Wahlen

Bei Pariser Anschlag wurde auch eine Deutsche verletzt

Paris (dpa) - Bei dem Terroranschlag auf den Pariser Champs-Élysées ist auch eine Deutsche verletzt worden. Die Frau habe sich zufällig am Tatort aufgehalten, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes. Sie habe ernste Verletzungen, sei aber nicht lebensbedrohlich verletzt worden.

Die Champs-Élysées in Paris wurden weiträumig abgesperrt. Foto: Thibault Camus
Die Champs-Élysées in Paris wurden weiträumig abgesperrt. Foto: Thibault Camus
Der Anschlag am Donnerstagabend erschütterte die Schlussphase der Kampagne zur französischen Präsidentenwahl an diesem Sonntag. Premierminister Bernard Cazeneuve rief die Franzosen auf, sich nicht vom Terror einschüchtern zu lassen. «Nichts darf diesen für unser Land fundamentalen demokratischen Augenblick beeinträchtigen», sagte er am Freitag in Paris. «Es ist unsere Aufgabe, der Angst, der Einschüchterung und der Manipulation, die den Feinden der Republik in die Hände spielen würde, nicht nachzugeben.»

Ein Mann hatte am Donnerstagabend auf dem Prachtboulevard Champs-Élysées im Herzen der Hauptstadt mit einem Sturmgewehr auf Polizisten geschossen und einen Beamten getötet. Zwei weitere Beamte und eine Passantin wurden verletzt. Die Polizei erschoss den Angreifer, die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte die Attacke für sich. Französische Ermittler nahmen drei Personen aus dem familiären Umfeld des getöteten Angreifers in Polizeigewahrsam, um sie zu vernehmen.


Der Anschlag überschattet das Wahlkampffinale vor dem ersten Wahlgang am Sonntag. Die Rechtspopulistin Marine Le Pen kritisierte die Anti-Terror-Politik scharf. Seit zehn Jahren sei unter den Regierungen der Konservativen und der Sozialisten alles getan worden, damit Frankreich den «Krieg» gegen den Terrorismus verliere.

Ihr sozialliberaler Konkurrent Emmanuel Macron sagte zwei für Freitag geplante Kundgebungen in Rouen und Arras an. Die Terroristen wollten die Demokratie stören, «sie wollen, dass die Franzosen der Unvernunft nachgeben und sich spalten», erklärte der 39-Jährige. «Wir müssen dem im Gegenteil Ruhe und Entschlossenheit entgegenstellen.»

Eine am Freitag veröffentlichte und noch vor dem Anschlag erstellte Umfrage sah Macron vorn; die vier aussichtsreichsten Bewerber lagen aber dicht beieinander. An zweiter Stelle folgte Le Pen, deren Umfragewerte zuletzt gesunken waren. Dahinter lagen der Konservative François Fillon und der Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon. Weil Le Pen ein Referendum über die EU-Mitgliedschaft will und auch Mélenchon die Europäische Union hart kritisiert, gilt die Abstimmung als Schicksalswahl für Europa.

Cazeneuve sagte nach einem Treffen des Sicherheitskabinetts im Élyséepalast, in den kommenden Tagen würden mehr als 50 000 Polizisten eingesetzt, um die Abstimmung zu schützen. Auch Spezialeinheiten der Polizei würden in Alarmbereitschaft versetzt. In dem Land gilt nach einer beispiellosen Terrorserie mit mehr als 230 Toten immer noch ein Ausnahmezustand.

Das IS-Sprachrohr Amak benannte den Angreifer als Abu Jussuf al-Beldschiki («Der Belgier»). Die Nachricht konnte zunächst nicht unabhängig auf ihre Echtheit überprüft werden. Sie wurde über die Kanäle verbreitet, über die der IS in der Vergangenheit ähnliche Anschläge für sich beansprucht hat. Nach Informationen der französischen Nachrichtenagentur AFP aus Ermittlerkreisen soll der Angreifer ein 39-jähriger Franzose gewesen sein.

Der Mann sei bereits in der Vergangenheit wegen eines Angriffs auf Polizisten verurteilt worden. Er habe im Jahr 2005 eine 15-jährige Freiheitsstrafe wegen versuchten Totschlags erhalten. Im Februar sei er festgenommen worden, weil er die Absicht gezeigt habe, Polizisten zu töten - er sei aber mangels ausreichender Beweise wieder freigelassen worden.

Französische Sicherheitskräfte waren bereits mehrfach attackiert worden. Im vergangenen Juni wurde ein Polizistenpaar bei Paris ermordet. Vor einem Monat erschossen Soldaten am Pariser Flughafen Orly einen Angreifer.

Zahlreiche Staats- und Regierungschefs kondolierten dem französischen Präsidenten François Hollande wegen des Anschlags. Darunter waren Bundeskanzlerin Angela Merkel, der US-Präsident Donald Trump und die britische Premierministerin Theresa May.

Das könnte Sie auch interessieren
Regionen

Wählen Sie Ihre Region

Karte mit einzelnen Regionen Tübingen Reutlingen Pfullingen Eningen Lichtenstein Über der Alb Neckar und Erms
Aktuelle Beilagen
Die GEA-Kampagne

200 Jahre Fahrrad

Geschichten, Messe, Touren, Gewinnspiel: Der 200. Geburtstag des Fahrrads wird  gefeiert, und der GEA ist mit einer großen Kampagne dabei
Geschichten, Touren, Hintergründe: Der 200. Geburtstag des Fahrrads wird gefeiert, und der GEA ist mit einer großen Kampagne dabei.
lesen » www.gea.de/fahrrad
Parteien

Merkel rückt vom Nein der CDU zur Ehe für alle ab

Ehe für alle: Bundeskanzlerin Angela Merkel wünscht sich eine offene Diskussion. Foto: Michael Kappeler
Bundeskanzlerin Angela Merkel ist vom klaren Nein der CDU zur gleichgeschlechtlichen Ehe abgerückt. Die CDU-Vorsitzende erklärte, sie wünsche sich eine Diskussion, die «eher in Richtung einer Gewissensentscheidung geht».
lesen »

Kleine Taschenlampe brenn'

Mitverantwortung der Niederlande für 350 Srebrenica-Opfer

Den Haag (dpa) - Mehr als 20 Jahre nach den Massak... mehr»

Behörde schaltet 52000 irreführende Nummern ab

Bonn (dpa) - Die Bundesnetzagentur hat die Abschal... mehr»

Ehe für alle: Bald Abstimmung im Bundestag?

Ehe für alle: Bundeskanzlerin Angela Merkel wünscht sich eine offene Diskussion. Foto: Michael Kappeler

Berlin/München (dpa) - Bundeskanzlerin Angela Merk... mehr»

Kieler «Jamaika»-Koalitionsvertrag unterzeichnet

Der CDU-Landesvorsitzende Daniel Günther im Kieler Landtag. Foto: Carsten Rehder

Kiel (dpa) - Der Kieler «Jamaika»-Koalitionsvertra... mehr»

Land

Castor-Schiff wartet in Obrigheim auf Beladung

Die Schubboote «Edda» und «Ronja» für den umstrittenen Ersttransport von Atommüll auf dem Neckar liegen mit dem leeren Transportschiff in Obrigheim am stillgelegten Kernkraftwerk vor Anker.
Für die Rückfahrt werden größere Proteste erwartet, nachdem schon Aktivisten in Gundelsheim mit Transparenten friedlich gegen den geplanten Transport protestiert hatten.
lesen »
Mitarbeiter gesucht!
  • Stellenanzeigen werden geladen...