Politik
Euro-Krise

»Merkozy« fordern Sonderkonto für Athen

Paris/Berlin (dpa) - Deutschland und Frankreich verlieren die Geduld mit Athen und schlagen zur Tilgung der griechischen Schulden ein Sonderkonto vor. Über dieses Sperrkonto, auf das die Regierung in Athen keinen Zugriff hätte, sollten Zinszahlungen des hoch verschuldeten Euro-Landes abgewickelt werden.

Fordern von Griechenland die zugesagten Reformen bedingungslos umzusetzen: Frankreichs Präsident Sarkozy und Kanzlerin Merkel. Foto: Daniel Karmann/Archiv
Fordern von Griechenland die zugesagten Reformen bedingungslos umzusetzen: Frankreichs Präsident Sarkozy und Kanzlerin Merkel. Foto: Daniel Karmann/Archiv
Damit hätten Investoren die Sicherheit, dass sie regelmäßig auch ihre Zinsen bekommen. Diesen Vorschlag unterbreiteten Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Paris.

In deutlichen Worten forderten Merkel und Sarkozy die griechische Regierung und alle Parteien in Athen auf, die zugesagten Reformen bedingungslos umzusetzen und Forderungen der «Troika»-Kontrolleure nach weiteren Einsparungen zu erfüllen. Ansonsten blieben zusätzliche Milliarden-Hilfen weiter blockiert. Ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone sei aber kein Thema, betonten Merkel und Sarkozy nach einem Treffen der Regierungen beider Länder.



«Die Zeit drängt, und deshalb muss schnell etwas geschehen», sagte die Kanzlerin. Für die gesamte Euro-Region stehe viel auf dem Spiel. Es könne keine Einigung geben, wenn die Vorschläge der «Troika» aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) nicht umgesetzt würden. «Sie liegen auf dem Tisch.» In den nächsten Tagen müsse es Fortschritte geben, mahnte Merkel mit Blick auf die Gespräche in Athen, die sich seit Wochen hinziehen. «Ich kann, ehrlich gesagt, auch gar nicht ganz verstehen, worin der Nutzen weiterer Tage liegen soll.»

Auch Sarkozy meinte: «Das Problem Griechenlands muss ein für alle Mal geregelt werden.» Er ermahnte alle griechischen Parteien, die Zeichen der Zeit zu erkennen: «Unsere griechischen Freunde müssen jetzt zu ihrer Verantwortung stehen, indem sie die Reformen verabschieden, zu denen sie sich verpflichtet haben.» Griechenland sollte dem Beispiel von Italiens Regierungschef Mario Monti folgen. Dort gebe es «spektakuläre» Erfolge, sagte der französische Präsident.

Weitere Hilfen würden nicht freigegeben, solange die Entscheidungen nicht getroffen und umgesetzt würden, stellte Sarkozy klar. «Wir waren noch nie so nah vor einer Einigung wie heute.» Ein Scheitern werde nicht ins Auge gefasst. Merkel ergänzte: «Wir wollen, dass Griechenland im Euro bleibt. Das ist unser beider Meinung.»

Die «Troika» erwartet von allen führenden griechischen Parteien klare Zusagen, dass sie Vorgaben wie weniger Mindestlohn und ein Wegfall zusätzlicher Monatsgehälter mittragen. Nur dann sollen neue Finanzhilfen gewährt werden. Ansonsten droht Athen die Staatspleite.

Die Grundidee für das von Merkel und Sarkozy jetzt vorgeschlagene Extrakonto orientiert sich an einem Plan von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) für nationale Tilgungsfonds der Euro-Länder zum Schuldenabbau. Demnach würde ein Teil der griechischen Einnahmen auf das Sonderkonto fließen. Sie wären damit anderen Ausgabezwecken entzogen. Ziel dieses transparenten Verfahrens beim Schuldenabbau ist es auch, Zweifel der Märkte und Anleger zu zerstreuen.

