Kultur
Konzert - Blockflötenensemble »Quartet New Generation« im Kammermusik-Zyklus in der Listhalle

Wundervoll

REUTLINGEN. Dunkel muss es in der Listhalle sein, wenn das »Quartet New Generation« mit seinen vielen Blockflöten auftritt. Eine der Musikerinnen bläst das Lied »In dulci jubilo«. Es wird also weihnachtlich, wozu auch die verschiedenen Texte beitragen, die im Lauf des Abends vorgelesen werden. Darunter Theodor Storms bekanntes »Weihnachtslied«, aber auch ein etwas schräger und Heiterkeit auslösender Wunschzettel. Die vier Frauen - Susanne Fröhlich, Andrea Guttmann, Heide Schwarz und Miako Klein - inszenieren ihren Auftritt aus dem Dunkel und der Stille heraus.

Alte und neue Musik spielen sie, und beides so vollendet und kultiviert und beseelt vorgetragen, dass es keinen Unterschied macht, in welche Epoche sie ihr Publikum mitnehmen. Um es deutlich zu sagen: Gerade bei den modernen Stücken haben sich das überragende Können dieses Quartetts, seine traumhafte Technik, seine Virtuosität, seine stilistische Intelligenz, seine Farbigkeit und seine Modulationskunst des Tons am stärksten manifestiert.

Klar, dass sie die alten Meister exzellent musizieren. Bach mit einer in allen Linien atmenden Fuge beispielsweise, wo sich dann ungeahnte Schönheiten des Kontrapunkts auftun; oder John Dowland mit einer frisch und pfiffig hingetanzten Pavane; oder Cipriano de Rore mit einem Stück, das wie eine Motette gesungen wird.

Auf der anderen Seite dann die Zeitgenossen Fulvio Caldini mit seiner dunklen, aus der Tiefe aufstrahlenden Verbeugung vor dem großen Perotinus und mit seiner schwirrenden Mini-Toccata oder wie Wim Henderickx mit »In Deep Silence II«, in dem Stimmungen und Farbflächen entworfen werden, die man der Blockflöte nie zugetraut hätte und die von den vier Musikerinnen zu einem fantastischen Film gefügt werden. Reich an Farben und Ausdruck und immer mit neuen, verblüffend schönen Sequenzen.

Fast unbegrenzte Möglichkeiten

Die Damen wechseln flink ihre vielen Instrumente vom Winzling bis zum Zwei-Meter-und-mehr-Subbass. Alle spielen alles, und jede macht das meisterhaft. Die vier Blockflöten werden zu einem einzigen Instrument der fast unbegrenzten Möglichkeiten. Selbst aus den Anblasgeräuschen zaubern die Spielerinnen noch locker schwingende Musik. Schlagwerkeffekte bauen sie vergnügt ein. Klänge wie aus der elektronischen Musik erzeugen sie mit feinstem ästhetischen Empfinden. Und wenn jetzt nochmals Caldini in einem Atemzug mit Perotinus genannt wird, dann deswegen, weil hier die Zeitlosigkeit von Musik - unabhängig vom Urteil der Epochen - sozusagen endgültig bestätigt wurde. Auch die geschmackvoll und mit allen Zeichen edler musikalischer Kalligrafie in den Raum geschriebene Gartenkunst (»Idyll«) des Japaners Ryohei Hirose gehört zu diesem Kontext des Zeitlosen.

Das »Quartet New Generation« kann aber auch ganz anders. Frech und ausgelassen blasen und tuten sie ihre Zugabe. Zeigen, dass sich auch mit den Einzelteilen ihrer Instrumente atemberaubend viel Wind machen lässt - bei vollem Bühnenlicht. (hdw)


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