicht zählbar wie die Besucherzahlen«, so Zwick, »aber Einzelhändler, Gastronomie und auch Übernachtungsbetriebe – sie alle haben deutliche Zuwächse zu verzeichnen.« (GEA)


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Klosteranlage Campus Galli

Klosteranlage Campus Galli Messkirch
FOTO: Oliver Jirosch
 

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