Beim deutsch-französischen Ministerrat machten Berlin und Paris auch Druck in dem seit Jahren andauernden Streit über eine Harmonisierung der Unternehmenssteuern in der EU. Beide Länder legten bei ihren Regierungskonsultationen ein «Grünbuch» zur Angleichung vor. Merkel sagte, sie sei sehr optimistisch, dass die Arbeiten rechtzeitig zum 50-jährigen Jubiläum des deutsch-französischen Freundschaftsvertrages («Elysée-Vertrag») im nächsten Jahr abgeschlossen werden könnten. Sarkozy sprach von einer strategischen Maßnahme mit ganz großer Bedeutung.

Seite versenden
 

Das könnte Sie auch interessieren
Regionen

Wählen Sie Ihre Region

Karte mit einzelnen Regionen Tübingen Reutlingen Pfullingen Eningen Lichtenstein Über der Alb Neckar und Erms

Harsche Kritik nach...

Logos der Metro-Group hängen vor der Konzernzentrale in Düsseldorf. Foto: Martin Gerten/Archiv

Düsseldorf (dpa) - Nach Führungskrise, Gewinneinbr... mehr»

Opfer von Ärztefehlern sollen...

Tausende Patienten sterben jedes Jahr wegen Ärztefehlern. Foto: Uwe Zucchi

Berlin (dpa) - Opfer von Arztfehlern sollen leicht... mehr»

Kabinett beschließt...

Wirtschaftsminister Philipp Rösler und Kanzlerin Angela Merkel beim Energie-Gipfel. Foto: Michael Kappeler

Berlin (dpa) - Die 39 Millionen Mieter in Deutschl... mehr»

Zoll beschlagnahmt 18 Tonnen...

Die Fahnder entdeckten die Rauchware bei der Durchleuchtung eines 40-Fuß-Containers in der Containerprüfanlage. Foto: Boris Roessler/Archiv

Hamburg (dpa) - Zollfahnder haben im Hamburger Haf... mehr»

Blatter: FIFA «in ruhigem Gewässer»

Joseph Blatter sieht die FIFA wieder auf dem richtigen Kurs. Foto: Mohamed Messara

Budapest (dpa) - Vor dem FIFA-Kongress in Budapest... mehr»

Bundesregierung

Opfer von Ärztefehlern sollen leichter Recht bekommen

Tausende Patienten sterben jedes Jahr wegen Ärztefehlern. Foto: Uwe Zucchi
Opfer von Arztfehlern sollen leichter Schadenersatz bekommen. Dazu beschloss das Bundeskabinett ein Patientenrechtegesetz.
lesen »
Sex-Partys mit Strauss-Kahn

Ermittlungen wegen Gruppenvergewaltigung

Wegen bandenmäßiger Zuhälterei läuft bereits ein Anklageverfahren gegen Dominique Strauss-Kahn. Foto: Andrew Gombert/Archiv
Der frühere IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn muss nun auch ein Anklageverfahren wegen gemeinschaftlicher Vergewaltigung fürchten.
lesen »
Internet

Facebook-Börsengang wird zum Rekordflop

Monatelange hatten Anleger dem Börsengang von Facebook entgegengefiebert, doch statt eines guten Geschäfts gab es ein Desaster: Die Aktie hat in wenigen Tagen fast ein Fünftel ihres Werts verloren. Foto: Emily Wabitsch
Der Kurs ist am dritten Handelstag weiter um annähernd 9 Prozent auf 31 Dollar eingebrochen. Ein Anleger, der zum Ausgabepreis von 38 Dollar gekauft hatte, verlor somit zum Ende des Handels 18 Prozent seines Geldes.
lesen »
Film

Brad Pitt ohne Angelina Jolie in Cannes

Cool, cooler, Brad Pitt. Foto: Guillaume Horcajuelo
Die Liste der Cannes-Stars auf dem Festival ist lang. Einer aber versetzte die Fotografen, Journalisten und Autogrammjäger wieder in fast hysterische Aufregung: Brad Pitt.
lesen »