Politik
Lage in Myanmar

Suu Kyienttäuscht erneut

VONOLIVER JIROSCH

Lange, viel zu lange musste die Welt-Öffentlichkeit auf eine Stellungnahme von Myanmars De-facto-Staatschefin zu den besorgniserregenden Vorkommnissen in ihrem Land warten. Nun endlich hat sich Aung San Suu Kyi geäußert zur Vertreibung der Rohingya, die zu Hunderttausenden das Land verlassen mussten. Die Friedensnobelpreisträgerin brach ihr Schweigen, aber mit ihrem Statement enttäuschte sie nicht nur die verfolgte Minderheit in ihrem Land, sondern die ganze Welt.

Erst nach massiver internationaler Kritik nahm Suu Kyi zur Massenflucht der Rohingya aus Myanmar Stellung. Sie verurteilte zwar Menschenrechtsverletzungen, blieb aber ansonsten sehr im Vagen, zum Entsetzen der Menschenrechtsaktivisten, die sich noch so sehr für Suu Kyi eingesetzt hatten während deren 15-jährigen Hausarrests. Die Regierungschefin ließ eine klare Schuldzuweisung vermissen, Kritik am überharten und unmenschlichen Vorgehen der Soldaten blieb aus.

Auslöser der Gewalt Anfang August war in der Tat der Angriff auf einen Posten der Sicherheitskräfte, der von einer Rebellengruppe der Rohingya ausging, einer Volksgruppe, die seit Jahrzehnten unterdrückt ist. Die Sicherheitskräfte aber antworteten mit einem Gewalt-Exzess, der die Vereinten Nationen von ethnischen Säuberungen sprechen lässt. Suu Kyi, einst das Symbol des zivilen Widerstandes für die Demokratisierung ihres Landes, die während ihres Arrestes von der demokratischen Welt unterstützt wurde, sie lässt nun eine verfolgte Minderheit in ihrem Land im Stich. Eine bodenlose Enttäuschung - bleibt nur das Hoffen auf den Einfluss der UN.

oliver.jirosch@gea.de

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